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Differente Effekte von Opiaten und Opioidpeptiden auf die Funktion neutrophiler Granulozyten

Menzebach, Axel


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Opiat , Opioidpeptid , Granulozyt
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Chirurgie, Anaesthesiologie und Urologie, Abteilung für Anaesthesiologie und Operative Intensivmedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.10.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 12.10.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Im Vollblut untersuchten wir mittels Durchflußzytometrie die Effekte von Opioden und Opiaten auf die Funktion neutrophiler Granulozyten.
Wir konnten an einem Kollektiv gesunder Probanden zeigen, dass Morphin, Fentanyl und Opioide differente Effekte auf die Expression der
Komplementrezeptoren CR 3 (CD 11b/CD 18), CD 16, CR 1 (CD 35), sowie auf die Phagozytoseaktivität und den Oxidativen Burst der
Granulozyten ausüben.

Morphin inhibiert zeit- und konzentrationsabhängig alle gemessenen Parameter mittels NO-Freisetzung. Diese Effekte können durch
Naloxon und NO-Synthaseinhibitoren aufgehoben werden, was auf eine durch Opioidrezeptoren vermittelte NO-Wirkung deutet.

Diese These wird durch Ergebnisse von Stefano et al., die die Existenz eines Morphin-sensitiven, aber Opioid-peptid-insensitiven
my-Rezeptor-Subtyps sowohl auf Immunozyten, als auch auf Endothelzellen beschreiben, gestützt. Dieser Rezeptor wird als my-Rezeptor
klassifiziert. Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei neutrophilen Granulozyten nicht nur eine eingeschränkte Migration
und Adhäsion an Endothel, sondern auch eine reduzierte Expression von Komplement- und Immunglobulinrezeptoren über diesen
my3-Rezeptor vermittelt wird. Im Gegensatz dazu zeigt der selektive my-Rezeptoragonist DAMGO keinerlei immunoregulatorische Wirkung.

Die fehlende Wirkung anderer klassischer my-Agonisten weist auf die hohe Spezifität des my3-Rezeptors für Morphin hin.
Fentanyl teilt zwar die analgetischen Eigenschaften Morphins, beeinflusst aber selbst in supraklinischen Konzentrationen weder die
Rezeptorexpression, noch den Oxidativen Burst oder die Phagozytoseaktivität.
beta-Endorphin1-31 und Met-Enkephalin stimulieren konzentrationsabhängig und Naloxon-reversibel die Expression aller untersuchten
Antikörper. Bei Inkubation mit vitalen Bakterien reduziert beta-Endorphin1-31 signifikant die Phagozytoseaktivität und den Oxidativen Burst.

Bei Inkubation mit Hitze-inaktivierten Bakterien, werden Phagozytose und Oxidativer Burst signifikant gesteigert. Diese Differenzen
entstehen möglicherweise durch beta-Endorphin -Bindungsstellen auf St. aureus-Bakterien.

Der C-Terminus des beta-Endorphins (beta-Endorphin27-31) ist an der Wirkung der Opioidpeptide auf die gemessenen Parameter nicht beteiligt.

Die synthetischen delta-Opioidrezeptoragonisten DADLE und DPDPE erhöhen signifikant die Expression von CD 11, CD 16 und CD 35,
sowie die Phagozytoseaktivität und den Oxidativen Burst. Eine Vorinkubation mit Naloxon und Naltrindol antagonisiert diese Effekte, was
auf einen delta2-Opioidrezeptor gekoppelten Mechanismus deutet. Dieser Opioidpeptid-sensitive, aber Opiat-insensitive delta2-Opioidrezeptor
vermittelt stimulatorische Opioidpeptid-Effekte auf neutrophile Granulozyten. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser Studie sollte die
Funktion von Opiaten und Opioidpeptiden in klinischen Studien hinsichtlich ihrer in-vivo Bedeutung untersucht werden.