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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/1999/83/


Veränderungen somatosensorisch und akustisch evozierter Potentiale unter Sevofluran- und Isoflurananästhesie

Milosevic, Markus


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Chirurgie, Anaesthesiologie und Urologie, Abt. Anaesthesiologie und Operative Intensivmedizin
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.06.1999
Erstellungsjahr: 1999
Publikationsdatum: 03.11.1999
Kurzfassung auf Deutsch: Nach Zustimmung der örtlichen Ethikkommission wurden, nach Aufklärung und schriftlicher Einwilligung der Patienten, die Veränderungen somatosensorisch
und akustisch evozierter Potentiale unter ansteigenden Dosierungen von Sevofluran und Isofluran mit und ohne Lachgas bei 40 Patienten untersucht.
Die Patienten, die sich einem elektiven allgemeinchirurgischen Eingriff unterziehen mussten, wurden in zwei Untersuchungsgruppen randomisiert und erhielten
entweder Sevofluran oder Isofluran.

Nach Erreichen eines Konzentrationsgleichgewichtes zwischen In- und Exspiration wurden bei 0,5, 1,0 und 1,5 MAC Sevofluran bzw. Isofluran in einem
Sauerstoff-/Lachgasgemisch bei einer inspiratorischen O2-Konzentration von 50% SEP und AEP abgeleitet. Weitere Ableitungen erfolgten nun nach Zugabe
von 65% Lachgas in einem N2O/O2-Gemisch unter Rücknahme der Konzentration des jeweiligen Narkosegases bei 1,5, 1,0 und 0,5 MAC.
Die Ableitung der SEP erfolgte, nach Reizung des N. medianus der rechten Hand, unter Verwendung auf der Hautoberfläche angebrachter Elektroden. Die
zervikale Aktivität wurde in Höhe des zweiten Halswirbelkörpers, die kortikale über dem kontralateralen sensorischen Kortex, entsprechend dem
internationalen 10-20-System, registriert.

Ausgemessen wurden die Latenzen der Gipfel N14 und P18 und die Amplitude N14P18 als Ausdruck der zervikalen Reizantwort, sowie die Latenzen der
Gipfel N20 und P25 und die Amplitude N20P25 als Zeichen der kortikalen Reizverarbeitung. Die zentrale Überleitungszeit (CCT) wurde durch durch einfache
Subtraktion der Latenz des Gipfels N14 von der Latenz des Gipfels N20 errechnet.
Die Ableitung der AEP erfolgte nach binauraler Reizung durch Oberflächenelektroden über dem Mastoid (A1/A2) und dem Vertex (Cz). Registriert wurde die
Latenz der frühen AEP mit ihren Gipfeln I,III und V als Zeichen der Reizaufnahme und Reiztransduktion bis zum Hirnstamm und die Latenz der Gipfel Na, Pa
und Nb, sowie die Amplituden NaPa und PaNb der AEP mittlerer Latenz als Ausdruck der kortikalen Reizverarbeitung.
Die Applikation ansteigender Konzentrationen von Sevofluran oder Isofluran bewirkte, ohne signifikanten Gruppenunterschied, eine geringgradige
Latenzverlängerung im Bereich der zervikalen Anteile des SEP. Die zusätzliche Applikation von Lachgas führte zu keiner zusätzlichen Latenzverlängerung.
Analog hierzu kam es auch zu einer gering ausgeprägten Supprimierung der zervikalen Reizamplitude.
Der kortikale Primärkomplex erfuhr durch Sevofluran und Isofluran ebenfalls eine Latenzverlängerung, die aber sehr viel deutlicher ausfiel. Die Zugabe von
Lachgas erbrachte eine weitere Verzögerung der Latenz. Die Amplitude der kortikalen Reizantwort erfuhr unter ansteigenden Dosen des jeweiligen
Inhalationsanästhetikums eine progrediente Abnahme. Nach Applikation von Lachgas kam es zu einer rapiden Supprimierung der Reizamplitude. Durch die
Reduktion der Narkosegaskonzentration erholte sich die Amplitude nur unvollständig. Ein Gruppenunterschied war nicht nachweisbar.
Die CCT verzögerte sich, entsprechend der weitgehenden Konstanz der Latenz von N14 und der deutlichen Verlängerung der Latenz von N20, unter
ansteigenden Dosen beider untersuchten Inhalationsanästhetika ohne Gruppenunterschied erheblich.
Im Bereich der akustisch evozierten Potentiale wiesen die Latenzen der BAEP eine weitgehende Konstanz gegenüber Sevofluran und Isofluran auf. Die
Latenzverlängerung des Gipfels V war gering signifikant. Dies galt wiederum ohne Unterschied für beide Substanzen. Lachgas hatte keinen Einfluss auf die
BAEP.

Massiv unterdrückt wurden die MLAEP, sowohl durch Sevofluran, als auch durch Isofluran, so daß schon bei 0,5 MAC des jeweiligen Narkosegases nur
noch bei knapp zwei Dritteln aller Patienten ein nachweisbares Potential vorhanden war. Bei 1,0 MAC liess sich sogar nur noch bei 7 der 40 Patienten ein
MLAEP verifizieren, höhere Konzentrationen bewirkten ohne Ausnahme eine vollständige Supprimierung der MLAEP. Erst bei 0,5 MAC in Kombination mit
Lachgas konnten bei 10 Patienten wieder Potentiale mit einer geringen Amplitude ausgemessen werden.


Intraoperatives Monitoring der SEP scheint unter klinisch üblichen Dosierungen von Sevofluran und Isofluran möglich zu sein. Dabei sollte eine MAC von 1,0
aber nach Möglichkeit nicht überschritten werden, da sonst Anästhetikaeffekte eine zerebrale Ischämie verschleiern könnten. Problematisch ist der Einsatz von
Lachgas, da es erhebliche supprimierende Wirkung auf die kortikalen Anteile des SEP hat. Aus diesem Grund sollte bei geringen Ausgangsamplituden auf eine
Lachgasapplikation verzichtet werden. Eine Alternative wäre hier eine TIVA.

BAEP sind ohne weiteres auch unter einer Narkose mit Sevofluran und Isofluran diagnostisch auswertbar. Dies gilt auch für die Kombination mit Lachgas. Die
erhebliche Supprimierung der MLAEP durch die untersuchten volatilen Anästhetika macht ihre Nutzug zur Erkennung zerebraler Ischämien unmöglich. Hier
stellt die Anwednung rezeptorspezifischer Substanzen möglicherweide eine Alternative dar. Ob MLAEP zur Einschätzung der Narkosetiefe dienen können,
muss durch weitere Studien geklärt werden.