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Der thyreoidale Status von Ziegenlämmern und deren Müttern in der peripartalen Periode

Simon, Claudia


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologieder Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.03.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 10.06.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Um die bislang lediglich an Schafen und Rindern gewonnenen Daten über den peripartalen und perinatalen Schilddrüsenhormonhaushalt
an Ziegen zu überprüfen und erstmals die thyreoidalen Adaptationsvorgänge im neonatalen, caprinen Organismus darzustellen, wurde eine
Erhebung der Schilddrüsenhormonprofile von T4, T3 sowie deren freien Fraktionen (FT4, FT3) mittels Chemiluminescenz Assay an
neugeborenen Ziegenlämmern während der ersten vier Lebenswochen sowie von deren Müttern sechs Tage ante partum bis vier Wochen
post partum vorgenommen. Daneben fand eine Berechnung der thyreoidalen Quotienten (T3/T4, T3/FT3-, T4/FT4- und FT3/FT4-Ratio)
sowie die Erfassung der Vitalparameter: Herz- und Atemfrequenz, Rektaltemperatur, Scheitelsteißlänge und fortschreitende
Gewichtsentwicklung statt. Während der Ablammsaison 1998 wurden 28 Muttertiere der Rassen WDE (n= 15), Burenziege (n= 7) und
Toggenburger Ziege (n= 6) sowie deren insgesamt 46 Lämmer (WDE: n= 26; Burenziege: n= 9; Toggenburger Ziege: n= 11) in die Studie
einbezogen. Im Kollektiv der WDE-Lämmer trat ab dem 5. Lebenstag eine durch Clostridium perfringens Typ B verursachte, schwere
Diarrhoe auf, die bei den affektierten Lämmern (n= 7) ausnahmslos zum Tode führte. Auch in diese Gruppe wurden bis zum Exitus letalis
Serumproben zur Bestimmung der thyreoidalen Hormonkonzentrationen gewonnen und die Vitalparameter protokolliert.


Um die bislang lediglich an Schafen und Rindern gewonnenen Daten über den peripartalen und perinatalen Schilddrüsenhormonhaushalt
an Ziegen zu überprüfen und erstmals die thyreoidalen Adaptationsvorgänge im neonatalen, caprinen Organismus darzustellen, wurde eine
Erhebung der Schilddrüsenhormonprofile von T4, T3 sowie deren freien Fraktionen (FT4, FT3) mittels Chemiluminescenz Assay an
neugeborenen Ziegenlämmern während der ersten vier Lebenswochen sowie von deren Müttern sechs Tage ante partum bis vier Wochen
post partum vorgenommen. Daneben fand eine Berechnung der thyreoidalen Quotienten (T3/T4, T3/FT3-, T4/FT4- und FT3/FT4-Ratio)
sowie die Erfassung der Vitalparameter: Herz- und Atemfrequenz, Rektaltemperatur, Scheitelsteißlänge und fortschreitende
Gewichtsentwicklung statt. Während der Ablammsaison 1998 wurden 28 Muttertiere der Rassen WDE (n= 15), Burenziege (n= 7) und
Toggenburger Ziege (n= 6) sowie deren insgesamt 46 Lämmer (WDE: n= 26; Burenziege: n= 9; Toggenburger Ziege: n= 11) in die Studie
einbezogen. Im Kollektiv der WDE-Lämmer trat ab dem 5. Lebenstag eine durch Clostridium perfringens Typ B verursachte, schwere
Diarrhoe auf, die bei den affektierten Lämmern (n= 7) ausnahmslos zum Tode führte. Auch in diese Gruppe wurden bis zum Exitus letalis
Serumproben zur Bestimmung der thyreoidalen Hormonkonzentrationen gewonnen und die Vitalparameter protokolliert.


Die Auswertung der gemessenen und errechneten Parameter zeigte, daß gesunde Ziegenlämmer post natum einer im Vergleich zu ihren
Müttern extremen Stimulation der Schilddrüse und demzufolge hyperthyreoten Funktionslage unterliegen. Die Profile der
Schilddrüsenhormonverhältnisse von Ziegenmüttern und deren Lämmern weisen nach der Geburt unterschiedlich ausgerichtete Profile auf
und verhalten sich zum Teil invers zueinander. Die maternalen Thyroxinprofile sind charakterisiert durch eine signifikante, antepartale
Reduktion der T4- und FT4-Serumkonzentrationen (p< 0,001) in einem Zeitraum von zwei Tagen ante partum bis zum Zeitpunkt unmittelbar
nach der Geburt und einer nachfolgenden Stabilisierung der thyreoidalen Funktion. Im Kollektiv der Ziegenmütter konnten rassespezifisch
unterschiedliche Hormonkonzentrationen sowohl für T3 und FT3 als auch für T4 und FT4 gesichert werden.


Darüber hinaus wurde offensichtlich, daß in allen Rassekollektiven ernorme Anpassungsvorgänge innerhalb der postnatalen Periode der
Lämmer, im Sinne einer mittelfristigen Konzentrationsabsenkung, stattfinden. Die neonatale Adaptation konnten in zwei unterschiedliche
Phasen eingeteilt werden. Der ersten Adaptationsphase unmittelbar post natum, die durch eine gegenüber den Müttern hyperthyreote
Funktionslage gekennzeichnet ist, schließt sich eine zweite Anpassungsperiode bis zur zweiten Lebenswoche an. Diese beinhaltet eine
allgemeine Reduzierung der peripher zirkulierenden Konzentrationen aller thyreoidalen Hormonfraktionen.


Im Vergleich der thyreoidalen Sekretionsraten von klinisch unauffälligen und an Diarrhoe erkrankten WDE-Lämmern konnten signifikant
niedrigere Serumkonzentrationen aller thyreoidalen Hormonfraktionen, bereits vor dem klinischen Ausbruch der Erkrankung bis zum Ende
des Untersuchungszeitraumes, in der Gruppe der erkrankten Lämmer ermittelt werden. Außerdem wiesen die Mütter der affektierten
Lämmer bereits antepartal tendenziell niedrigere Schilddrüsenhormonkonzentrationen auf, als die Mütter der klinisch gesunden Lämmer.
Diese Unterschiede konnten statistisch allerdings nicht belegt werden. Vor diesem Hintergrund wird die bidirektionale Beziehung zwischen
der Hypothalmus-Hypophysen-Thyreoidalachse und dem Immunsystem evaluiert. Mögliche Einflussfaktoren wie Geburtsbedingungen und
alimentäre Jodversorgung auf beide Systeme werden diskutiert.


Mit den ermittelten Befunden sind erstmals thyreoidale Basiswerte von caprinen Neonaten und von Ziegenmüttern in der peripartalen
Periode vorhanden, die darüber hinaus einen Einblick in die Pathophysiologie des Schilddrüsensystems gestatten. Um tiefere
Erkenntnisse über die Beziehung zwischen der Schilddrüsenfunktion und Neugeborenenerkrankungen zu gewinnen, sind jedoch weitere
Untersuchungen, die die komplexe Interaktion zwischen den Mediatoren sowie den zellulären und humoralen Komponenten des
Immunsystems und der Hypothalamus-Hypophysen-Thyreoidalachse beleuchten, unerlässlich.

Kurzfassung auf Englisch: In order to examine the data so far obtained only from sheep and cattle on the peripartal and perinatal hormone balance of the thyroid gland
in goats and, for the first time, to explain the thyroidal adaptation processes in the neonatal, caprine organism, a survey conducted on the
thyroid gland hormone profiles of T4, T3 and their free fractions (FT4, FT3) using chemiluminescence assay on newborn kids during the first
four weeks of life and on their mothers six days ante partum up to four weeks post partum. In addition, the thyroidal quotients (T3/T4,
T3/FT3, T4/FT4 and FT3/FT4 ratios) were calculated and the vital parameters recorded: heart and respiratory rates, rectal temperature,
vertex-breech length and progressive weight development. During the kidding season in 1998, 28 mother goats of the breed WDE (White
German goats) (n=15), Buren goats (n=7) and Toggenburg goats (N06) as well as all their 46 kids (WDEs n=26; Buren goats n=9;
Toggenburg goats n=11) were included in the study. In the group of WDE kids, severe diarrhoea caused by clostridium perfringens type B
occurred from the 5th day of life resulting in the death of all the kids affected (n=7) without exception. Serum samples to determine the
thyroidal hormone concentrations were also obtained from this group until their death and the vital parameters documented.


The evaluation of the parameters measured and calculated showed that healthy kids undergo post natum extreme stimulation of the thyroid
gland compared with their mothers and, as a consequence, a hyperthyroid function condition. The profiles of the thyroid gland hormone
conditions of the mother goats and their kids exhibit differences after the birth and in some cases run inversely to each other. The maternal
thyroxin profiles are characterised by a significant antepartal reduction of the T4 and FT4 serum concentrations (p< 0.001) in a period of
two days ante partum up until directly after birth and a subsequent stabilisation of the thyroidal function. In the group of mother goats
different hormone concentrations specific to each breed were found both for T3 and FT3 and for T4 and FT4.


In addition, it was evident that in all breed groups tremendous adaptation processes take place within the postnatal period of the kids in the
sense of a mediumterm reduction in concentration. The neonatal adaptation could be divided into two different phases. The first adaptation
phase directly post natum, which is characterised by a hyperthyroid function condition compared with the mothers, is followed by a second
adaptation period up to the second week of life. This involves a general reduction in the peripherally circulating concentrations of all
thyroidal hormone fractions.


In a comparison of the thyroidal secretion rates of clinically healthy WDE kids and those suffering from diarrhoea, significantly lower serum
concentrations of all thyroidal hormone fractions were determined in the group of sick kids even before the clinical outbreak of the illness up
to the end of the study period. Moreover, the mothers of the affected kids already exhibited ante partal a trend towards lower thyroid gland
hormone concentrations than the mothers of the clinically healthy kids. These differences could not, however, be substantiated statistically.
The bidirectional relationship between the hypothalamus, hypophysis and thyroidal axis and the immune system is evaluated against this
backdrop. Possible factors influencing both systems such as birth conditions and alimentary iodine ingestion are discussed.


With these findings thyroidal basic values of caprine neonates and mother goats in the peripartal period are available for the first time and
they also provide an insight into the pathophysiology of the thyroid gland system. However, in order to obtain more indepth knowledge of the
relationship between the thyroid gland function and illnesses of newborn animals, it is imperative to conduct further studies which examine
the complex interaction between the mediators and the cellular and humoral components of the immune system and the hypothalamus,
hypophysis and thyroidal axis.