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Körperliches, kardiozirkulatorisches, kardiorespiratorisches und metabolisches Leistungsvermögen von Kunstturnern im Vergleich zu anderen Sportarten

Sawellion, Dennys


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Freie Schlagwörter (Deutsch): Leistungsvermögen , Kunstturner
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Lehrstuhl für Sportmedizin am Institut für Sportwissenschaft
Fachgebiet: Sportwissenschaft
DDC-Sachgruppe: Sport
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.04.2001
Erstellungsjahr: 2001
Publikationsdatum: 29.05.2001
Kurzfassung auf Deutsch: Frage:

Zweck dieser Studie war festzustellen, in welchem Bereich die körperliche, kardiozirkulatorische, kardiorespiratorische und
metabolische Leistungsfähigkeit von Kunstturnern der Landesliga im Vergleich zu anderen Sportarten einzuordnen ist, die mittels einer
Fahrradergometrie im Sitzen nach der 1 Watt/kg KG-Methode erschöpfend belastet wurden. Mit einem von mir neu entwickelten
leistungsmedizinischen und modifizierten Turnwettkampf-Feldversuchs sollte untersucht werden, ob es Unterschiede beim
Verhalten der Herzfrequenz, des Blutdrucks und des Laktats im Vergleich zur erschöpfenden Fahrradergometrie gibt. Darüber
hinaus wurde die neuroendokrine und sympathikoadrenerge Hormonregulation dieser Kunstturnern beim Feldversuch überprüft.
Die Übungen der Feldtests orientierten sich an den Pflichtübungen des Code de Pointage L8 - Boden, Barren - und L7 - Reck -.
21 Kunstturner der Landesliga wurden zwischen 1995 und 1997 am Lehrstuhl für Sportmedizin der Justus-Liebig-Universität untersucht.
Jeweils drei Turnern war im Feldtest ein Betreuerteam von einem Arzt und zwei Arzthelferinnen zur Seite gestellt.


Ergebnisse:

1. Aufgrund der kardiozirkulatorischen Leistungsparameter (maximale Herzfrequenz 189/190 S/min) und der metabolischen
Funktionsgröße (3min-Laktat-Wert 11,82 mmol/l) sind die untersuchten Turner als maximal ausbelastet einzustufen.

2. Die Gesamtarbeit in Wattminuten (1711/1497 Wattminuten) und die maximale relative Wattstufe (4,56/4,58 Watt/kg KG) ergeben
einen guten bis sehr guten Trainingszustand.

3. Das Verhalten der Leistungsherzschlagfrequenz und die Abnahme der Herzfrequenz nach der 5. Erholungsminute (115/116
S/min) zeigen bei den Kunstturnern einen guten kardiozirkulatorischenTrainingszustand.

4. Die relativ hohen Laktazidosen nach der erschöpfenden Belastung auf dem Fahrradergometer sprechen für eine gut entwickelte
anaerobe Kapazität.

5. Die kardiorespiratorischen Funktionsgrößen AMV (123,9 l/min BTPS), absolute O2-Aufnahme (4063 VO2 ml/min STPD), relative
O2-Aufnahme (58,9 ml/kg/min STPD) sowie der O2-Puls (21,5 ml STPD) zeigen, dass die Turner über eine gute aerobe und anaerobe
Leistungsfähigkeit verfügen.

6. Die Hf im Feldtest erhöht sich ausgehend von 70 S/min (Vorstartphase) auf 143 S/min nach dem Einturnen. Während der Übung steigt
sie jeweils um ca 30 Schläge und befindet sich damit an der Obergrenze des submaximalen Bereichs (171/176/177), um dann in der
Erholungsphase wieder um 30 Schläge zu sinken (147/153). Dies lässt auf eine hohe Leistungsbereitschaft des einzelnen Athleten
während des Wettkampfs schließen und zeigt deutlich die Anpassung des Organismus an die kunstturnspezifischen Belastungs-
und Erholungsphasen während eines Wettkampfes.

7. Die während des Testwettkampfes registrierten Laktatspiegel liegen kontinuierlich knapp über der 4 mmol/l-Schwelle, was auf
eine anaerobe alaktazide Energiebereitstellung mit überwiegend schneller oxidativer Restitution schließen läßt. Die Azidosen von etwa
12 mmol/l Laktat, die im Labor festgestellt wurden, stellen eine ausreichende anaerobe Reserve für die Kunstturner dar. Die
Laktazidose im Testwettkampf der Kunstturner zeigt, dass sie ihre anaerobe Kapazität nicht voll in Anspruchnehmen müssen.

8. Es kam zu keiner signifikanten Erhöhung des Cortisolspiegels nach den drei Turnübungen. Das leichte Überschreiten der
aerob/anaeroben Schwelle beim Wettkampf führte nur zu einer mäßigen Erhöhung der Katecholamine (Adrenalin(Noradrenalin). Dies lässt
auf eine geringe physische wie auch psychische Belastung der Kunstturner bei diesem Feldtest schließen.


Zusammenfassung:

Die im Feldtest erhobenen Parameter bieten in Verbindung mit der erbrachten Leistung beim Labortest dem Sportler eine
begreifliche und nachvollziehbare Standortbestimmung. Die im Labor vernachlässigten Faktoren Energieeinteilung und Taktik
können im Feldtest einbezogen werden. Ein Trainingswettkampf als Feldtest-Methode bei Turnern ist aufgrund seiner
organisatorischen Umstände praktikabel und empfehlenswert. Der neu inaugurierte Feldtest bringt Ergebnisse, die für den
Turner wertvoll für seine weitere Trainings- und Wettkampfgestaltung sein können.