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Die Plazenta und das fetale und mütterliche IGF/IGFBP-System : Ein komplexes Zusammenspiel im Rahmen der Regulation des fetalen Wachstums

Legner, Florian


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Kinderheilkunde, Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 17.10.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 13.12.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Die in dieser Arbeit gemessenen Serumkonzentrationen von IGF-I, IGF-II, IGFBP-1, IGFBP-2 und IGFBP-3 liegen im Vergleich in etwa
gleicher Höhe wie die schon in früheren Untersuchungen (mit zum Teil unterschiedlichen Methoden gemessenen) Konzentrationen. Bisher
wurde eine Differenzierung der Spiegelhöhen der genannten Faktoren in den untersuchten Serumproben nach dem Geschlecht ihrer
Spender nur sehr selten vorgenommen, obwohl nach Ergebnissen dieser Arbeit das Geschlecht durchaus als ein wesentlicher Einflußfaktor
zu werten ist. V. a. bei den IGF-I- und den IGFBP-3-Spiegeln im kindlichen Serum scheint ein nach Geschlechtern getrenntes Vorgehen in
Zukunft auf jeden Fall angeraten zu sein, denn für diese Faktoren wurde nicht nur im Neugeborenenalter, sondern auch im Kleinkindes-,
Pubertäts- und Erwachsenenalter wiederholt ein Überwiegen der weiblichen Serumspiegel nachgewiesen (25, 30, 31, 39, 51, 52, 57, 59).
Zudem waren bei einzelnen Parametern wiederholt gegensätzliche Tendenzen in den Korrelationen der Serumkonzentrationen dieser
Parameter mit z. B. dem kindlichen Körpergewicht zu beobachten.


In der Plazenta wird in großen Mengen IGF-II synthetisiert, aber nur in den fetalen Anteilen. IGF-I wird ubiquitär produziert, ähnlich den
Typ-1- und Typ-2-IGF-Rezeptoren. Bindungsproteine werden mit Ausnahme der IGFBP-3 nur in den mütterlichen Anteilen gebildet mit
Schwerpunkt in den Deziduazellen. Bislang geht man von einer funktionellen bzw. morphologischen Plazentaschranke für die IGFs bzw. ihre
Bindungsproteine aus (5, 41, 68, 74). Anhand der hier gewonnenen Resultate ist v. a. bei den weiblichen Neugeborenen aber durchaus an
einen Übertritt maternaler IGF-I, IGF-II und IGFBP-3 ins kindlich-venöse Blut zu denken, am wahrscheinlichsten hervorgerufen durch den
relativ großen Konzentrationsgradienten. IGFBP-1 kann nach Angaben aus der Literatur in kleinen Mengen die Plazenta passieren. Für
IGFBP-2 ergeben sich widersprüchliche Ergebnisse. Warum bei Mädchen und Jungen von der Richtung her tendentiell oft gegensätzliche
Ergebnisse gefunden wurden, ist nicht klar, spricht aber für die oben erwähnte Notwendigkeit, in Zukunft bei ähnlichen Studien eine
Differenzierung nach dem Geschlecht vorzunehmen.


Meine Ergebnisse zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen den arteriellen IGF-I-Konzentrationen und dem Plazentagewicht.
Womöglich nimmt der Fet also über die arteriellen IGF-I an der Regulation des Plazentawachstums und der Plazentafunktion teil. Die
Ergebnisse könnten aber auch nur Spiegelbild einer guten plazentären Nährstoffversorgung sein, die die IGF-I-Konzentration steigen läßt.
Man kann hier nicht von einer eindirektionalen, linearen Kausalität ausgehen, sondern muß an ein komplexes, gegenseitiges Beeinflussen
der verschiedenen Parameter denken, das eventuell mathematisch gar nicht klar zu beschreiben und im wesentlichen von der gesamten
Ernährungssituation abhängig ist.


Es könnte sein, daß die Plazenta geringe Mengen an IGFBP-1 oder IGFBP-2 aufnimmt, worauf v. a. Vergleiche zwischen mRNA- und
Peptidmengen hinweisen. Die eigenen Ergebnisse können aber diese (eventuell nur geringen) Stoffverschiebungen nicht widerspiegeln.
Eine Sekretion der Faktoren des IGF/IGFBP-Systems durch die Plazenta ist am wahrscheinlichsten für IGFBP-1. Die Deziduazellen stellen
in der Schwangerschaft eine der Hauptquellen für IGFBP-1 dar. Allerdings läßt sich dies aus den eigenen Ergebnissen so nicht ableiten, da
zu viele Einflußgrößen hinzukommen (v. a. das hier nicht mituntersuchte Chorion und die Leber als weitere Hauptquellen der IGFBP-1). Nur
IGFBP-2 wird eventuell aus mütterlichen Deziduazellen ins fetale Blut sezerniert.


IGF-II ist der in der Plazenta am stärksten vertretene IGF. Es finden sich große mRNA-Mengen von IGF-II in den fetalen Gewebsanteilen.
Beim arteriovenösen Plazentadurchfluß werden die IGF-II-Konzentrationen wesentlich beeinflußt, obwohl nicht klar ist, inwieweit die
Plazenta IGF-II verstoffwechselt oder sezerniert. Beides ist möglich und unterliegt offensichtlich starken individuellen Schwankungen. Ins
mütterlichen Blut wird wahrscheinlich wenig bis gar kein IGF-II abgegeben.