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Die subjektive Wahrnehmung der Prodromalsymptomatik bei akutem Myokardinfarkt

Blum, Nicola


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Psychosomatische Medizin, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.01.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 18.03.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Thema


Das subjektive Schmerzempfinden und die subjektive Bewertung wahrgenommener Symptome beim Herzinfarkt sind Faktoren, die die
optimale Behandlung dieser akuten Notfallsituation entscheidend beeinflussen. Wird der typische Brustschmerz nicht, nur leicht oder als
andersartiger Schmerz verspürt oder wird ihm eine krankheitsinadäquate Bedeutung zugeschrieben, bleibt oft ein adäquates
Hilfesuchverhalten und ein schnellstmöglicher Therapiebeginn aus. Das Phänomen der Stummen Ischämie wurde bisher in zahlreichen
Studien im Hinblick auf klinische Unterschiede, generell erhöhte Schmerzschwellen, eine verstärkte Aktivierung des endogenen
Opiatsystems und psychologische Einflüsse untersucht;diese Studie befasst sich mit den subjektiven Angaben der Patienten zur
Prodromalphase eines akuten Herzinfarktes bis zur ärztlichen Behandlung und setzt sie in Bezug zu klinischen Befunden und
testpsychologischen Ergebnissen.


Methoden


Innerhalb eines 12-monatigen Untersuchungszeitraumes werden 95 Patienten untersucht, die anhand eines halbstrukturierten Interviews
innerhalb der ersten 14 Tage nach einem akuten Herzinfarkt zum Krankheitsgeschehen (Laientheorie der Erkrankung, Hilfesuchverhalten,
Bedrohlichkeitseinschätzung der Situation) befragt wurden. Außerdem kommen 4 standardisierte testpsychologische Instrumente zur
Persönlichkeitsstruktur (FPI), den Kontrollüberzeugungen zu Krankheit und Gesundheit (KKG), der Krankheitsverarbeitung (FKV) und den
Körperkonzepten (FKKS) zum Einsatz. Die klinischen Daten werden anhand der Krankenakten erhoben.


Ergebnisse


Patienten ohne Schmerzsymptome hatten zu einem großen Teil Hinterwandinfarkte erlitten, die symptomatischen Infarkte waren hingegen
zu gleichen Teilen an der Ventrikelvorder- und Hinterwand lokalisiert, der Schweregrad der Erkrankung war in beiden Gruppen gleich. Das
Infarktfenster als Messgröße für das Hilfesuchverhalten wurde mehr von der Bedrohlichkeitseinschätzung und der Laientheorie als von der
eigentlichen Schmerzempfindung beeinflusst. Hinsichtlich der testpsychologischen Ergebnisse zeichnen sich mehrere markante
Patientenprofile ab. So erscheinen die bezüglich der Prodromalsymptome asymptomatischen Patienten als leistungsorientierter,
offensiver, impulsiver und weniger fatalistisch als ihre Vergleichsgruppe mit herztypischen Beschwerden.


Zusammenfassung


Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass die Wahrnehmung der Prodromalsymptome beim Herzinfarkt unabhängig vom Schweregrad de
Infarktes ist; anatomische Besonderheiten scheinen aber eine Rolle zu spielen. Das für die Therapiemöglichkeiten entscheidende
Zeitfenster zwischen Symptombeginn und ärztlicher Behandlung wird eher durch unspezifische, angstauslösende Mechanismen als durch
die eigentliche Schmerzwahrnehmung beeinflusst. Es lassen sich verschiedene Persönlichkeitsprofile von Patienten erstellen, die für das
Verkennen körperlicher Warnsignale besonders gefährdet erscheinen. Die Studie zeigt auf, dass es sinnvoll ist, mit verschiedenen
Ansatzpunkten Präventionsarbeit zum Thema Herzinfarkt zu leisten, zum einen in Aufklärungskampagnen zur Verbesserung des
Informationsstandes der Bevölkerung, zum anderen durch Sensibilisierung des medizinischen Personals auf die Vielschichtigkeit der
subjektiven Schmerzwahrnehmung.