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Probleme, Konzepte und Entwicklungsziele einer nachhaltigen Garnelen-Aquakultur im Küstentiefland von Ecuador

Engelhardt, Achim


pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.604 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Garnelen-Aquakultur , Ecuador , Küstentiefland
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Geographisches Institut
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 24.04.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 05.07.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Im Küstentiefland Ecuadors hat die expandierende Aquakultur, bei gleichzeitig wachsendem demographischen Druck, in den vergangenen
30 Jahren die Degradierung der natürlichen Ressourcen beschleunigt. Durch den Boom der Garnelenzucht, die erst 1969 in Ecuador
begann und 1999 bereits annähernd auf einer Fläche der Größe des Saarlandes betrieben wurde (1750 km2, CLIRSEN, 1999), kam es
direkt zur Zerstörung der Mangrove, Gewässerverschmutzung und Küstenerosion. Vielerorts haben verbleibende Mangrovenwälder in der
Nähe von Garnelenzuchtbetrieben zusätzlich ihren Status als Gemeindeland eingebüßt und stehen der wachsenden Zahl traditioneller
Mangrovennutzer nicht mehr zur Verfügung. Krebs- und Muschelsammler, Fischer und Köhler sehen sich somit ihren angestammten
Fanggründen bzw. Holzeinschlagsplätzen beraubt. Daraus haben sich Konflikte um die Ressourcennutzung entwickelt, die zu bewaffneten
Auseinandersetzungen führten. Inzwischen werden auch im Wirtschaftssektor der Garnelenzucht die Folgen von Mangrovenzerstörung und
Gewässerverschmutzung offensichtlich, die sich in einem verstärkten Auftreten von Garnelenkrankheiten und der Verringerung des
Garnelenwachstums ausdrücken. Wegen mangelnder Nachhaltigkeit wird die Nutzung der Küstenressourcen - auch durch die
Garnelenzucht - für zukünftige Generationen in Frage gestellt.


Im Falle Ecuadors sind die Zerstörung und Degradierung der Küstenressourcen nicht ausschließlich auf die Aquakultur zurückzuführen.
Hierbei handelt es sich vielmehr um ein sehr komplexes Problem. Neben modernen Formen der Küstenressourcennutzung, wie z.B. dem
Tourismus, der Urbanisierung und der Aquakultur haben auch traditionelle Nutzungsformen als Folge des massiven Bevölkerungsdrucks
zur Degradierung der Ressourcen an der Küste Ecuadors beigetragen, wodurch die sozioökonomischen Bedürfnisse und Zwänge der
Küstenbevölkerung widergespiegelt werden. Daher ist diese Problemstellung nicht durch eine strengere Umweltgesetzgebung im Sinne
der 'Conservation policy' (rigoroser Umweltschutz, der Ressourcennutzung untersagt) zu lösen. Nach vierzehnjährigen Erfahrungen mit
dem Integrierten Küstenzonenmanagement (Integrated Cosatal Zone Management/ICZM) in Ecuador, stellt sich des weiteren die Frage
nach der Funktionsfähigkeit dieses Konzeptes.


Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, Probleme und Entwicklungspotentiale einer nachhaltigen Aquakultur im Küstentiefland Ecuadors zu
analysieren und zu bewerten. Dabei ist grundsätzlich von der Fragestellung auszugehen, ob und wie Aquakultur als neue Wirtschaftsform
mit traditionellen Formen der Küstenressourcennutzung in Einklang gebracht werden kann. Die Nutzungsformen und -konflikte sollen daher
durch die Auswertung von Interviews and Landnutzungskarten analysiert werden, um Vorschläge zur Konfliktlösung aufzuzeigen.
Abschließend sollen diese Ergebnisse kritisch auf die Möglichkeit ihrer Umsetzung im Rahmen von Managementkonzepten hin geprüft
werden.


Damit nimmt sich die Arbeit der veränderten, kritischen sozioökonomischen und ökologischen Situation im Küstentiefland Ecuadors an und
zeigt Entwicklungspotentiale auf. Gleichzeitig soll der Forderung nach größeren Forschungsanstrengungen für die Aquakultur in der
sogenannten 'Dritten Welt' (PULLIN, 1993b) nachgekommen werden.
Kurzfassung auf Englisch: Within the last 30 years the expansion of shrimp aquaculture alongside increasing demographic pressures have caused an acceleration in
the degradation of coastal resources in the coastal lowland of Ecuador.


The shrimp boom has had a direct impact on the destruction of mangrove forests, the pollution of coastal waters and coastal erosion.
Furthermore, any remaining mangrove forests in the vicinity of the shrimp farms have lost their value and status as community property. As a
consequence, the people who traditionally worked the mangrove, such as crab and mussel collectors, fishermen and charburners have lost
access to certain areas they had traditionally worked in. The situation is such that even gunned conflicts have broken out.


Shrimp farmers have also begun to suffer the consequences of the mangrove clearing and the deterioration of water quality due to frequent
outbreaks of diseases and decreasing growth rates of shrimp. As coastal resources are exploited but not sustained by shrimp farming nor
by the traditional usage of resources, the future of their utilisation seems uncertain.


The unsustainable exploitation of coastal resources in Ecuador constitutes a complex problem which cannot be blamed on a single cause.
Apart from modern pressures on resources, such as tourism, urbanisation and aquaculture, traditional forms have also caused
degradation, a consequence of the enormous pressure from the population increase combined with the basic needs of the coastal
population. After 14 years of experience with the Integrated Coastal Zone Management (ICZM) in Ecuador, the functional orders of this
concept are to be analysed.


The purpose of this thesis is the analysis of aims, problems and potentials for the development of a sustainable aquaculture in Ecuador. It is
of prime importance to develop a way in which aquaculture can be sustained in harmony with the traditional usage of coastal resources.
Patterns and conflicts in coastal resource usage are analysed through the evaluation of interviews and land use maps elaborated by the
author in order to give proposals to solve conflicts as part of a management concept.


This approach takes into account the critical socio-economic and ecological situation in the coastal lowland of Ecuador and shows the
potentials for further development. At the same time the call for the extension of scientific activities concerning aquaculture in the
Developing World are fulfilled.