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Die Wunderkritik Immanuel Kants

Peddicord, Clark


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Immanuel Kant
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Philosophie und Grundlagen der Wissenschaft
Fachgebiet 1: Zentrum für Philosophie
Fachgebiet 2: Geschichts- und Kulturwissenschaften fachübergreifend
DDC-Sachgruppe: Philosophie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 15.11.1999
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 29.06.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Die Problematik übernatürlicher Eingriffe in den gesetzesartigen Ablauf der Natur hat nicht nur Theologen sondern auch Naturphilosophen
und Erkenntnistheoretiker immer wieder beschäftigt. Diese Frage ist nicht erst in der heutigen Diskussion entstanden. Sie hat tiefe
Wurzeln, die bis in die Antike zurückreichen. Aber ihre moderne Gestalt stammt aus der Anfangszeit der modernen Naturphilosophie im 17.
und 18. Jahrhundert. Als der prägende Philosoph der deutschen Aufklärung hat sich Immanuel Kant der von der jüdischen und christlichen
Theologie immer bejahten Möglichkeit eines göttlichen Eingriffes in die realen Prozesse der Welt entschieden widersetzt.
Merkwürdigerweise hat aber seine Analyse bisher wenig Beachtung gefunden. Daher liegt es nahe, die Wunderkritik Kants zum
Gegenstand einer systematischen Studie zu machen. Ziel dieser Arbeit ist aber nicht nur die historischen Abhängigkeiten und die
zeitgenössische Begriffsgeschichte zu analysieren, sondern auch die Kant'sche Argumentation für die moderne Auseinandersetzung und
das Problem des Naturalismus versus Theismus aufzuschließen.


Kant hat seine Verpflichtung gegenüber dem schottischen Skeptiker, David Hume offen zugegeben. So wird in einem ersten Teil Hume's
Erkenntnistheorie im Hinblick auf dessen Betrachtungen über Wunder im zehnten Abschnitt seiner Untersuchungen über den
menschlichen Verstand aufbereitet.


Das leitet über zu Kant's Analyse und dessen philosophischer Auswertung der damals neuen Newton'schen Mechanik und
Gravitationstheorie. Danach wird Kants Argumentation in der Allgemeinen Naturgeschichte und im Einzig möglichen Beweisgrund im
Detail verfolgt.


Darnach widmet sich der Autor Kants erkenntnistheoretischem Ansatz in seiner kritischen Phase, da seine Schrift über die Zurückweisung
jeglichen Wundergeschehens dieser Epoche angehört. Das Argument selber führt tief in Kants Konzeption von Raum und Zeit hinein und
die formalen und materialen Voraussetzungen von Kants Beweisgang werden herausgehoben. Es wird dabei gezeigt, dass Kants
Nachweis der Apriori-Unmöglichkeit von Wundern auf von ihm vorschnell als evident vorausgesetzten faktischen Annahmen beruht und aus
heutiger Sicht nicht mehr aufrechterhalten werden kann.


Der Schlußteil der Arbeit wendet sich mit den aus der historischen Analyse gewonnenen Erkenntnissen und Fragestellungen der heutigen
immer noch hochaktuellen Diskussion zwischen einem konsequenten Naturalismus und einem supernaturalistischen Theismus zu.
Kurzfassung auf Englisch: The issue of supernatural intervention in the law-like process of nature has always occupied not only theologians but also philosophers of
nature and epistemologists. This question did not first arise during the modern discussion but has deep roots that go back as far as the
ancient world. However, the modern discussion as such began to take shape at the beginning phase of modern Naturphilosophie, during
the 17th and 18th centuries. Classic Jewish and Christian theology has always affirmed the possibility of divine intervention in the
processes of the world. Immanuel Kant, as the formative philosopher of the German enlightenment, clearly opposed this position. Oddly,
though, little attention has been paid to his analysis. Thus, it is appropriate to systematically examine Kant's critique of miracles. The
purpose of this study, though, is not simply to investigate historical dependencies and the development of terminology up to Kant, but also
to use Kant's argumentation as a foil for the examination of the modern conflict between naturalism and theism.


Kant openly admitted his dependency upon the Scottish sceptic, David Hume. Thus, in the first part of this study, Hume's epistemology is
examined as the background to his comments about miracles in the 10th Chapter of the Enquiry Concerning Human Understanding.


This leads to Kant's analysis and evaluation of the recently formulated Newtonian theories of mechanics and gravitation. A detailed
investigation of Kant's argumentation in the Universal Natural History and Theory of Heaven and The Only Possible Ground of Proof of
God's Existence follows.


The author then turns his attention to the epistemological approach characteristic of Kant's 'critical' phase, since Kant's essay rejecting any
possible miraculous event belongs to that period. The argumentation itself leads the investigation deep into Kant's conception of space and
time and shows clearly the formal and material presuppositions of Kant's chain of proof. It is shown that Kant's argument for the apriori
impossiblity of miracles rests upon his view that certain factual assumptions are incontrovertible. However, in light of modern knowledge,
these assumptions can no longer be maintained.


The concluding part of the study then takes the insights and issues gained from the previous historical analysis and turns to the highly
relevant modern debate between consistent naturalism and supernatural theism.