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Gießener Vollwert-Ernährungs-Studie Teil II : Einfluß der Kostform auf den Vitamin-B12- und Folatstatus in der Schwangerschaft

Koebnick, Corinna


pdf-Format: Dokument 1.pdf (23.583 KB)

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Folsäure , Schwangerschaft , Vitamin B12 , Vegetarismus , Vollwert-Ernährung
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Ernährungswissenschaft
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Biowissenschaften, Biologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.09.2000
Erstellungsjahr: 2000
Publikationsdatum: 09.10.2000
Kurzfassung auf Deutsch: Fragestellung: Hat die Kostform einen Einfluß auf den Vitamin-B12- und Folatstatus in der Schwangerschaft? Kann die Vollwert-Ernährung auch
für schwangere Frauen eine ausreichende Versorgung gewährleisten?


Untersuchungsmethoden: Die vorliegenden Studie ist als prospektive longitudinale Kohortenstudie angelegt. In die Studie aufgenommen wurden
Frauen, die mindestens zwei Jahre Vollwert-Ernährung praktizieren (VWK; n = 76), und Frauen, die sich etwa gemäß dem Bundesdurchschnitt
ernähren (CG; n = 43). Die VWK wurden zusätzlich in Ovo-Lakto-Vegetarierinnen (OLV; n = 30) und Nicht-Vegetarierinnen (NVEG; n = 46) unterteilt.
Die Erfassung von Nährstoffaufnahme (BLS Version II.2) und Blutuntersuchungen wurden in jedem Schwangerschaftstrimenon (9.-12., 20.-22. und
36.-38. Schwangerschaftswoche) durchgeführt. Bestimmt wurden die Vitamin B12-Konzentrationen im Serum und Erythro-zyten sowie die
gesättigten Vitamin-B12-Fraktionen holo-Transcobalamin II (holo-TC II) und holo-Haptocorrin (holo-Hap). Zusätzlich wurden die ungesättigte Vitamin
B12 Bindungs-kapazität UBBC sowie die einzelnen Transcobalamin-Fraktionen (apo-TC II und apo-TC I/III) gemessen und daraus die prozentualen
Sättigungskapazitäten der einzelnen Proteinfraktionen errechnet. Zur Erfassung des Folatstatus wurden die Folatkonzen-trationen in Plasma und
Erythrozyten bestimmt.


Ergebnisse: Der Lebensmittelverzehr der VWK unterschied sich gegenüber der CG besonders durch einen höheren Verzehr von
Vollkornprodukten, Gemüse und Obst. Ein bedeutender Teil des Obstes und Gemüses wurde in Form von unerhitzter Frischkost verzehrt. Fleisch
und Fisch spielt in der Ernährung der NVEG eine sehr viel geringere Rolle als bei der CG, die OLV vermieden diese Lebensmittel definitionsgemäß
ganz.

Die OLV nahmen etwa 2.5 µg/d, die NVEG 3.8 µg/d und die CG 5.3 µg/d Cobalamin mit der Nahrung auf. Die Folatzufuhr betrug bei den OLV
durchschnittlich 350 µg DFE/d, bei den NVEG 347 µg DFE/d und bei der CG 319 µg DFE/d.
Der Vitamin-B12-Status wurde signifikant durch die Ernährungsform beeinflußt. OLV, NVEG und CG zeigten signifikante Unterschiede in den
meisten Parametern des Vitamin-B12-Status. Die niedrigsten Vitamin-B12-Konzentrationen im Serum wiesen die OLV auf, gefolgt von den NVEG.
Einen Vitamin-B12-Mangel hatten in der vorliegenden Studie 44% der OLV, 16 % der NVEG und 8 % der CG.
Die unterschiedlichen Ernährungsweisen der Untersuchungsgruppen und die damit verbundenen unterschiedliche Folatzufuhr wirkte sich deutlich
auf den Folatstatus aus. Die Kostgruppen unterschieden sich signifikant hinsichtlich der Folatkonzentrationen in Plasma und Erythrozyten. Die
höchsten mittleren Folatkonzentrationen in Plasma und Erythrozyten wurden bei den OLV gemessen, gefolgt von den NVEG. Im gesamten
Schwanger-schaftsverlauf wurde ein Folatmangel bei 7.5 % der OLV, bei 20.3 % der NVEG und bei 29.0 % der CG beobachtet.
Die Kostform hatte auch einen signifikanten Einfluß auf die Homocysteinkonzentrationen. Besonders im ersten Trimenon lagen die OLV am
höchsten, gefolgt von den NVEG und der CG. Gegen Ende der Schwangerschaft unterschieden sich die Konzentrationen dagegen kaum.
Homocysteinkonzentrationen außerhalb des Normalbereiches kamen am häufigsten bei den OLV vor. Das Risiko für erhöhte
Homocysteinkonzentrationen war für OLV 4.6 mal und für NVEG 2.2 mal so hoch wie für die CG. Ein Vitamin-B12-Mangel wirkte sich ebenso wie ein
Folatmangel negativ auf die Homocysteinkonzentrationen aus. Die höchsten Homocysteinkonzentrationen wurden bei den Teilnehmerinnen
gemessen, die sowohl einen Vitamin-B12- als auch einen Folatmangel hatten.


Empfehlungen: Die vorliegende Studie zeigt, daß eine Vollwert-Ernährung, die sich durch eine hohen Zufuhr von folatreichem Gemüse und einen
hohen Frischkostanteil auszeichnet, den Folatstatus verbessern und das Risiko eines Folatmangels reduzieren kann. Die optimale Folatzufuhr
liegt nach den vorliegenden Ergebnissen bei etwa 300 µg FFE/d und deckt sich mit den internationalen Empfehlungen für die Folatzufuhr während
der Schwangerschaft. Die vegetarische Variante der Vollwert-Ernährung kann aber auch ein Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel während der
Schwangerschaft darstellen und zu einem funktionellen Folsäuremangel sowie erhöhten Homocysteinkonzentrationen führen. Vegetarierinnen
sollten besonders auf eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung achten und regelmäßig ausreichend Milch und Milchprodukte und eventuell Fisch
verzehren. Die optimale Cobalaminzufuhr liegt bei etwa 4 µg/d und ist besonders für Vegetarierinnen während der Schwangerschaft zum
Ausgleich für entleerte Vitamin-B12-Speicher wichtig. In den ersten Wochen der Schwangerschaft und bei einem geringem Verzehr von Milch und
Milchprodukten sollte bei Vegetarierinnen eine generelle Supplementation mit Vitamin B12 in Erwägung gezogen werden.
Kurzfassung auf Englisch: Wholesome Nutrition meets international recommendations on food consumption regarding a healthy diet and is characterised by a high
consumption of foods of plant origin and a high consumption of raw food as well as whole grain products. At the same time the consumption of
meat and eggs is reduce significantly compared to the average diet. The question is, whether Wholesome Nutrition ensures an adequate nutrient
supply for persons with a high nutrient requirement such as pregnant women. The supply of vitamin B12 and folate is of special interest because of
the association with the occurrence of neural tube defects, low birth weight, intrauterine growth retardation, delayed maturation of the nervous
system and anaemia.

The study conducted was a prospective longitudinal cohort study in which a questionnaire, an estimated food record and a pregnancy diary were
used as instruments. In addition blood samples were analysed. Women were admitted to the study, when adhering to a Wholesome Nutrition (WN;
n = 76) for a minimum of 2 years, or eating an average German diet (CG; n = 43). WN group was subdivided into ovo-lacto vegetarians (OLV; n =
30) and low-meat eaters (LME; n = 46).

Dietary and nutrient intake was assessed in every trimester of pregnancy (9.-12., 20.-22. and 36.-38. gestational week) by an estimated 4-day food
record. Nutrient intake was calculated based on the German food code and nutrient data base (BLS Version II.2, BGVV 1996). Folate intake was
calculated as free folate equivalents (FFE) as well as dietary foalte equivalents (DFE).
The food record was linked to blood samples to assess biochemical parameters throughout pregnancy. Serum and red blood cell (RBC) vitamin
B12 concentrations, vitamin B12 bound transcobalamin II (holo-TC II) and vitamin B12 bound haptocorrin (holo-Hap) were analysed. Additionally the
unsaturated vitamin B12 binding capacity (UBBC) and trans-cobalamins (apo-TC II and apo-TC I/III) were determined to calculate the percentage
saturation of the transcobalamins. Folate status was assessed by the measurement of plasma and RBC folate.
The food consumption of WN group and CG differed significantly. WN group consumed more whole grain products, vegetables and fruits than the
CG. A high amount of vegetables and fruits were eaten unheated. LME ate less meat and fish than the CG; OLV avoid meat and fish totally.
The preference of foods of plant origin and the low consumption of foods of animal origin lead to a lower dietary intake of cobalamin in OLV and LME
than in the CG. The mean dietary intake of cobalamin was 2.5 µg/d for OLV, 3.8 µg/d for LME and 5.3 µg/d for the CG. Only half of the OLV met the
recommendations for vitamin B12 of the Institute of Medicine (1998) and only 1/3 of OLV met the recommendations of the German Nutrition Society
(1991). About ¼ of OLV showed a dietary cobalamin intake below the recommendations for pregnant women of the WHO.
The WN group showed a higher dietary intake of folate than the CG. The mean folate intake was 350 µg DFE/d (173 µg FFE/d) for OLV, 347 µg
DFE/d (166 µg FFE/d) for LME and CG 319 µg DFE/d (140 µg FFE/d) for the CG.
The Vitamin B12 status was significantly affected by the diet. OLV, LME and the CG showed significant differences in most biochemical
parameters of vitamin B12 status. Low cobalamin intake of OLV was reflected in low vitamin B12 concentrations in serum as well as low percentage
saturation of transcobalamins. The lowest vitamin B12 concentrations in serum showed the OLV followed by the LME. Additionally the absolute
saturation of haptocorrin as well as the total saturation was lower in OLV than in LME and the CG. The apo-Hap concentrations were highest in
OLV, followed by LME and the CG. Holo TC II as well as RBC vitamin B12 concentrations were not affected by the diet. The unsaturated
trans-cobalamin concentrations were strongly affected by pregnancy and were not ideal for the assessment of vitamin B12 status during pregnancy.
A vitamin B12 deficiency showed 44% of OLV, 16 % of LME and 8 % of the CG. The risk of vitamin B12 deficiency during pregnancy was higher in
OLV (9.2) and LME (2.3) compared to the CG.

The different diets and the different dietary folate intakes also affected folate status. The diet groups differed significantly in plasma as well as RBC
folate concentrations. The mean folate concentrations in plasma and RBCs were highest in OLV, followed by LME. In the total course of pregnancy
folate deficiency was observed in 7.5 % of OLV, in 20.3 % of LME and 29.0 % of the CG.
The diet also significantly affected homocysteine concentrations. Especially in the first trimester of pregnancy homocysteine concentrations were
highest in OLV, followed by LME and the CG. At the end of pregnancy homocysteine concentrations hardly differered between the diet groups.
Homocysteine concentrations above normal range were mostly observed in OLV. The risk for raised homocysteine concentrations was higher for
OLV (4.6) and for LME (2.2) than for the CG. Homocysteine concentrations were negatively affected by vitamin B12 deficiency as well as folate
deficiency. Highest homocysteine concentrations were observed in participants with vitamin B12 and folate deficiency.
The results suggest that Wholesome Nutrition characterised by a high intake of folate-rich vegetables and a high amount of raw food optimises
folate status and reduces the risk of folate deficiency during pregnancy. The data also suggest an optimum in folate intake at 300 µg FFE/d, which is
similar to the international recommendation for folate intake during pregnancy. On the other hand a vegetarian variant of Wholesome Nutrition may
also be a risk for vitamin B12 deficiency during pregnancy and may lead to a functional folate deficiency as well as raised homocysteine
concentrations. Vegetarians should assure an adequate cobalamin intake and a sufficient consumption of dairy products and, if acceptable, fish.
The data also suggest an optimum in cobalamin intake at 4 µg/d. A cobalamin intake of 4 µg/d should be met by all vegetarians during pregnancy to
compensate low vitamin B12 storage. In the first weeks of pregnancy and in persons with a low consumption of dairy products a vitamin B12
supplementation for vegetarian women should be considered.