Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-3071
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2001/307/


Neurodermitis und Psychotherapie : Eine retrospektive Studie zur Effektivität ambulanter Neurodermitis-Behandlung

Williamson, Patricia Sandison


pdf-Format: Dokument 1.pdf (5.314 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Freie Schlagwörter (Deutsch): Neurodermitis , Psychotherapie
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Psychosomatische Medizin, Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.12.2000
Erstellungsjahr: 2000
Publikationsdatum: 02.01.2001
Kurzfassung auf Deutsch: In der vorliegenden Arbeit wurde der Versuch unternommen, den Einfluß von Psychotherapie auf das Krankheitserleben und den
Krankheitsverlauf von Patienten mit Neurodermitis zu erfassen.
An der Untersuchung nahmen 43 Patienten teil, wobei 23 Patienten eine Psychotherapie durchlaufen hatten, die 20 Patienten der
Kontrollgruppe ausschließlich somatisch-dermatologisch behandelt wurden. Die psychotherapeutischen Behandlungen waren zum
Untersuchungszeitpunkt mindestens ein Jahr abgeschlossen. Die somatische Behandlung umfaßte die gängigen schulmedizinischen
Verfahren mit Externa, mit und ohne Cortison, Badezusätzen, homöopathischen Medikamenten und Aufenthalten im Reizklima,
Entspannungsverfahren.

Die Patienten wurden mit Hilfe von standardisierten Fragebögen zur Krank-heitsverarbeitung (MHF), zur Lebenszufriedenheit (FLZ),
Neurodermitis-Fragebogen, zur Zufriedenheit mit der Behandlung (ZUF), zum Juckreiz, ebenso wurde der standardisierte Fragebogen zum
Erleben und des Verhaltens (VEV) sowie der Life-Event-Fragebogen zur Untersuchung verwendet. Offensichtlich sind die mit
Psychotherapie behandelten Patienten eher in der Lage, den Juckreiz-Kratzzirkel zu durchbrechen. Die untersuchten Faktoren des
Erlebens und Verhaltens zeigten hochsignifikant positive Tendenz in den Aspekten Entspannung, Optimismus und Gelassenheit. Ein
Ergebnis der mit Psychotherapie behandelten Patientengruppe zeigte sich darin, daß diese offensichtlich mehr Behandlungsformen
ausprobieren z.B. homöopathische Behandlung, Autogenes Training und andere Entspannungsverfahren.
In den Ergebnissen zeigte sich bezüglich der Sozialdaten z.B. Beruf, Schulabschluß, Berufsausbildung und Familienstand keine
Unterschiede. In der Erstmanifestation der Erkrankung ergaben sich ebenfalls keine signifikanten Unterschiede. Aus dem
Neurodermitis-Anamnesebogen war zu entnehmen, daß Patienten mit Psychotherapie offensichtlich mehr alternative Behandlungsformen
ausprobieren als die Kontrollgruppe. Weiter abgefragt wurden Verordnungen, Arztbesuche, Krankschreibungen und stationäre Aufenthalte.
Auch hier ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Die Patienten der Kontrollgruppe zeigten deutlich bessere Werte in der
Krankheitsverarbeitung als die Eichstichprobe, so daß von einer eher positiven Selektion der somatisch behandelten Patienten
ausgegangen werden muß.

Bezüglich der Lebenszufriedenheit waren die Psychotherapie-Patienten deutlich zufriedener mit ihren Kindern, aber unzufriedener mit ihrer
finanziellen Situation als die Kontrollgruppe. Dagegen ergaben sich bezüglich Freundschaft, Ehe, Beruf und Sexualität keine wesentlichen
Unterschiede. Die untersuchten Verhaltensaspekte der Krankheitsbewältigung im MHF waren nicht signifikant unterschiedlich. Die Gruppe
der Psychotherapie-Patienten gaben deutlichere Zufriedenheit nach der Behandlung als die Kontrollgruppe an. Auffallend war, daß
Psychotherapie-Patienten hinsichtlich der kritischen Lebensereignisse deutlich mehr Lebensereignisse und auch kritischere
Lebenssituationen angeben als die ausschließlich somatisch behandelte Kontrollgruppe.
Es zeigt sich, daß die Psychotherapiebehandlung eine Verarbeitungsmöglichkeit der psychischen Belastungen, die durch die
Neurodermitis ausgelöst wird, durchaus beeinflussen kann. Um diesen Aspekt noch genauer zu untersuchen, ist möglicherweise die Zahl
der Patienten in dieser Studie nicht ausreichend gewesen, da sich Trends abzeichnen, die jedoch statistisch nicht signifikant waren. Eine
prospektive Studie im Prä-post-vergleich wäre daher sinnvoll.