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Atopische Dermatitis im Kindesalter : Untersuchungen zum Aggressionsverhalten der Kinder und zum mütterlichen Erziehungsstil

Heller, Christina Elisabeth


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Atopische Dermatitis , Kind , Aggression
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Psychosomatische Medizin, Abteilung Medizinische Psychologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.06.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 03.08.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Die atopische Dermatitis ist eine chronisch-rezidivierende Erkrankung, die im Kindesalter eine Prävalenz zwischen 2 und 20% besitzt und
sich in den letzten Jahrzehnten durch eine steigende Inzidenz ausgezeichnet hat. Das Erstmanifestationsalter liegt meist innerhalb des
ersten Lebensjahres, das Durchlaufen einer typischen Atopikerkarriere ist häufig. Die Äthiologie ist weitgehend ungeklärt, so daß man
gegenwärtig eine multifaktorielle Genese annimmt. Neben Störungen des Immunsystems, des vegetativen Nervensystems und der
Hautfunktion spielen genetische und psychologische Faktoren eine Rolle in der Entstehung der Erkrankung, vor allem aber in der
Auslösung von Exazerbationen. Das klinische Bild variiert mit dem Alter des Patienten. Im Kindesalter gehören Arm- und Kniebeugen zu
den Prädilektionsstellen. Papulöse und lichenifizierte Effloreszenzen herrschen vor. Hauptsymptom ist der Juckreiz. Die therapeutischen
Maßnahmen beschränken sich meist auf symptomatische Behandlung.


Ziel der vorliegenden Arbeit war, das Aggressionsverhalten der Kinder und den mütterlichen Erziehungsstil bei Kindern mit atopischer
Dermatitis zu untersuchen. Zu diesem Zweck wurden 31 Neurodermitiker im Alter von 7 bis 13 Jahren mit 31 gesunden und 19 gleichzeitig
an Asthma leidenden Kontrollen verglichen. Zwischen diesen Gruppen fanden sich keine Unterschiede bezüglich des Aggressionsniveaus
der Kinder. Zwischen Schweregrad des atopischen Ekzems und subjektiv erlebter Beeinträchtigung der Kinder auf der einen Seite und
Aggressionsverhalten auf der anderen ergaben sich keine signifikanten Zusammenhänge. Jungen mit einer positiven Familienanamnese
zeigten ein tendenziell stärker aggressives Verhalten im Vergleich zu denen mit leerer Atopieanamnese, jedoch nur im familiären Bereich.
Mit zunehmender Erkrankungsdauer und bei Jungen mit zunehmendem Alter nimmt das Aggressionsniveau ab. Bei Mädchen ist, je älter
sie werden, eine leicht positive Tendenz diesbezüglich zu verzeichnen. Auch die Hypothese eines pathologischen Erziehungsstils der
Mutter kann durch die vorliegende Arbeit nicht bestätigt werden. An atopischer Dermatitis erkrankte Kinder schätzten ihre Mutter
diesbezüglich genauso ein wie die zusätzlich asthmakranken oder die gesunden Kontrollen. Unseren Ergebnissen zufolge stellt sich das
mütterliche Erziehungsverhalten unabhängig vom Schweregrad und der Dauer der Hauterkrankung, sowie von der subjektiven
Beeinträchtigung durch dieselbe dar. Eine ausgeprägte subjektive Beeinträchtigung geht mit einem geringen Maß an Lob und
Unterstützung bei Jungen und einem hohen Maß dieser Erziehungsstildimensionen bei Mädchen einher. Kinder mit positiver
Familienanamnese erlebten ihre Mutter inkonsistenter als die Kinder, deren Familienmitglieder nicht von Neurodermitis betroffen waren.
Mit dem Alter nahm das Empfinden negativer Erziehungsstidimensionen wie Einschränkung, Strafintensität und Inkonsistenz ab. Je höher
die Anfallsfrequenz der Asthmatiker war, desto mehr wurden sie gelobt und desto weniger bestraft und eingeschränkt. Kratzen führte
dagegen aus Sicht der Kinder häufig zu Bestrafung. Ein hoher Aggressionsgrad ging mit mangelnder Unterstützung und Lob von Seiten der
Mutter einher. Aggressive Jungen gaben eine hohe, aggressive Mädchen eine geringe mütterliche Strafintensität an.


Bezüglich Erstmanifestation, Familienanamnese und zusätzlich vorhandenen Atopien deckten sich die Ergebnisse mit Angaben in der
gängigen Literatur.