Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Hinweis zum Urheberrecht

Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-2951
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2000/295/


Die Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit bei ausgewählten haushaltswissenschaftlichen FachvertreterInnen

Hayn, Doris


pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.120 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
Freie Schlagwörter (Deutsch): haushaltswissenschaftliche FachvertreterInnen , Zweigeschlechtlichkeit
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Haushaltswissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.05.2000
Erstellungsjahr: 2000
Publikationsdatum: 04.12.2000
Kurzfassung auf Deutsch: Die Arbeit zielt ausgehend von kritischer Skepsis gegenüber zweigeschlechtlichen Konstruktionen darauf, den haushaltswissenschaftlichen
Denkstil in einer feministisch-konstruktivistischen Reflexion nachzuzeichnen, um anschließend Umrisse feministischer
Haushaltswissenschaft zu skizzieren. Mittels qualitativer Inhaltsanalyse werden geschlechtsspezifische und vermeintlich -neutrale Texte von
16 FachvertreterInnen der Wirtschaftslehre des Privathaushalts auf ihre Konstruktionen von "Geschlecht" hin untersucht. Dabei zeigt sich,
daß die Kategorie "Geschlecht" in "ganzheitlich"-interdisziplinären Ansätzen eher thematisiert, in ökonomisch-multidisziplinären Ansätze
eher neutralisiert wird. Letzteres findet nicht nur durch Nicht-Benennen von Personen, sondern auch vermittelt über Verwissenschaftlichung,
Entsubjektivierung, Abstrahierung und Ökonomisierung statt. In den untersuchten Texten wird primär idealtypische "Hausfraulichkeit" und
"Mütterlichkeit" affirmiert, teilweise naturalisierend. Bestehende Geschlechterverhältnisse werden von etablierten FachvertreterInnen eher
festgeschrieben, während Frauenforschung innerhalb der Fachdisziplin diese in Frage stellen. Insgesamt zeigen sich in weiten Teilen der
Wirtschaftslehre des Privathaushalts dichotome Konstruktionen: "Frau"/"Weiblichkeit" und "Mann"/"Männlichkeit" gelten als gegensätzlich,
wobei ersteres positiv, letzteres negativ konnotiert ist.
Neben dichotomen Geschlechterkonstruktionen finden sich weitere Polarisierungen wie Natur versus Kultur, Privatheit versus Öffentlichkeit
sowie die fachdisziplinäre Dichotomie Haushalten versus Erwerben. Diese Konstruktionen tragen wesentlich dazu bei, dichotome
haushaltswissenschaftliche Denkstrukturen, das Bild einer zweigeteilten Welt, zu reproduzieren. Ferner konzipiert die Fachdisziplin ihren
Gegenstand, den "Haushalt", als universelle, natürliche, "heile", familiale und humane Einheit. Hausarbeit und Zeit im Haushalt werden als
anders, besonders und qualitativ affirmiert, ein fachspezifischer Mythos vom "Ganz(heitlich)en" wird installiert. Insgesamt kontrastiert das
"Denkkollektiv" Haushaltswissenschaft Heile-Welt-Bilder vom "Haushalt" mit Horror-Szenarien von Industrialisierung und "Männlichkeitswahn".
Ausgehend von dieser Kritik wird für feministische Haushaltswissenschaft der Bruch mit überkommenen fachdisziplinären
Selbstverständlichkeiten sowie kontinuierliche Selbstreflexion, u. a. in Bezug auf Kategorien, Modellen und Sprache, gefordert. Neben dem
Einbezug von "Geschlecht" als sozialer Analysekategorie sollten Ansprüche wie Interdisziplinarität und Praxisbezug konsequent umgesetzt
sowie ein wissenschaftskritischer Diskurs und gesellschaftspolitische Diskussionen vorangetrieben werden.