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Beeinflussung der Motilität humaner Spermatozoen mittels verschiedener Chelatbildner in vitro

Wroblewski, Nicolai


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Motilität , Spermatozoon , Chelatbildner
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Dermatologie und Andrologie -Hautklinik-, Abteilung Allgemeine Dermatologie und Andrologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 19.11.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 05.12.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Die Bedeutung der Motilität von Spermatozoen für die Befruchtung steht außer Frage. Ist ein Spermatozoon immotil, so kann es die Eizelle
nicht erreichen. Elektronenmikroskopische Untersuchungen haben lediglich bei ungefähr 50% der in ihrer Motilität gestörten Spermatozoen
ein morphologisches Korrelat finden können. Für die andere Hälfte ist anzunehmen, daß die Ursache für die Minderung der Motilität
wahrscheinlich in physiologischen und biochemischen Dysfunktionen und/oder Interaktionen zu suchen ist.
Ein Element, welches im männlichen Reproduktionstrakt in außergewöhnlich hoher Konzentration vorkommt, ist Zink. Es wurde sowohl im
Spermatozoon, als auch im Seminalplasma nachgewiesen. Seine Funktion scheint vielseitig zu sein. Neben protektiven Eigenschaften
gegenüber Oxidation und bakteriellen Infektionen, wird diesem Element immer wieder ein starker Einfluß auf die Motilität der
Spermatozoen zugeschrieben.
In der hier vorliegenden Arbeit wurde eine Substitution von Zinksulfat zu gewaschenen und durch Swim-up selektionierten humanen
Spermatozoen durchgeführt. Als Kulturmedium wurde HTF-HSA-Medium verwendet. Ansätze wurden erstellt mit den Konzentrationen 1
mol/l ZnSO4, 10 mol/l, 100 mol/l, 1 mmol/l und ein jeweiliger Kontrollansatz. Mit Hilfe der 'Computer assisted Semen analysis (CASA)',
wurde direkt nach dem Ansetzen der Probe, sowie nach der Inkubationszeit 1 Stunde, 2 Stunden, 4 Stunden und 6 Stunden eine
Bestimmung der Motilitätsparameter durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigten keine eindeutige Beeinflussung der
Motilitätsparameter der Spermatozoen durch die Zugabe von Zinksulfat.
Diese Arbeit beschäftigt sich im Weiteren mit der Substitution von Metallchelatoren zu gewaschenen und durch Swim-up selektionierten
humanen Spermatozoen. Verwendung fanden hierbei die Substanzen 'meso-2,3-Dimercapto Acid (DMSA)',
'2,3-Dimercapto-1-Propansulfonsäure (DMPS)', DL-Penicillamin und das Oligopeptid 'Lys-Cys-Thr-Cys-Cys-Ala'. Die Substanzen
DMSA, DMPS und das Oligopeptid haben in diesem Zusammenhang vorher noch nie Verwendung gefunden. In der ersten Versuchsreihe
wurden die Spermatozoen von einem Ejakulat so verteilt, daß Ansätze mit 1 µmol/l, 10 µmol/l, 100 µmol/l und ein Kontrollansatz für jeden
der Chelatoren entstand. Es erfolgte die Messung der Motilitätsparameter direkt nach dem Ansetzen, sowie nach 1 Stunde, 2 Stunden, 4
Stunden und 6 Stunden mit Hilfe der CASA.
Aufgrund der relativ schwach ausgeprägten Wirkung wurden die Versuche mit dem Oligopeptid nach der Untersuchung von 10 Ejakulaten
abgebrochen. Bei den anderen Chelatoren wurden 20 Ejakulate untersucht. Es zeigte sich, daß es durch den Einfluß aller drei Chelatoren
zu einer signifikanten Änderung der Motilität zu einem progressiv motileren Bewegungsmuster kam. Diese zeigte sich bei den
Motilitätsparametern 'Nichtlinear motile Spermatozoen', 'Linearmotile Spermatozoen' und der 'Progressivgeschwindigkeit (VSL) der
motilen Spermatozoen', sowohl für jede der getesteten Konzentrationen, als auch zu jedem untersuchten Inkubationszeitpunkt. Durch den
Einfluß der Chelatoren kam es zu einer Abnahme der 'Nichtlinear motilen Spermatozoen', zu einer Zunahme der 'Linear motilen
Spermatozoen' und zu einer Erhöhung der "Progressivgeschwindigkeit (VSL) der motilen Spermatozoen.
In der zweiten Versuchsreihe wurden Spermatozoen von insgesamt 21 Ejakulaten auf die gleiche Weise präpariert wie in der Ersten. Es
wurden Ansätze mit DMSA, DMPS und DL-Penicillamin mit einer Konzentration 100 µmol/l und ein Kontrollansatz hergestellt. Diese
wurden zum Inkubationszeitpunkt 2 Stunden mit Hilfe der CASA bezüglich ihrer Motilitätsparameter analysiert. Direkt nach der Messung mit
der CASA erfolgte die Weiterverarbeitung der Ansätze für die Atomabsorptionsspektrometrie (AAS).
Bezüglich der Analyse der Motilitätsparameter zeigten die Chelatoren die gleiche Wirkung wie in der ersten Versuchsreihe. Bei einem
Vergleich der Chelatoren untereinander zeigte sich lediglich bei dem Motilitätsparameter "Progressivgeschwindigkeit (VSL) der motilen
Spermatozoen" eine signifikant stärkere Wirkung von DL-Penicillamin gegenüber DMSA. Bei der Ermittlung der Zinkkonzentration der
Spermatozoen zeigten sich im Vergleich der Ansätze mit Chelatoren kein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe. Die gefundenen
Zinkkonzentrationen lagen im Mittelwert zwischen 27,8 ng/106 Spermatozoen (DL-Penicillamin) und 30,7 ng/106 Spermatozoen
(Kontrollgruppe). Damit liegen diese Werte in einem Bereich der in der Literatur bereits beschrieben wurde (25 ng/106 Spermatozoen bis
55,3 ng/106 Spermatozoen).
Die in dieser Arbeit gefundenen Ergebnisse zeigen, daß die Motilitätsparameter von humanen Spermatozoen durch die Substitution der
Chelatoren DMSA, DMPS und DL-Penicillamin zu beeinflussen sind. Letztlich konnte der genaue Mechanismus für diese Beeinflussung
jedoch nicht aufgezeigt werden. Bei der Einordnung der hier gefundenen Daten in die bisher publizierte Literatur spricht aber vieles dafür,
daß die Wirkung über eine Bindung von Zink an die Chelatoren zustande kommt. Besonders die Funktion von Zink als Weichmacher der
Mantelfasern würde vor dem Hintergrund des 'geometric-Clutch'-Modell die Veränderung des Bewegungsmusters durch den Entzug von
Zink erklären.