Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Das Ketzerverständnis bei Sebastian Franck und Matthias Flacius Illyricus am Beispiel der Katharer

Müller, Sabine


Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (549 KB)


Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-3178
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2000/317/

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us


Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Historisches Institut
Fachgebiet: Geschichte
DDC-Sachgruppe: Geschichte
Dokumentart: Diplomarbeit, Magisterarbeit
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 1997
Publikationsdatum: 17.04.2000
Kurzfassung auf Deutsch: Ketzer, die nach kirchlichem Urteil Irrgläubigen, waren fast ständige Begleiterscheinungen der abendländischen Kirche und in der Glaubenswelt fest verwurzelt.
Nach einem biblischen Vergleich galten sie im Mittelalter als die Füchse, die den blühenden Weinberg Gottes zerstörten, als Angesandte des Teufels und als
Wölfe im Schafspelz.

Sie standen für das Gegenbild des wahren Gläubigen, ihre negative Etikettierung im Mittelalter beruhte auf der frühchristlichen Apologetik und Patristik.
Die Ketzer dagegen sahen sich zumeist als elitär Auserwählte und erhoben den Anspruch, die wahren und besseren Christen zu sein. Häresien können daher als
ein Glaubenszeugnis gelten. Vor dem Hintergrund der religiösen Konflikte und Umbrüche der Reformationszeit wandten die Protestanten sich der
Kirchengeschichte zu und griffen zur legitimierenden Rekonstruktion einer Tradition ihrer Lehre auch auf die mittelalterlichen Ketzer zurück, die sie, ausgehend
von dem Kriterium der Opposition gegen die Papstkirche, zu ihren Vorläufern und in Umkehrung der katholischen Ketzerpolemik zu wahren Christen
deklarierten.

Somit wurden die mittelalterlichen Ketzer in einen neuen Kontext gebracht und zu Märtyrern erklärt, die für den wahren Glauben ihr Leben gelassen hatten. Die
propagandistischen Geschichtswerke der Protestanten wie die Magdeburger Centurien unter der Leitung des Lutherschülers Matthias Flacius Illyricus
transferierten den reformatorischen Disput auf die historische Ebene.


Die Pioniere der Ketzergeschichtsschreibung und Begründer der protestantischen Kirchengeschichtsschreibung Sebastian Franck (1499-1542) und Matthias
Flacius Illyricus (1520-1575) prägten als erste ein neues, positives Ketzerverständnis und machten aus dem Ketzerurteil einen Ehrentitel, um ihre eigene
Position als Verketzerte zu legitimieren.

In der vorliegenden Arbeit wird am Beispiel der mittelalterlichen Bewegung der Katharer das Ketzerverständnis und die Ketzertypologie von Franck und
Flacius anhand ihrer kirchenhistorischen Schriften und unter besonderer Berücksichtigung ihrer Biographie untersucht.