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Strukturelle Veränderungen des Rattenherzens bei chronischer Hypertonie und ihre Beeinflussung durch den ACE-Hemmer Ramipril

Theis, Dominik


pdf-Format: Dokument 1.pdf (21.593 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Hypertonie , ACE-Hemmer , Ramipril , Ratte , Tierversuch
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Max-Planck-Institut für Physiologische und Klinische Forschung, Kerkhoff-Institut, Abteilung Experimentelle Kardiologie, Bad Nauheim
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 18.07.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 18.10.2001
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss des Bluthochdrucks auf die Morphologie des Rattenherzens untersucht. Zusätzlich konnten
Aussagen darüber getroffen werden, ob die antihypertensive Behandlung mit dem ACE-Hemmer Ramipril die hochdruckbedingten
Umbauprozesse des Rattenmyokards verhindern oder gar umkehren kann.


Lichtmikroskopisch bzw. immunhistochemisch wurden die Herzen von 60 Ratten untersucht.


Drei Rattenpopulationen wurden für diese Studie gewählt:

- normotensive Wistar-Kyoto-Ratten (WKR),

- Spontan-Hypertensive-Ratten (SHR)

- Spontan-Hypertensive-Ratten-Stroke-Prone (SHR-SP) .


Die Tiere wurden vor der Sektion behandelt:

- mit einem Placebo,

- Ramipril in subantihypertensiver Dosierung (10 myg.kg-1.d-1)

- Ramipril in antihypertensiver Dosierung (1 mg.kg-1.d-1)


Es wurden vier Sektionstermine gewählt:

- Sektion der Jungtiere (K),

- Erste Zwischensektion (Z),

- Zweite Zwischensektion (Z2),

- Endsektion (E).


Lichtmikroskopisch wurden die Rattenherzen im Anschluss an die Hämatoxylin-Eosin-Färbung bzw. die Van-Giesonschen-Färbung
untersucht. Wir ermittelten hierbei den Grad der geweblichen Schädigung und bestimmten das Maß des fibrotischen Gewebsumbaus.


Die Immunhistochemie wurde mit Antikörpern gegen Kollagen VI, Vimentin, VEGF, PDGF, und CD 45 LCD durchgeführt.


Zusätzlich wurde die Apoptoserate durch ein der Immunhistochemie nahe verwandtes Verfahren, des sog. TUNEL-Methode, bestimmt.


Wir kommen zu folgenden Ergebnissen: Es kommt im Verlauf des Lebens der unbehandelten gesunden Wistarratte zu deutlichen
myokardialen Umbauprozessen. Diese manifestieren sich teilweise schon im Alter von einem Monat. Hier liegt die Schlussfolgerung nahe,
dass der Alterungsprozess per se mit einer degenerativen Gewebsveränderung mit prädominierender Gewebsfibrose einhergeht.


Der myokardiale Schaden, den beide Hochdruckpopulationen erleiden, ist in Art und Ausprägung deutlicher als bei den Wistartieren.

Hierbei ist der Grad der Schädigung abhängig von der Höhe und der Dauer des Blutdrucks.


Die Manifestation der hypertensiven Herzschädigung erfolgt schon bei den Jungtieren. Gravierende Befunde lassen sich jedoch erst bei
den erwachsenen Tieren nachweisen.


Die Anzahl von vimentinpositiven Myozyten steigt sowohl mit der Höhe des Blutdrucks als auch mit der Dauer des hypertensiven
Krankheitsgeschehens. Dieser Dedifferenzierungsprozess kann als Parameter für das Maß der kardialen Schädigung herangezogen
werden.


Der Querdurchmesser der Myozyten steigt sowohl mit der Höhe des Blutdrucks als auch der Wirkdauer der Hypertonie. Das Maß der
gewebliche Markierung von VEGF steht im direkten Zusammenhang mit dem Grad der hypertensiven Herzschädigung. Je stärker der
myokardiale Schaden, desto höher die VEGF-Konzentration im Gewebe. Das Ergebnis lässt sich auf die Hochdruckjungtiere übertragen.


Bezüglich der myokardialen Kapillardichte kommen wir zu dem Ergebnis, dass es mit zunehmendem Alter der Tiere zu einer Abnahme der
Kapillardichte kommt. Dieser Prozess wird moduliert sowohl durch die Höhe als auch die Dauer der Hypertension.


Die Dauer und die Ausprägung des Bluthochdrucks spiegeln sich in Größe und Anzahl von leukozytären Infiltraten wider. Der apoptotische
Zelluntergang spielt beim hochdruckbedingtem Myozytenuntergang keine Rolle. Die Herzmuskelzellen gehen hier vorwiegend durch
nekrotische Prozesse zugrunde.


Abschließend lässt sich sagen, dass Ramipril das Rattenherz vor diesen druckbedingten Schäden schützt. Dabei ist die
High-dose-Behandlung der Low-dose-Behandlung überlegen.


Die von uns konstatierten Befunde untermauern die sich in den letzten Jahren herauskristallisierte Meinung, dass der Bluthochdruck nicht
nur als Risikofaktor für die Entstehung atherosklerotischer Veränderungen des Gefäßsystems anzusehen ist, sondern auch unabhängig
davon die Entstehung der Herzhypertrophie begünstigt. Umso wichtiger wird damit die frühzeitige und suffiziente Behandlung der arteriellen
Hypertonie. Aufgrund der Pathogenese beider Krankheitsbilder halten wir die Verabreichung eines ACE-Hemmers bei diesem
Krankheitsbild für unerlässlich. Er wirkt nicht nur symptomorientiert durch eine Minderung des Blutdrucks, sondern greift in das komplizierte
Gefüge des RAAS ein und verhütet damit auch die Entstehung der Herzhypertrophie.