Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-5088
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2001/508/


Spätpotentialmessungen mit zwei unterschiedlichen Methoden : Kurzzeitaufzeichnungen unter kontrollierten Bedingungen im Vergleich zu digitalen 24h-Langzeitaufzeichnungen im Alltag

Gottlob, Anne


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.719 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik I, Abt. für Kardiologie-Angiologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.08.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 26.09.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Spätpotentialbefunde können bei der Risikostratifikation von Postmyokardinfarkt-Patienten zur Identifizierung von Hochrisikopatienten
eingesetzt werden. Bisher wurden hierzu Spätpotentialparameter aus einer ca. zehnminütigen Kurzzeit-EKG-Aufzeichnung analysiert. Seit
kurzem gibt es die Möglichkeit, Spätpotentiale auch mit einem digitalen 24h-Langzeit-EKG-Gerät zu ermitteln, welches gleichzeitig weitere
Risikoparameter, wie die Herzfrequenzvariabilität, die Anzahl der ventrikulären Extrasystolen und ST-Streckenveränderungen, aufzeichnen
kann.


Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollte untersucht werden, ob durch ein digitales Langzeit-EKG-System (FD3-Rekorder, Oxford
Instruments, Abingdon, OX, GB) Spätpotentiale nach international anerkannten Kriterien (Task Force Committee of the European Society
of Cardiology, the American Heart Association and the American College of Cardiology, 1991) aufgezeichnet werden können und in
welchem Maße sich die Ergebnisse von denen eines Kurzzeit-EKG-Systems (Predictor TM 1, Corazonix Corporation, Oklahoma City, OK,
USA) unterscheiden. Daneben sollten die Ergebnisse auf geschlechtsspezifische Unterschiede der Spätpotentialparameter analysiert
werden.


Für 145 gesunde Personen konnten mit dem FD3 in 24 h durchschnittlich 90 gefilterte QRS-Komplexe mit einer Rauschspannung unter 0,7
µV ermittelt werden. Für den Vergleich der Spätpotentialparameter QRSd (Dauer des gefilterten QRS-Komplexes), RMS (Mittlere
Vektoramplitude der letzten 40 ms des gefilterten QRS-Komplexes) und LAS (Dauer der niedrig-amplitudigen Signale) wurde beim
FD3-Rekorder der gefilterte QRS-Komplex mit der niedrigsten Rauschspannung (durchschnittlich 0,28 µV) ausgewählt. Andere
Auswertungen, z. B. Mittelwerte der Spätpotentialparameter der gefilterten QRS-Komplexe mit Rauschspannung unter 0,7 µV, lieferten
vergleichbare Ergebnisse.


Es konnte gezeigt werden, dass die QRSd-Werte aus beiden Geräten sehr gut übereinstimmten. Dagegen lagen die LAS-Werte beim
FD3 systematisch höher als beim Predictor, bei den RMS-Werten verhielt es sich umgekehrt. Die Anwendung der Spätpotentialkriterien
des Task Force Committee führt daher beim Einsatz des FD3 häufiger zu positiven Spätpotentialbefunden als beim Einsatz des Predictor.
Durch Beachtung der im Rahmen dieser Arbeit ermittelten statistischen Zusammenhänge (EiV-Regression) zwischen Messwerten des
FD3 und des Predictor können diese systematischen Abweichungen bei der Erhebung von Spätpotentialbefunden berücksichtigt werden.
Dies ist zu empfehlen, damit Postmyokardinfarkt-Patienten nicht unnötig durch eine invasive Diagnostik oder Therapie belastet werden.


Im Rahmen dieser Arbeit konnten ferner geschlechtsspezifische Unterschiede der QRSd-Werte allgemein und der RMS-Werte bei
jüngeren Personen gezeigt werden.


Die Ergebnisse dieser Arbeit verdeutlichen, dass das digitale Langzeit-EKG-System im klinischen Routinebetrieb zur Bestimmung von
Spätpotentialen, unter Beachtung der oben genannten Punkte, eingesetzt werden kann. Dadurch kann in Zukunft die Risikostratifikation von
Postmyokardinfarkt-Patienten durch die simultane Bestimmung mehrerer Parameter mit einer einzigen digitalen
Langzeit-EKG-Aufzeichnung kosteneffektiv durchgeführt werden.