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Cortisolwerte, Befindlichkeit und Leistung unter Streß bei depressiven und gesunden Rauchern und Nichtrauchern

Conrad, Nicole


pdf-Format: Dokument 1.pdf (2.354 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Cortisol , Streß , Raucher , Nichtraucher
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Abteilung für Differentielle Psychologie und Diagnostik
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 29.06.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 16.07.2001
Kurzfassung auf Deutsch: In dieser Arbeit wurden vermutete Unterschiede bei gesunden und depressiven Rauchern und Nichtrauchern in den Cortisolwerten, den
Befindlichkeiten, dem Rauchverlangen vor und nach einem psychischen Stressor (freie Rede und arithmetische Aufgaben im
Konzentrations-Leistungs-Test) und den kognitiven Fähigkeiten untersucht. Weiterhin wurden der tägliche Zigarettenkonsum, die
Rauchmotivation und die Zigarettenwirkung bei depressiven und nicht-depressiven Rauchern, sowie die Ausprägung der Anhedonie bei
Depressiven und Nicht-Depressiven verglichen.


Hierzu wurden insgesamt 90 Probanden, d.h. je 45 Depressive und 45 nach Geschlecht, Alter, Raucherstatus und Schulbildung
parallelisierte Nicht-Depressive, zwischen 20 und 79 Jahren untersucht, wovon jeweils 27 Nichtraucher (15 Männer und 12 Frauen) und 18
Raucher (6 Männer und 12 Frauen) waren.


Die Untersuchung gliederte sich in eine prae-Streß-Phase mit Basiswertmessung der Variablen Speichelcortisol, Befindlichkeiten und
Rauchverlangen, der eigentlichen Streß-Phase mit freier Rede und Konzentrations-Leistungs-Test, der auch zur Bestimmung der
Konzentrationsleistung und der Arbeitsgeschwindigkeit diente, und der post-Streß-Phase mit wiederholter Messung der bereits genannten
Variablen. Nach Versuchsende wurde die Ausprägung der Anhedonie und bei Rauchern die Rauchmotivation und Zigarettenwirkung erfaßt.
Wie schon erwähnt, wurde das Cortisol im Speichel gemessen; alle übrigen Variablen wurden mit Hilfe eines Fragebogens bestimmt.


Die hierbei gewonnenen Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Depressive Raucher weisen einen signifikant höheren täglichen Zigarettenkonsum auf als nicht-depressive Raucher, allerdings
unterscheiden sich depressive Raucher nicht in ihrer Rauchmotivation und in der Zigarettenwirkung von nicht-depressiven Rauchern. Unter
Streß verspüren depressive Raucher eine stärkere Zunahme des Rauchverlangens (Craving) als Nicht-Depressive.


Die Gruppe der Depressiven unterscheidet sich nicht von der Gruppe der Nicht-Depressiven bezüglich der Anhedonieausprägung,
ebenfalls beobachtet man keine Unterschiede in den Cortisolbasiswerten, allerdings eine signifikant verminderte Cortisolantwort auf Streß
bei unbeeinträchtigter Cortisolerholung, d.h. Rückgang zum Ausgangswert, nach dem Streß.


Depressive unterscheiden sich signifikant von Nicht-Depressiven in ihren Befindlichkeitsausgangswerten mit vermehrter 'Erregtheit',
'Müdigkeit' und 'Mißstimmung' und verminderter 'Freude', wobei unter Streß eine verminderte Zunahme der 'Erregtheit' und eine Abnahme
der 'Müdigkeit' bei Depressiven im Vergleich zu Nicht-Depressiven zu verzeichnen ist; bei den Befindlichkeiten 'Mißstimmung' und 'Freude'
lassen sich keine Unterschiede unter Streß erkennen. Depressive unterscheiden sich zwar nicht in ihrer Konzentrationsleistung von
Nicht-Depressiven, weisen aber eine geringere Arbeitsgeschwindigkeit auf.


Depressive Raucher, depressive Nichtraucher, nicht-depressive Raucher und nicht-depressive Nichtraucher unterscheiden sich weder in
ihren Cortisolausgangswerten, noch in ihrer Cortisolantwort auf Streß bzw ihrer Cortisolerholung nach Streß; d.h. es besteht keine
Interaktion zwischen Depressivität und Rauchen; dies gilt ebenfalls für die Befindlichkeitsausgangswerte und den
Befindlichkeitsänderungen unter Streß.


Depressive Raucher weisen eine höhere Konzentrationsleistung auf als nicht-depressive Raucher, wobei nicht-depressive Nichtraucher
besser als depressive Nichtraucher sind und beide mit ihren Ergebnissen zwischen denen der Raucher liegen. Bei Vergleich der
Arbeitsgeschwindigkeit zeigen sich keine Unterschiede zwischen den vier Gruppen.


Die Ergebnisse der Untersuchungen sind vermutlich vor allem beeinflußt durch die Tatsache, daß es sich bei den Depressiven nicht mehr
um akut Depressive handelte, wodurch die Unterschiede zwischen den Depressiven und Nicht-Depressiven geringer ausfallen.