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Untersuchungen zur Rolle lokaler Zytokininduktion und deren nachgeschalteter Signale bei der Fieberreaktion des Meerschweinchens (Cavia aperea porcellus)

The role of local cytokin formation and its consequent signalling during fever reaction in guinea pigs (cavia aperea porcellus)

Roß, Günter


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Zytokininduktion , Fieber , Meerschweinchen , Cavia aperea porcellus
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Physiologisches Institut, eingereicht über das Institut für Veterinär-Physiologie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.08.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 23.10.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Es wurde beim Meerschweinchen (Cavia aperea porcellus) ein Experimentalmodell einer lokalisierten subkutanen Entzündungsreaktion
mittels einer subkutan implantierten Kammer etabliert. In diese Kammer wurden über einen Katheter inflammatorische Substanzen
(bakterielles Lipopolysaccharid, LPS) injiziert und Lavageproben zur Analyse gesammelt. Die durch LPS-Injektion in die subkutane
Kammer induzierbare Fieberreaktion wurde unter dem Einfluss des Lokalanästhetikums Ropivacain untersucht. Das Ropivacain wurde in
Kombination mit einer LPS-Dosis von 100 µg/kg bzw. von 10 µg/kg in die subkutane Kammer appliziert, wobei das Lokalanästhetikum 30
min. früher als das LPS injiziert wurde. Die eingesetzte Ropivacain-Dosis betrug 10 mg/kg. Das durch 100 µg/kg LPS induzierte Fieber
wurde durch die Vorabinjektion von Ropivacain nicht beeinflusst. In der Lavage, welche nach der LPS-Gabe aus der Kammer gewonnen
wurde, konnten große Mengen an bioaktivem Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) und Interleukin6 (IL6) bestimmt werden. Vergleichsweise
niedrige Konzentrationen (0,5 – 4 % der jeweiligen Lavagekonzentration) beider Zytokine konnten zu denselben Zeitpunkten im Blutplasma
gemessen werden. Das durch eine LPS-Dosis von 10 µg/kg induzierte Fieber konnte durch die Vorbehandlung mit dem
Lokalanästhetikum auf bis zur 60 % des Fiebers reduziert werden, welches ansonsten bei Applikation dieser LPS-Dosis alleine auftreten
würde. Die durch die niedrige LPS-Dosis induzierten Zytokinlevel waren gegenüber den durch die hohe LPS-Dosis induzierten Level
signifikant erniedrigt. Das im Blutplasma gemessene TNF lag sogar unterhalb der Nachweisgrenze. Wurde das Ropivacain nicht in die
subkutane Kammer, sondern auf die contralaterale Seite subkutan in die Regio femoralis appliziert, konnte keine signifikante Reduzierung
der Fieberantwort beobachtet werden. Durch diesen Kontrollversuch konnte ausgeschlossen werden, dass die Fieberreduktion auf einer
systemischen Wirkung des Lokalanästhetikums beruhte. Diese Ergebnisse belegen eine Beteiligung von afferenten neuronalen Signalen
an der Fieberentstehung in diesem Modell. Dieser Effekt ist allerdings nur dann zu beobachten, wenn der gesetzte inflammatorische
Stimulus (LPS) nicht so hoch ist, dass eine systemische generalisierte Antwort auf diesen Reiz erfolgt. Desweiteren wurde die Rolle von
anderen möglichen endogenen Fiebermediatoren (TNF, Prostaglandine und NO) in dem eingesetzten Fiebermodell untersucht. Hier wurde
entweder ein neutralisierendes TNF-Bindungsprotein, ein kompetitiver Hemmstoff der NO-Synthase (L-NAME) oder aber ein Hemmstoff
der Prostaglandinbiosynthese (Diclofenac) verwendet. Die Substanzen wurden bei diesen Versuchen wiederum zusammen mit der hohen
bzw. niedrigen LPS-Dosis in die subkutane Kammer appliziert. In den Kontrollgruppen erhielten die Tiere entweder eine LPS-Dosis von
100 µg/kg bzw. 10 µg/kg, oder aber sie bekamen 0,9 % NaCl-Lösung in die subkutane Kammer injiziert. Durch das TNF-Bindungsprotein
konnte das in der Kammer vorhandene biologisch aktive TNF vollständig neutralisiert werden. Die induzierte Fieberantwort bei
Verwendung der hohen bzw. der niedrigen LPS-Dosis in Kombination mit dem TNF-Bindungsprotein wurde durch dieses nicht signifikant
gegenüber der entsprechenden Kontrollgruppe vermindert. Die Hemmung der NO-Bildung durch die Behandlung mit L-NAME blockierte
bei Verwendung der hohen LPS-Dosis Fieberantwort nicht. Hingegen konnte die Fieberantwort erniedrigt werden, wenn die niedrige
LPS-Dosis mit L-NAME kombiniert wurde. Die Injektion des COX-Inhibitors Diclofenac in Kombination mit der hohen bzw. niedrigen
LPS-Dosis führte in beiden Fällen zu einer kompletten Unterdrückung der Fieberantwort. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die
Prostaglandine als eine essentielle Komponente, sowohl des neuronalen als auch des humoralen Signalweges, anzusehen sind, welche an
der Übermittlung von peripheren Immunsignalen zum Gehirn beteiligt sind. Eine Beteiligung von NO an diesen Signalwegen scheint zwar
wahrscheinlich, aber weniger bedeutend zu sein. Während zirkulierendes TNF an der Induktion der Fieberantwort, welche aufgrund einer
systemischen LPS-Applikation verursacht wurde, mitbeteiligt ist, scheint die lokale Bildung von TNF im Rahmen der lokalen subkutanen
Entzündung an keinem der Signalwege beteiligt zu sein, die nach der lokalen LPS-Applikation in die subkutane Kammer aktiviert werden.
Kurzfassung auf Englisch: In guinea pigs (Cavia aperea porcellus), fever was induced by injections of 100 µg/kg or 10 µg/kg lipopolysaccharide (LPS) into artificial
subcutaneous chambers and analysed under the influence of the local anesthetic ropivacaine (ROPI), which was administered into the
chamber at a dose of 10 mg/kg 30 min. prior to LPS. In response to injections of 100 µg/kg LPS into the subcutaneous chamber, fever was
not modified by pretreatment with ROPI. High amounts of bioactive tumor necrosis factor a (TNF) and interleukin-6 (IL6) were measured in
the lavage of the chambers after administration of LPS. Comparatively low concentrations of both cytokines (0.5 - 4%) of the concentrations
in the lavage fluid were detected in blood plasma simultaneously. In response to injections of 10 µg/kg LPS into the subcutaneous chamber,
fever was significantly reduced by pretreatment with ROPI to about 60 % of the febrile response of control animals. Levels of TNF and IL6
were lower in response to the reduced dose of LPS. TNF in plasma was even below the limit of detection. The suppression of fever by the
local anesthetic was not observed when ROPI was subcutaneously injected into the contralateral site of the chamber position, so that a
systemic effect of ROPI in the reduction of fever can be excluded. The results indicate a participation of afferent neural signals in the
manifestation of fever. This effect becomes obvious only if the dose of the applied inflammatory stimulus (LPS) is not high enough to
activate a systemic generalised inflammatory response. In the following experiments the roles of tumor necrosis factor a (TNFa),
prostaglandins (PGs) and nitric oxide (NO) in this experimental fever model was investigated. A neutralizing TNF binding protein (TNFbp),
or an inhibitor of NO-synthases (N-nitro-L-arginine-methylester, L-NAME), or an inhibitor of cyclooxygenases (diclofenac) was injected
along with the high or low dose of LPS into the artificial subcutaneous chamber. In control groups both doses of LPS were administered
into the chamber along with 0.9 % saline. The integrated fever responses to the high and low doses of LPS were not significantly attenuated
by treatment with TNF bp in spite of a complete neutralization of bioactive TNF within the inflamed tissue area as determined by TNF
measurements. Blockade of NO-formation by the treatment with L-NAME did not alter the febrile response to the high dose of LPS, but
significantly attenuated fever induced by the low dose of LPS. Blockade of PG-formation by treatment with diclofenac not only completely
abolished fever in response to both applied doses of LPS but even caused a slide hypothermic response. In conclusion, PGs seem to be
essential components within the neural and humoral fever pathways from a site of localized tissue inflammation to the brain. A role of NO
within these pathways is likely as well but less important. While circulating TNF significantly contributes to fever in response to systemic
injections of LPS, the local formation of this cytokine within inflamed subcutaneous tissue seems not to provide a significant contribution
within the fever pathways which are activated by localized administration of LPS into artificial subcutaneous chamber.