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Inzidenz der Heparin-induzierten Thrombozytopenie Typ II am Klinikum der Justus-Liebig-Universität Gießen

Barth, Karin Sabine Alexandra


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Innere Medizin, Medizinische Klinik II
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.04.1999
Erstellungsjahr: 1998
Publikationsdatum: 21.09.1999
Kurzfassung auf Deutsch: Im Klinikum Gießen wurden über einen Zeitraum von zwei Jahren alle diagnostizierten Fälle einer symptomatischen Heparin-induzierten Thrombozytopenie
(HIT-Typ II) erfaßt. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, die Kenntnisse zur Klinik und Häufigkeit der HIT-Typ II zu vertiefen. Außerdem sollten die HIT-Typ
II-Patienten auf das Vorliegen besonderer Risikofaktoren hin untersucht werden.


Bei 72.215 stationären Aufnahmen in der Zeit vom 1. 11. 1992 bis zum 31. 10. 1994 ergibt sich bei 24 gesicherten Fällen einer symptomatischen HIT-Typ II
eine Inzidenz von etwa 1 : 3000. Bei einem Heparinverbrauch in dieser Zeit von 309.547 Tagesdosen kann bei einer durchschnittlichen
Krankenhausverweildauer von 10 Tagen von etwa 31.000 Patienten ausgegangen werden, die Heparin erhielten. Daraus errechnet sich eine Inzidenz der
HIT-Typ II unter den Heparinpatienten von etwa 1:1.300. In der Orthopädischen Klinik wurden 8 Patienten mit einer HIT-Typ II diagnostiziert. Bei 4304
Aufnahmen in dieser Klinik ergibt sich eine HIT-Typ II-Inzidenz von etwa 1:500. Bezieht man die 8 HIT-Typ II-Fälle auf den Heparinverbrauch der
Orthopädischen Klinik (38.410 Tagesdosen, also etwa 3.841 Patienten, die 10 Tage Heparin erhielten), ergibt sich ebenfalls eine Inzidenz von etwa 1:500.
Von den 24 Patienten mit HIT-Typ II sind 9 verstorben, 3 davon in der Orthopädie. Für das gesamte Klinikum lag somit, bezogen auf den Heparinverbrauch,
das Letalitätsrisiko bei etwa 1:3.400, in der Orthopädie bei 1:1.300.


Von den 24 symptomatischen HIT-Typ II-Patienten entwickelten 5 der Patienten ohne klinisch nachweisbare Thrombose einen Abfall der Thrombozyten unter
50% des Ausgangswertes. Bei 19 der Patienten kam es jedoch zu thromboembolischen Komplikationen:


9 Beinvenenthrombosen, 8 Lungenembolien, davon 3 mit letalem Ausgang, 1 arteriell-venöse Thrombose beider Beine, 1 Hirninfarkt, 1 ACVB-Thrombose
sowie 5 Patienten mit einem Multiorganversagen. Die Mehrzahl der HIT-Typ II-Patienten (84%) wies ein hohes Thromboserisiko auf.


Neun der 24 Patienten mit einer HIT-Typ II sind verstorben, davon 3 Patienten ohne Vorliegen einer schweren Grundkrankheit. Die übrigen 6 verstorbenen
Patienten wiesen so schwere Grundkrankheiten auf, daß man die HIT-Typ II nicht als alleinige Todesursache betrachten kann.


Aus den jetzt vorliegenden Daten ergibt sich für die Thromboseprophylaxe mit Heparin ein Thrombose-Thrombozytopenie-Risiko von 1:500 bis 1:3.000. Das
Risiko, an einer HIT-Typ II zu sterben, liegt bei 1:1.300 bis 1:8.000.