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Untersuchungen zum Einfluß von Naturlicht im Vergleich zu zwei verschiedenen Kunstlichtregimen auf die Reproduktionsparameter weiblicher und männlicher Kaninchen (Oryctolagus cuniculus)

Schüddemage, Meike


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.01.2000
Erstellungsjahr: 2000
Publikationsdatum: 15.03.2000
Kurzfassung auf Deutsch: Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den Einfluß von Naturlicht im Vergleich zu zwei Kunstlichtregimen auf die Reproduktionsleistungen weiblicher und
männlicher Hauskaninchen zu analysieren. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die Erfassung der Konzeptionsrate sowie der Wurfgröße und Wurfmasse
sowohl bei der Geburt als auch beim Absetzen. Weiterhin wurde die Säugeaktivität der Häsinnen analysiert. Zusammenhänge zwischen Wurfgröße,
Geburtsmasse, Lebendmasseentwicklung und Verlustgeschehen der Jungkaninchen von der Geburt bis zur Schlachtreife in Abhängigkeit von den verschiedenen
Lichtregimen wurden analysiert. Bei der Schlachtung der Mastkaninchen am 84. ± 2 Lebenstag wurde bei den weiblichen Tieren anhand von Ovarmasse,
Uterusmasse und Funktionskörpern auf den Ovarien, bei den männlichen Tieren anhand der Hodengröße und -masse die geschlechtliche Entwicklung unter
Berücksichtigung der verschiedenen Lichtprogramme untersucht. Ein weiterer Aspekt war der Einfluß unterschiedlicher Lichtregime auf die Sprungfreudigkeit
der Kaninchenböcke beim Absamen und auf die spermatologischen Parameter.


Die Untersuchung wurde an Weißen Neuseeländer Kreuzungen durchgeführt. Die Lichtregime waren durch unterschiedliche Lichttaglängen gekennzeichnet.
Das Naturlicht (NL) wurde durch die Variation der Tageslichtlänge im Verlauf des Jahres charakterisiert. Die Kunstlichtregime (KL) zeichneten sich durch eine
über den Untersuchungszeitraum gleichbleibende Tageslichtlänge aus. Es kamen Lichttaglängen von 8 Stunden Kunstlicht (KL 8h) und 16 Stunden Kunstlicht
pro Tag (KL 16h) bei einer Beleuchtungsstärke von 60 Lux zur Anwendung.


Folgende Aussagen konnten anhand der Untersuchungsergebnisse getroffen werden:


1. Fruchtbarkeitsleistungen weiblicher Kaninchen


Unter dem Einfluß von NL wurde eine Konzeptionsrate von 65,7 % erreicht. In den beiden Kunstlichtprogrammen lag die mittlere Trächtigkeitsrate mit 67,6 %
um 1,9 % über der im NL erreichten Konzeptionsrate. Unter dem Einfluß von KL 8h wurde die höchste Trächtigkeitsrate mit 69,3 % erzielt (KL 16h = 65,9
%).


Im KL 16h zeigte sich die signifikant höchste Anzahl der gesamt geborenen Jungtiere im Vergleich zu den beiden anderen Lichtregimen (KL 16h = 9,5
Jungtiere/Wurf, Wurfmasse 614 g).


Auch bei der Anzahl der abgesetzten Jungtiere lag das KL 16h signifikant über den Werten von NL und KL 8h (KL 16h = 8,2 Jungtiere/Wurf, Wurfmasse
5070 g).


Bei der Bewertung der Lichtprogramme mit Hilfe des Jungtierindex waren die beiden Kunstlichtregime mit im Mittel 579 lebend geborenen und 543
abgesetzten Jungtieren dem NL deutlich überlegen. 55 lebend geborene und 38 abgesetzte Jungtiere pro einhundert besamte Häsinnen konnten mehr erreicht
werden.


Die Besamungsfolge besaß einen signifikanten Einfluß auf die Konzeptionsrate und die Wurfgröße und damit auch auf den Jungtierindex. In allen drei
Lichtprogrammen wechselten sich nahezu durchgängig hohe Konzeptionsraten und Wurfgrößen mit deutlich niedrigeren Werten ab.


Bei Verlängerung der Zwischenwurfzeit von 33 auf 66 Tage stiegen die Leistungen der Häsinnen signifikant an.


Die Parität hatte einen signifikanten Einfluß auf die Reproduktionsleistung der Häsinnen. Erstgebärende Häsinnen zeigten eine signifikant geringere Leistung in
allen untersuchten Parametern gegenüber den multiparen Häsinnen.


2. Säugeaktivität


Die kontinuierlichen Verhaltensuntersuchungen mittels Infrarot - Videotechnik ergaben im KL 16h eine mittlere Säugehäufigkeit von Mittel 1,14 Saugakten in
einem 24 - Stunden - Intervall (KL 8h = 1,41). Die mittlere Dauer eines Saugaktes und die Gesamtsäugedauer lagen im KL 8h signifikant über den Werten, die
im KL 16h erreicht wurden.


Es wurde festgestellt, daß die Säugeaktivität von Kaninchen einem circadianen Rhythmus folgte und der Lichtwechsel von Hell nach Dunkel ein Hauptzeitgeber
für das Säugen darstellte. Insbesondere bei dem 16stündigen Kunstlichttag fanden 28,1 % aller Saugakte in der ersten Stunde nach dem Ausschalten des
Lichtes statt. Die Ergebnisse belegten, daß die Säugeaktivität der Häsinnen vorwiegend in der Dunkelphase erfolgte.


3. Lebendmasseentwicklung und Verlustgeschehen der Jungkaninchen


Unter dem Einfluß des KL 8h wiesen die Tiere die geringste mittlere Geburtsmasse (63,8 g) auf. Im NL wurde die signifikant höchste Geburtsmasse erzielt
(67,9 g). Dabei ist zu bedenken, daß Wurfgrößen - Unterschiede zwischen den Lichtregime - Gruppen bestanden und die Wurfgröße statistisch gesichert die
individuelle Körpermasse zur Geburt beeinflußte.


Im NL besaßen die Jungkaninchen eine um 13 g signifikant höhere mittlere Lebendmasse beim Absetzen (620 g) als die Jungtiere im KL 8h (607 g). Hierbei ist
zu berücksichtigen, daß die Geburtsmasse der Kaninchen sowie die Wurfgröße beim Absetzen in allen drei Lichtprogrammen einen signifikanten Einfluß auf die
individuelle Absetzmasse der Kaninchen hatten.


Insgesamt lag die Aufzuchtrate in der Säugeperiode bei 91 %. Die Überlebensrate der Jungtiere stand unter signifikantem Einfluß der Geburtsmasse und der
Wurfgröße bei der Geburt.


In der Zusammenfassung aller 484 geschlachteten Mastkaninchen hatten die Tiere am 84. ± 2 Lebenstag eine mittlere Lebendmasse von 2988 g. Zwischen den
Lichtregimen konnten keine statistisch gesicherten Unterschiede in der Lebendmasse bei Mastende beobachtet werden.


Insgesamt lag die Verlustrate in der Zusammenfassung der drei Lichtprogramme über den Zeitraum der Mastperiode bei 8,5 %.


4. Status der Gonaden zum Zeitpunkt der Schlachtung


Die Tiere des KL 16h hatten die signifikant geringste Hodengröße. Die mittleren Hodengrößen der Tiere aus NL und KL 8h waren auf einem gleichen Niveau.
Ein ähnliches Bild ergab auch die Untersuchung der Hodenmasse. Die Hodengröße und die Hodenmasse korrelierten signifikant mit der Lebendmasse der
Kaninchen.


Die Ovarmasse zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den Lichtprogrammen. Die Kaninchen im KL 8h hatten die signifikant niedrigste mittlere
Uterusmasse gegenüber den Tieren in den beiden anderen Lichtprogrammen. Die Kaninchen des KL 8h besaßen auf nur 39,7 % der Ovarien angebildete
Follikel, Corpora lutea oder Follikel in Regression. In den beiden anderen Lichtprogrammen wiesen über 50 % der Tiere auf den Ovarien fortgeschrittene
Entwicklungsstadien der Follikel auf.


5. Sprungfreudigkeit der Kaninchenböcke und spermatologische Parameter


Männliche Kaninchen zeichneten sich unter dem Einfluß von NL gegenüber den Tieren aus den beiden Kunstlichtregimen durch die größte Sprungfreudigkeit
aus. Die Zunahme der Tageslichtlänge im Frühjahr bewirkte bei den Tieren im NL einen Anstieg der Sprungfreudigkeit, die mit abnehmender Tageslichtlänge im
Herbst wieder absank. Dies entspricht den Gegebenheiten bei Wildkaninchen, deren Fortpflanzungsverhalten nach verschiedenen Literaturangaben im Frühjahr
(mit zunehmender Lichttaglänge) aktiviert und im Herbst (mit abnehmender Lichttaglänge) deaktiviert wird.


Kaninchenböcke unter dem Einfluß des KL 8h zeigten in nahezu allen untersuchten spermatologischen Parametern die signifikant besten Ergebnisse.


Zwischen der Lebendmasse der Rammler und der Hodengröße wurde ein signifikanter Zusammenhang beobachtet.


Ein positiver Zusammenhang der Hodengröße mit den spermatologischen Parametern konnte nur für das Ejakulationsvolumen mit r = 0,344 ermittelt werden.


Deutliche saisonal bedingte Veränderungen konnten bei der Hodengröße der Kaninchenböcke unter dem Einfluß der Variation Tageslichtlänge im NL
beobachtet werden. Maximale Werte für die Hödengröße wurden im März und April beobachtet. Nach einer Abnahme der Hodengröße im Sommer begann
eine Zunahme der Größe der Hoden im Oktober.
Kurzfassung auf Englisch: The objective of this work was the examination of the influence of different photoperiods (natural lighting conditions versus two artificial light programmes) on
the reproduction performance of female and male rabbits. The investigations were focussed on the observation of the rate of conception, litter size and litter
weight at birth and at weaning. In addition the suckling behaviour of rabbit does was observed. The relationship between litter size, individual birth weight,
development of live weight and the loss of pups from birth to slaughter were analysed with respect to different photoperiods. Within the slaughter at the age of
84 ± 2 days gonads were prepared for further investigations of the sexual development of the rabbits. In this context female rabbits were characterized by
ovarian weight, uterine weight and follicular development. Analogically, male rabbits were characterized by testicular size and testicular weight in dependence
on different photoperiods. Another point of view was the influence of different photoperiods on the sexual activity and semen quality of male rabbits.


These investigations were carried out with New Zealand White Crossbreds. The light regimes had different lengths of applied light. The natural light regime
(NLR) was characterized by seasonal variation of daylength during the year. The artifical light regimes (ALR) were defined by constant lengths of photoperiods
lasting 8 or 16 hours of light each day (8L:16D resp. 16L:8D) with a light intensity of 60 lux.


As a consequence of the results following conclusions could be drawn:


1. Reproduction performance of rabbit does


Under NLR a rate of conception of 65.7 % was obtained. Within the ALR a mean fertility of 67.6 % was observed. This value was about 1.9 % higher than
the one from NLR. The highest rate of conception (69.3 %) was found within 8L:16D (16L:8D = 65.9 %).


The significantly highest number of total born pups was registered in 16L:8D (average 9.5 pups with a mean litter weight of 614 g).


The highest litter size of weaned rabbits was found in 16L:8D (8.2 pups with a mean litter weight of 5070 g).


The pup index was introduced in order to summarize mean rate of conception and mean litter size. This index was difined as the number of alive born pups
respectively weaned rabbits per 100 artificially inseminated does. The pup index facilitates the global assessment of the performance of a group of rabbit does.


ALR showed to be more effective than NLR. Under ALR conditions a more of 55 alive born pups and 38 weaned rabbits per 100 inseminated does were
obtained compared with NLR.


The sequence of artificial insemination showed a significant influence on the rate of conception and the litter size. Nearly without exception high rates of
conception and high litter sizes were followed by lower ones.


The remating interval had a significant influence on the reproduction performance. A prolongation of the remating interval from 33 up to 66 days lead to a
significantly higher reproduction performance.


Primiparous does showed a significantly lower reproduction performance compared with multiparous does.


2. Suckling behaviour


The mean frequency of suckling, analysed by infrared videotechnique, was 1.14 events in 24 hours in 16L:8D (1.41 times in 8L:16D) (p < 0.05). The mean
duration of suckling and the total suckling period was significantly higher in 8L:16D compared with 16L:8D.


If was found that the suckling activity was controlled by a circadian rhythm. The light - dark - change is a zeitgeber for nursing behaviour of does. The results
provided evidence of a predominant nocturnality of suckling behaviour of the rabbits. Especially under 16L:8D 28.1 % of all sucklings occured in the first hour
after switching off the light.


3. Development of live weight and pup losses


Birth weight of the pups showed a significant difference between the investigated photoperiods. Pups under 8L:16D had the lowest birth weight (63.8 g) and
pups under NLR showed the highest birth weight (67.9 g). It has to be noticed that differences in litter size were found between groups and that birth weight is
significantly influenced by litter size.


The weaning weight of the rabbits in NLR (620 g) was about 13 g higher than those in 8D:16L. The average weaning weight of the rabbits in 16L:8D
amounted 613 g. It has to be assessed that the individual weaning weight was significantly influenced by the birth weight and the litter size at weaning in the
three groups.


The survival rate in the suckling period was 91 %. The survival of the young rabbits was significantly influenced by birth weight and litter size at birth.


A total of 484 rabbits were slaughtered at the age of 84 ± 2 days. They showed an average live weight of 2988 g. There were no differences between the light
regimes.


The total rearing loss from weaning until slaughter amounted to 8.5 % with no differences among the investigated groups.


4. Gonadal development at slaughter


Male rabbits from 16L:8D showed the significantly lowest testicular size. Similiar values for this parameter were observed in NLR and 8L:16D. A ressembling
relation was found for the testicular weight. Testicular size and testicular weight were significantly correlated with live weight of the rabbits.


The ovarian weight showed no differences among the light regimes. Among the different photoperiods the lowest uterine weight were observed in 8L:16D. A
follicular development (follicles with a size of > 1 mm, corpora lutea, follicles in regression) was only found in 39,7 % of the females in 8L:16D. More than 50
% of the female rabbits in NLR and 16L:8D showed a follicular development.


5. Sexual activity of male rabbits and semen quality


In NLR the highest sexual activity of male rabbits was found. The increasing length of daylight in spring lead to an increased sexual activity of male rabbits.
Analogically, decreasing length of daylight in autumn lead to a decrease in sexual activity. This corresponds with species - specific status in wild rabbit bucks.

The sexual behaviour of bucks is activated in spring (increasing daylight) and deactivated in autumn (decreasing daylight) as reported in literature.


Male rabbits in 8L:16D showed the significantly best results for nearly all investigated semen parameters.



A significant correlation between live weight and testicular size was detected. With increasing body weight testicular size increased, too.


A positive relation between testicular size and semen quality could only be determined for ejaculation volumina (r = 0,344).


Seasonal fluctuations could only be observed for the testicular size under the influence of the variation of daylength in NLR. Maximum testicular sizes were
observed in march and april. After decreasing in the summer the increase of testicular size started in october.