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In-situ-Studie zur Ausprägung von Bürstabrasionen an erodiertem Schmelz in Abhängigkeit von Putzzeitpunkt und Fluorideinsatz

Friedrich, Dirk Jochen


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Abteilung Zahnerhaltungskunde und Präventive Zahnheilkunde des Universitätsklinikums Gießen
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 16.01.2002
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 21.02.2002
Kurzfassung auf Deutsch: Das Auftreten von Erosionen ist bei häufigem Säurekontakt stark erhöht. Durch Erosion entsteht eine teilweise demineralisierte und
erweichte Schmelzoberfläche mit erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Abrasionen. Fluoridpräparate können dem entgegenwirken.
Konkrete Empfehlungen zur Prophylaxe von Bürstabrasionen an erodiertem Zahnschmelz fehlen jedoch. Um die Auswirkung von Erosion
und Abrasion in Abhängigkeit von Fluorideinsatz und Putzzeitpunkt zu ermitteln, wurde daher eine kontrollierte in-situ-Studie durchgeführt.

Über fünf Tage wurden plan geschliffene und polierte Schmelzproben zweimal täglich extraoral erodiert (20 min in 0,05 M Zitronensäure),
sonst wurden sie intraoral getragen. Nach einem standardisierten Schema wurde 30 s mit fluoridhaltiger (1 250 ppm) bzw. -freier
Zahnpasta abradiert. Gruppe 1 und 7 dienten als in-situ- bzw. in-vitro-Kontrollen (keine Abrasion). Mit fluoridfreier Zahnpasta erfolgten
Abrasionen vor (Gruppe 2), direkt nach (Gruppe 3) und zwei Stunden nach Erosion (Gruppe 4). In Gruppe 5 wurde nach der Erosion mit
Fluoridzahnpasta gebürstet. Gruppe 6 entsprach Gruppe 5 bis auf Tag 1 und 3 (abends statt Zahnpasta 1,25%iges Fluoridgel) sowie
zusätzlich zweimal täglich Mundspülung (0,22 % F-).

Nach profilometrischer Auswertung ergab sich statistisch eine Normalverteilung und ein t-Test für paarige Stichproben wurde durchgeführt
(Signifikanzniveau <= 0,05). Mit 44 % weniger Substanzverlust zeigte das intraorale Milieu gegenüber der in-vitro-Kontrolle einen deutlich
positiven Effekt (p <= 0,001). Beim Einsatz fluoridfreier Zahnpasta trat durch Bürsten vor der Erosion der geringste Substanzverlust auf;
Bürsten direkt bzw. zwei Stunden nach der Erosion bewirkte einen 16 % bzw. 20 % höheren Abtrag. Verglichen mit der in-situ-Kontrolle
führte jedoch auch Bürsten vor Erosion zu erhöhtem Substanzverlust (+52 %, <= 0,001).
Fluoridhaltige bewirkte gegenüber fluoridfreier Zahnpasta eine Minderung des Substanzverlustes um 35 % (p <= 0,001); die
Intensivfluoridierung (Gruppe 6) sorgte für eine Reduktion um 48 % (p <= 0,001). Im Vergleich zur in-situ-Kontrollgruppe ging in Gruppe 5
dennoch 12,5 % mehr Substanz verloren (p <= 0,01). Zwischen der in-situ-Kontrollgruppe und Gruppe 6 zeigte sich kein signifikanter
Unterschied.

Aus den Ergebnissen wird gefolgert, dass Bürsten vor Erosion den Zahnhartsubstanzverlust deutlich mindert, wenn auch nicht verhindert.
Ein solches Vorgehen erscheint praktikabel, erfordert jedoch ein individuelles Gingivitis- und Karies-Monitoring. Die Intensivfluoridierung
bewirkte sogar eine Reduktion des Substanzverlustes auf das Niveau der in-situ-Kontrolle, setzt aber die Compliance des Patienten
voraus.

Im vorliegenden 'worst case'-Modell konnte ein durch Erosion und Abrasion bedingter Substanzverlust nicht verhindert werden. In-vivo ist
aufgrund anderer Voraussetzungen ein geringerer Substanzverlust zu erwarten, weshalb die Ergebnisse in klinisch-experimentellen Studien
überprüft werden sollten. Ein positiver Effekt durch Kombination von Abrasion vor Erosion und Intensivfluoridierung wird angenommen und
sollte ebenso wie das Dentin Gegenstand weiterer Forschung sein.