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Akute Abstoßungsinzidenz im ersten Jahr nach Lebendnierentransplantation bei Anwendung zweier verschiedener immunsuppressiver Protokolle : Die Kombination von Prednisolon und Azathioprin mit Cyclosporin A versus Tacrolimus

Stopp, Kerstin


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Chirurgie, Anästhesiologie und Urologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.04.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 04.06.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Jährlich kommt es in Deutschland zu ca. 2900 Neuanmeldungen von Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz auf die Warteliste zur
Nierentransplantation. Demgegenüber steht eine nahezu gleichbleibende Transplantationsrate von ca. 2300 Nieren pro Jahr. Somit ist ein
progredienter Wachstum der Warteliste vorprogrammiert. Es gibt zwei wichtige Möglichkeiten, diesem Mißstand zu begegnen:


· Es sollten die bereits transplantierten Organe möglichst lange in ihrer Funktion erhalten werden, um Retransplantationen zu vermeiden.
Die Organe werden überwiegend durch zwei Faktoren verloren, zum einen durch den Tod des Patienten mit einem funktionstüchtigen
Organ und zum anderen durch eine chronische Abstoßungsreaktion. Dieser Prozeß wird durch viele Dinge begünstigt, vor allem aber durch
das Auftreten akuter Rejektionsepisoden. Aus diesem Grund ist ein Hauptziel, durch eine optimale Immunsuppression eine akute
Abstoßung zu vermeiden.


· Ein weiterer Punkt stellt die Ausweitung der Lebendnierentransplantation dar. In Deutschland wurden bis 1996 nur vereinzelt (ca. 4%)
Lebendnierenspenden unter verwandten Familienmitgliedern, überwiegend zwischen Eltern und Kinder und unter Geschwistern, praktiziert.
Im Rahmen des herrschenden Organmangels ist es erfreulicherweise in den letzten Jahren bereits zu einer Zunahme der
Lebendnierenspende gekommen. Insbesondere die emotionale Spende unter Ehepartnern und Freunden gewinnt in Deutschland
zunehmend an Bedeutung. Die hiermit einher gehende schlechtere HLA-Übereinstimmung bringt wiederum ein erhöhtes Risiko akuter
Rejektionen mit sich, die es gilt zu vermeiden.


Im Gießener Transplantationszentrum wurden seit Mai 1993 Lebendnierenspenden unter einer Immunsuppression mit Azathioprin,
Prednisolon und Cyclosporin A durchgeführt. Bei der Zwischenanalyse zeigte sich, daß die Rejektionsrate im Vergleich zur
Leichennierentransplantation um 19% höher lag (28% versus 9%). Dies gab uns den Anlaß, das immumnsuppressive Schema der
Lebendnierenspende zu verändern, unter dem Aspekt, die höhere Rejektionsrate zu senken. Da bereits große Pilotstudien den Ansatz
gezeigt hatten, daß Tacrolimus die Rate akuter Abstoßungen senkt, ersetzten wir Cyclosporin A durch Tacrolimus. Wir verglichen die
beiden immunsuppressiven Protokolle nach Lebendnierentransplantation bezüglich der Rejektionsrate und der Nebenwirkungsprofile.


Zusammenfassend erbrachte unserer Studie folgende Ergebnisse:


1. Es kommt unter einer Basisimmunsuppression mit Tacrolimus im Rahmen der Lebendnierenspende im Vergleich mit Cyclosporin A bei
gleichem Patienten- und Transplantatüberleben zu einer signifikanten Reduktion akuter Abstoßungsreaktionen.


2. Die Reduktion der akuten Abstoßungsepisoden geht nicht mit einem erhöhten Infektions- oder Malignomsrisiko einher.


3. Im Vergleich zu Cyclosporin A liegt bei Tacrolimus kein negativer Einfluß auf den Fettstoffwechsel vor. Ebenfalls hat Tacrolimus eine
geringere vasokonstriktive Potenz, welche zu einer Einsparung von Antihypertensiva und zu einer Verbesserung der
Nierentransplantatfunktion nach einem Jahr führt.


4. Im Gegensatz zu Cyclosporin A kommt es unter Tacrolimus zu keiner Gingivahyperplasie und zu keinem Hirsutismus.


Die Ergebnisse unserer Studie belegen, daß eine auf Tacrolimus basierende Immunsuppression sowohl hinsichtlich der akuten
Abstoßungsraten als auch in Hinsicht auf das Nebenwirkungsprofil gerade bei der Lebendnierenspende zu bevorzugen ist, weil durch die
Ausweitung auf die emotionale Lebendnierenspende mit einer zunehmend schlechteren genetischen Übereinstimmung und mit einem
daraus resultierenden höheren Abstoßungsrisiko zu rechnen ist.