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Vergleichende Leukozytendifferenzierung in pädiatrischen Blutproben an drei mechanisierten Analysesystemen

Grundhöfer, Gisela Barbara


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Leukozytendifferenzierung , Blut , Analyse
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Klinische Chemie, Klinische Immunologie und Humangenetik, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 05.03.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 07.08.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Insgesamt wurden 646 unselektionierte Blutproben von Kindern bis 15 Jahren aus der Universitätskinderklinik Gießen untersucht. Hierbei
wurde die Differenzierung von Leukozyten durch drei unterschiedlich arbeitende mechanisierte Analysesysteme untereinander und mit der
mikroskopischen Differenzierung verglichen.


Zum Einsatz kamen der Technicon H*1, welcher mittels Streulicht-zytochemischer Methode das Differentialblutbild erstellt sowie der
Coulter VCS mittels Streulicht-konduktometrischer Methode und die Gleichspannungs-Radiofrequenz-lyseselektiven Methode am Sysmex
NE8000.


Es wurde die selektive quantitative Bestimmung der fünf normalen Leukozytenpopulationen und die Zuverlässigkeit der Signalisierung
qualitativer Abnormalitäten untersucht.


Für die neutrophilen Granulozyten und die Lymphozyten zeigten alle drei Differenzierungsgeräte ohne wesentliche Unterschiede gute
Übereinstimmungen mit der mikroskopischen Differenzierung. Eine Ausnahme hiervon bildete die Lymphozytenbestimmungen bei
Neugeborenen. Bei allen Differenzierungsanalysatoren waren die Übereinstimmungen hier deutlich schlechter und die
Signalisierungshäufigkeit höher als in den anderen Altersgruppen.


Während bei Anteilen von bis zu 60% in den meisten Fällen die Bestimmung der neutrophilen Granulozyten und der Lymphozyten
geringfügig höher bestimmt wurden, wurden hohe Neutrophile- und Lymphozytenanteile durch die Analysegeräte im Vergleich zur
mikroskopischen Methode leicht niedriger festgestellt.


Bei der Monozytenbestimmung konnten befriedigende Übereinstimmungen mit dem Mikroskop für das Streulicht-konduktometrischem
Verfahren am Coulter VCS nachgewiesen werden, während im Vergleich der Gleichspannungs-Radiofrequenz-lyseselektive Methode am
Sysmex NE8000 mit dem Mikroskop bei der Monozytenbestimmung nur unbefriedigende Ergebnisse gefunden werden konnten. Bei den
Neugeborenenblutproben war dagegen im Vergleich zwischen Sysmex NE8000 und dem Mikroskop gar keine Korrelation bei der
Monozytenbestimmung nachzuweisen. Wurden die durch die mechanisierten Analysegeräte festgestellten Monozytenwerte untereinander
verglichen, so konnten bei den 'ungeflaggten' Blutproben in allen Altersgruppen zwischen Technicon H*1 und Coulter VCS befriedigende
bis gute Korrelationskoeffizienten gezeigt werden. Am Coulter VCS und am Technicon H*1 lagen die ermittelten Monozytenwerte im Mittel
leicht unter den mikroskopisch gefundenen Werten, während sie beim Sysmex NE8000 darüber lagen.


Bei der Eosinophilenbestimmung konnten beim Vergleich Differenzierungsgerät und Mikroskop befriedigende Übereinstimmungen
nachgewiesen werden. Zwischen den Analysegeräten ergaben sich hervorragende Korrelationen, so daß hier eher der statistische Fehler
das Problem bei der Gegenüberstellung der Analysegeräte mit der mikroskopischen Methode war.


Aufgrund des geringen Anteils der basophilen Granulozyten (im Durchschnitt 1.2%) und des zu erwartenden großen statistischen Fehlers
wurde auf einen direkten Methodenvergleich verzichtet. Erhöhte Basophilenzahlen wurden von den verschiedenen
Differenzierungsverfahren allerdings übereinstimmend gut erkannt.


Insgesamt war die Übereinstimmung zwischen den Systemen in Blutbildern besser, die keine qualitativen Veränderungen wie atypische
Zellen aufwiesen, als in qualitativ pathologischen Blutbildern. Eine zuverlässige Identifikation von stabkernigen Granulozyten und von
atypischen Zellen war mit den mechanisierten Analysesystemen nicht möglich. Auf das Vorliegen entsprechender Zellen sollte allerdings
durch Signalgebung hingewiesen werden.


Bezüglich der Signalisierung von pathologischen Blutproben zeigten sich in den verschiedenen Altersgruppen deutliche Unterschiede. Bei
extrem hohen Signalisierungsraten bei den Neugeborenenblutproben und zum Teil auch noch bei den Säuglingsblutproben war die
Sensitivität am Sysmex NE8000 mit 90.7% sehr gut. Dies traf in ähnlicher Weise auch für den Technicon H*1 mit einer befriedigenden
Sensitivität von 78.6% zu. Die Spezifität und somit die Effizienz war jedoch am Technicon H*1 mit 56% schlechter als beim Coulter VCS
mit 73.7%. Auch in den Altersklassen 'Kinder 1.-5. Jahr' und 'Kinder ab 5 Jahren' zeigte das Streulicht-konduktometrische Verfahren am
Coulter VCS ebenfalls eine die bessere Spezifität als der Technicon H*1. Die Erkennung pathologischer Blutproben mittels
Gleichspannungs-Radiofrequenz-lyseselektiver Methode am Sysmex NE800 zeigte im Vergleich mit den mikroskopisch erkannten
pathologischen Blutproben mit einer Sensitivität von 67% in den Altersstufen 'Kinder, 1.-5. Jahr' und 'Kinder ab 5 Jahren' nur eine mäßige
Übereinstimmung, wobei hier vor allem reaktive Linksverschiebungen bis 28% und atypische Zellen nicht signalisiert wurden. Die
Signalisierung von reaktiven Linksverschiebungen erfolgte bei allen drei Differenzierungsverfahren generell schlechter als die Erkennung
anderer pathologischer Veränderungen und wurde bei isolierter Linksverschiebung nur in ca. 50% der Fälle signalisiert. Hinsichtlich der
Markierung bei Nachweis von Blasten im mikroskopischen Blutausstrich wurden lediglich in einem Fall (von 31 Fällen) sowohl durch den
Sysmex NE8000 als auch durch den Coulter VCS ein Prozentsatz von 4% Blasten nicht gemeldet; hierbei handelte es sich allerdings um
eine grenzwertig leukopenische Blutprobe, welche somit der mikroskopischen Kontrolle nicht entgangen wäre. Durch den Technicon H*1
erfolgte bei mikroskopischem Blastennachweis immer eine Signalisierung der Blutprobe, jedoch geschah dies wie bei den anderen
beiden Analysesystemen nicht immer mit dem für Blasten spezifischen Signal.