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Prognostische Faktoren und Pneumonitisrate nach 3-D-geplanter Strahlentherapie beim Bronchialcarcinom

Kaufmann, Maurice Ulrich Eckhard


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Zentrum für Radiologie, Abt. Strahlentherapie, Wilhelm-Conrad-Röntgen-Klinik
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 26.01.2000
Erstellungsjahr: 2000
Publikationsdatum: 18.02.2000
Kurzfassung auf Deutsch: Das Bronchialcarcinom ist eine der häufigsten Krebserkrankungen. Die Bestrahlung des Tumors ist eine sehr wichtige Therapieform dieser Krankheit. Wir
untersuchten, ob die Anwendung von 3-D-Planungsverfahren zur Bestrahlung Auswirkungen auf die Überlebenszeit hat und welche prognostischen Faktoren
wichtig sind. Zusätzlich wurde der Einfluss der 3-D-Planung auf die Häufigkeit einer strahlenbedingten Pneumonitis betrachtet. Unsere Ergebnisse wurden mit
der Literatur verglichen. Als Grundlage dienten die Daten von 535 Patienten, die an einem Bronchialcarcinom erkrankt waren und in den Jahren 1983 bis 1992
in der Wilhelm-Conrad-Röntgen-Klinik bestrahlt wurden.


Zur Untersuchung auf prognostische Faktoren sowie Überlebenszeiten teilten wir das Kollektiv in je einen Datensatz mit kleinzelligem (SCLC: 155 Patienten)
und nicht-kleinzelligem (NSCLC: 380 Patienten) Bronchialcarcinom auf. Die statistische Auswertung erfolgte univariat für die Merkmale Alter, Geschlecht,
Stadium, Karnofsky-Index, Histologie (bei NSCLC), Werte für Hämoglobin, Alkalische Phosphatase und Lactatdehydrogenase. Ferner wurde die
Auswirkung einer Bestrahlungsdosis von mehr oder weniger als 50 Gray im Zielvolumen untersucht. Wir verwendeten Überlebenszeitberechnungen nach
Kaplan-Meier. Die Prüfung auf Signifikanz erfolgte mittels des Log-Rank- und des Wilcoxon-Tests. Eine anschliessende multivariate Modellfindung mit Hilfe
der Cox-Regression diente zur Beschreibung der unser Patientengut am Besten beschreibenden voneinander unabhängigen Merkmale. Hierfür konnte allerdings
nur der Teil der Datensätze verwendet werden, für die die Variablen vollständig vorlagen.


Die Fälle von Pneumonitis wurden in Schweregrade unterteilt und die Häufigkeiten berechnet.


Die langfristige Prognose für Bronchialcarcinome hat sich durch die aufwendige Planung nicht verbessert, sie ist weiterhin äusserst schlecht. Die
Überlebenszeiten haben sich gegenüber denjenigen aus der Literatur nicht deutlich verändert. Dies gilt sowohl für kleinzellige als auch nicht-kleinzellige
Carcinome.


Allerdings konnte durch die computerunterstützte genaue Berechnung der Strahlendosen am Tumor sowie im umliegenden Gewebe eine grössere Schonung der
gesunden Lungenteile erreicht werden. Die Häufigkeit einer Pneumonitis sank von weit über 20 % in den 70er Jahren auf nunmehr knapp 13 % in unserem
Beobachtungszeitraum. Die Inzidenz tödlicher Pneumonitisfälle lag mit weniger als 1 % in unserer Klinik unter der von fast 9 % vor Einführung der
3-D-Planung.


Die univariaten Überlebenszeitberechnungen zeigten in beiden Gruppen den Karnofsky-Index, d.h. den Allgemeinstatus des Patienten bei Vorstellung, sowie
das Stadium der Erkrankung als einen die Prognose beeinflussenden Faktor. Im Falle einer Erkrankung an nicht-kleinzelligem Bronchialtumor zeigten sich bei
uns normale Werte für die AP sowie eine Bestrahlung mit mehr als 50 Gray als prognostisch günstige Merkmale. Bei Kleinzellern war dies nicht der Fall. Alter,
Geschlecht sowie Blutwerte für Hämoglobin und LDH hatten sowohl bei NSCLC und SCLC keine Aussagekraft, die histologischen Typen bei
nicht-kleinzelligem Bronchialcarcinom auch nicht.


Die Modellfindung mittels der Cox'schen Regressionsanalyse ergab, dass die Gruppe der NSCLC mit den voneinander unabhängigen Parametern niedriges
Alter, reguläre Werte für Hb und LDH und gutem Karnofsky-Index sowie dann möglicher höherer Bestrahlungsdosis am besten beschrieben wird. Diese
dienen somit für diese als anwendbare prognostische Faktoren. Für den Teil der Patienten, die an einem kleinzelligen Bronchialcarcinom erkrankt waren,
erwiesen sich bei uns ein günstiger Karnofsky-Index, ein Alter unter 60 Jahren, niedrige LDH-Werte sowie ein frühes Tumorstadium als günstig.


In der Literatur finden sich zu den einzelnen Merkmalen sehr unterschiedliche Erkenntnisse. Die von uns genannten prognostischen Faktoren finden sich bei
einigen Autoren, andere können dies nicht bestätigen. Einzig der Karnofsky-Index erweist sich als der vielleicht einzige und wichtigste Prognosefaktor bei
Bronchialcarciomen - er wird in fast allen Arbeiten genannt. Spezielle Tumormarker dienen eher der Verlaufskontrolle als der Prognose.


Zusammenfassend ergibt sich für uns, dass, falls entsprechend günstige Prognosefaktoren vorliegen, die exakte Planung einer Strahlentherapie zur Maximierung
der Wirkung am Tumor und zur grösstmöglichen Schonung umliegender Strukturen einen Fortschritt darstellt. So konnte die Anzahl der Pneumonitiden gesenkt
werden. Eine spürbare Verbesserung der Prognose erreichten wir jedoch nicht. Auch ergab sich keine Neubewertung der bereits bekannten prognostischen
Faktoren. Dem Allgemeinzustand des Patienten, der seinen Ausdruck im Karnofsky-Index findet und sich auch in dieser Studie als wichtiger Einflussfaktor
erwies, sollte weiterhin grosse Aufmerksamkeit geschenkt werden.