Nach Einführung der Sulfonamide in den 1930er Jahren kamen diese auch zunehmend parenteral bei bakteriell bedingten Hauterkrankungen zum Einsatz. Im folgenden Jahrzehnt trat die Therapie mit Penicillinpräparaten hinzu. Ende der 40er Jahre wurden auch in Deutschland synthetisch hergestellte organische Kontaktinsektizide in Form verschiedener DDT- und HCH-Präparate und organischer Thiophosphate eingesetzt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts fanden zunehmend physikalische Methoden wie Quarzlicht, Höhensonne, Röntgenstrahlen und Ozonbehandlungen in der Dermatologie Anwendung.
Mit den Ausführungen zu dieser Thematik schliesst die vorliegende Dissertation, deren Intention es war, die Entwicklung der theoretischen und praktischen Grundlagen herauszuarbeiten, welche die Basis bilden für die heutige Dermatologie des Hundes mit ihren Möglichkeiten und Perspektiven."> Because of theire relative size fleas, lice, mallophaga and ticks have been familiar for centuries. During the 19th century skin disease began to be classified into either parasitic or non parasitic forms. Meticulous morphological descriptions and empirical comparisons, the relaying of information concerning contagiousness and contamination as well as the search for the appropriate classification and terminology are the trademarks of this period. At the same time non-parasitic skin disease, in particular eczema and other pussy lesions atttained a higher profile as their diagnosis became easier.
By the end of the 19th century sarcoptes mange had become the second most commonly identified canine disease, behind distemper. By the middle of the 20th century, mange began to take a back seat to eczema and demodicosis. In all probability, symptoms of disease caused by parasites of the epidermis have been known throughout the centuries, as well as dermatomycosis, acne and boils. Among the less common skin diseases but also mentioned in the literature are parasitic dermatitis (1883), acanthosis nigricans (1903) and actinomycosis (1888). Increased attention of the veterinary community in oncology becomes apparent towards the end of the 19th century. The possibility of making inferences concerning human neoplasms led to the dog becoming an interesting object for modelling the human condition. Next to mange, ear disease counts as one of the earliest recognised skin disease of the dog. For a long time obscure nomenclature existed, which remained in use until well into the 20th century.
The manifold and different ways of satisfactorily treating most of the skin diseases in order to demonstrate satisfactory results show very clearly that very complex pathobiological methods were employed.The therapy in the 19th century invariably included - aside from treatment with medication - a change in diet, often combined with purging and roborants with a simultaneous improvement in the conditions under which the animal was kept. Most of the medications were self- formulated or adopted from large animal practice. It was only at the beginning of the 20th century that medication began to be commercialised and mass produced. Powder, paste, cream or liquid medications were adapted to suit the indications of the disease. Astringent, absorbent, anaesthetic, antiphlogistic, antiseptic, keratolytic and anti-parasitic therapies were used.
Support for this development came through the increasingly changing attitude of the dog owners. Aside from the traditional keeping of dogs for working purposes (guarddogs, hunting, shepherding and watchdogs), animals were increasingly being kept in the cities as household pets. The closer the ties between man and hound - especially in physical terms - the more people became disturbed by permanent itching, unpleasant smells and restlessness. The price of medication became less of an issue than ease and simplicity of application, smell and degree of effectiveness.
After their introduction in the 1930th, the sulphonamides were increasingly used parenterally in cases of bacterial skin disease, joined in the following decade by penicillin. At the end of the 1940th also in Germany synthetic organic pesticides in the form of various DDT, HCH and organic thiophosphate preparations became available. From the beginning of the 20th century physical rather than chemical treatments such as quarz lamps, X-rays, mercury vapour lamps and ozone treatment became increasingly popular for dermatological purposes.
The purpose of this dissertation, which refers back to the previously mentioned aspects, was to make transparent the developments which formed the basis for the current dermatology of the dog with its opportunities and perspectives.">
 

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Entwicklung der Dermatologie des Hundes in Deutschland (19. bis Mitte 20. Jahrhundert)

Marx, Corinna


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Geschichte der Medizin
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.03.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 16.04.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Obwohl der Hund zu den ältesten domestizierten Haustieren gehört, begann die Veterinärmedizin erst Anfang des 19. Jahrhunderts sich
eingehender mit ihm zu befassen.


Erstmals erscheinen in Deutschland kleine Monographien über Krankheiten des Hundes. Die Autoren erwähnten als Hauterkrankungen
lediglich die nasse oder trockene Räude, auch Schäbe genannt, und den 'äusseren und inneren Ohrwurm'. Eine wichtige Rolle spielten
seit den 1880er Jahren die veterinärmedizinischen Fachzeitschriften als Forum für Diskussionen zwischen Wissenschaftlern und
praktizierenden Tierärzten.


Aufgrund ihrer Grösse waren von den Ektoparasiten seit altersher Flöhe, Läuse, Haarlinge und Zecken bekannt. Eine Unterteilung in
parasitär und nichtparasitär bedingte Hautkrankheiten erfolgte im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Akribische morphologische
Beschreibungen und tierartliche Vergleiche, Mitteilungen über Kontagiosität und Kontamination sowie die Suche nach der richtigen
biologischen Zuordnung und Terminologie bestimmen diesen Zeitraum. Gleichzeitig rücken nichtparasitäre Hauterkrankungen, allen voran
das Ekzem und andere eitrige Hautentzündungen, immer mehr in den Vordergrund, weil sie erst jetzt klar diagnostisch abgrenzbar waren.


Die Sarcoptesräude war bis Ende des 19. Jahrhunderts die zweithäufigste nachgewiesene Erkrankung der Hunde und wurde nur noch von
der Staupe übertroffen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts kam es zu einer Verschiebung in Richtung Ekzem und Demodikose. Vermutlich
waren Krankheitsbilder von auf der Hautoberfläche schmarotzender Parasiten seit altersher bekannt, ebenso wie Dermatomykosen, Akne
und Furunkulose. Zu den seltenen aber dennoch in der Literatur erwähnter Hauterkrankungen zählten die Dermatitis verminosa (1883), die
Acanthosis nigricans (1903) und die Aktinomykose (1888). Eine gesteigerte Aufmerksamkeit der Veterinärmedizin an der Onkologie
setzte gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein. Die Möglichkeit, Rückschlüsse auf humane Neoplasien ziehen zu können, rückte den Hund
als 'Modelltier' für den Menschen in den Mittelpunkt des Interesses. Erkrankungen der Ohren zählen neben der Räude zu den am frühesten
erwähnten Hautkrankheiten des Hundes. Lange Zeit existierten teils obskure Bezeichnungen, an denen allerdings bis weit in das 20.
Jahrhundert festgehalten werden sollte.


Die Vielfalt und die unterschiedlichen Wege, die bei der Behandlung der meisten Hauterkrankungen beschritten wurden, um befriedigende
Erfolge zu verzeichnen, zeigen sehr deutlich, daá es sich um sehr komplexe pathobiologische Vorgänge handelt. Zur Therapie gehörte im
19. Jahrhundert neben einer medikamentösen Behandlung fast immer zusätzlich auch eine Futterumstellung, oftmals in Kombination mit
Abführmitteln und Roborantien bei gleichzeitiger Verbesserung der Haltungsbedingungen. Die eingesetzten Medikamente, meistens selbst
rezeptiert oder aus der Grosstierpraxis übernommen, werden erst Anfang des 20. Jahrhunderts in immer grösserem Umfang kommerziell
und fabrikmässsig hergestellt. Die als Puder, Pasten, Salben oder in flüssiger Form vorliegenden Arzneimittel passte man dem
Krankheitsbild individuell an. Zum Einsatz kamen adstringierende, adsorbierende, anästhesierende, antiphlogistische, antiseptische,
keratolytische und antiparasitäre Mittel.


Unterstützung erfuhr diese Entwicklung durch die sich zunehmend wandelnde Einstellung der Hundebesitzer. Neben den vormals
hauptsächlich zur Arbeit herangezogenen Tieren (Hüte-, Jagd-, Treib- und Wachhunde) nahm vor allem in den Städten die Haltung von
"Haus- und Luxushunden" rapide zu. Je enger die Bindung zwischen Mensch und Hund, auch räumlich gesehen, wurde, umso störender
empfand man beim vierbeinigen Hausgenossen einen permanenten Juckreiz, Ruhelosigkeit oder unangenehme Gerüche. Die
verabreichten Medikamente mussten nicht mehr in erster Linie preiswert und kostengünstig sein, sondern jenen Umständen verstärkt
Rechnung tragen; das heisst sich durch eine einfache, nicht schmierende, geruch- und farblose Applikation auszeichnen und trotzdem hoch
effektiv sein.


Nach Einführung der Sulfonamide in den 1930er Jahren kamen diese auch zunehmend parenteral bei bakteriell bedingten
Hauterkrankungen zum Einsatz. Im folgenden Jahrzehnt trat die Therapie mit Penicillinpräparaten hinzu. Ende der 40er Jahre wurden auch
in Deutschland synthetisch hergestellte organische Kontaktinsektizide in Form verschiedener DDT- und HCH-Präparate und organischer
Thiophosphate eingesetzt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts fanden zunehmend physikalische Methoden wie Quarzlicht, Höhensonne,
Röntgenstrahlen und Ozonbehandlungen in der Dermatologie Anwendung.


Mit den Ausführungen zu dieser Thematik schliesst die vorliegende Dissertation, deren Intention es war, die Entwicklung der theoretischen
und praktischen Grundlagen herauszuarbeiten, welche die Basis bilden für die heutige Dermatologie des Hundes mit ihren Möglichkeiten
und Perspektiven.
Kurzfassung auf Englisch: Althought the dog counts as the oldest form of domesticated pet, Veterinary science first began to take serious interest in the species at the
beginning of the 19th century. In the beginning, small monographs relating to canine illness began to appear in Germany.- often translated
from the English (Waldinger 1818, Blaine 1820, Weiá 1852). The authors concerned themselves solely with skin disease such as wet or dry
mange, and the internal and external "ear worm" or 'canker in and of the ear'. From the 1880th, veterinary science journals have played an
important roll as a forum for discussion between natural scientists and practising veterinarians.


Because of theire relative size fleas, lice, mallophaga and ticks have been familiar for centuries. During the 19th century skin disease
began to be classified into either parasitic or non parasitic forms. Meticulous morphological descriptions and empirical comparisons, the
relaying of information concerning contagiousness and contamination as well as the search for the appropriate classification and
terminology are the trademarks of this period. At the same time non-parasitic skin disease, in particular eczema and other pussy lesions
atttained a higher profile as their diagnosis became easier.


By the end of the 19th century sarcoptes mange had become the second most commonly identified canine disease, behind distemper. By
the middle of the 20th century, mange began to take a back seat to eczema and demodicosis. In all probability, symptoms of disease
caused by parasites of the epidermis have been known throughout the centuries, as well as dermatomycosis, acne and boils. Among the
less common skin diseases but also mentioned in the literature are parasitic dermatitis (1883), acanthosis nigricans (1903) and
actinomycosis (1888). Increased attention of the veterinary community in oncology becomes apparent towards the end of the 19th century.
The possibility of making inferences concerning human neoplasms led to the dog becoming an interesting object for modelling the human
condition. Next to mange, ear disease counts as one of the earliest recognised skin disease of the dog. For a long time obscure
nomenclature existed, which remained in use until well into the 20th century.


The manifold and different ways of satisfactorily treating most of the skin diseases in order to demonstrate satisfactory results show very
clearly that very complex pathobiological methods were employed.The therapy in the 19th century invariably included - aside from treatment
with medication - a change in diet, often combined with purging and roborants with a simultaneous improvement in the conditions under
which the animal was kept. Most of the medications were self- formulated or adopted from large animal practice. It was only at the
beginning of the 20th century that medication began to be commercialised and mass produced. Powder, paste, cream or liquid
medications were adapted to suit the indications of the disease. Astringent, absorbent, anaesthetic, antiphlogistic, antiseptic, keratolytic
and anti-parasitic therapies were used.


Support for this development came through the increasingly changing attitude of the dog owners. Aside from the traditional keeping of dogs
for working purposes (guarddogs, hunting, shepherding and watchdogs), animals were increasingly being kept in the cities as household
pets. The closer the ties between man and hound - especially in physical terms - the more people became disturbed by permanent itching,
unpleasant smells and restlessness. The price of medication became less of an issue than ease and simplicity of application, smell and
degree of effectiveness.


After their introduction in the 1930th, the sulphonamides were increasingly used parenterally in cases of bacterial skin disease, joined in the
following decade by penicillin. At the end of the 1940th also in Germany synthetic organic pesticides in the form of various DDT, HCH and
organic thiophosphate preparations became available. From the beginning of the 20th century physical rather than chemical treatments
such as quarz lamps, X-rays, mercury vapour lamps and ozone treatment became increasingly popular for dermatological purposes.


The purpose of this dissertation, which refers back to the previously mentioned aspects, was to make transparent the developments which
formed the basis for the current dermatology of the dog with its opportunities and perspectives.