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URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/1999/102/


Untergruppen bei Morbus Crohn : Eine empirische Untersuchung zur Einteilung Morbus Crohn-Kranker in Untergruppen anhand psychologischer Merkmale

Osborn, Walter


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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinisches Zentrum für Psychosomatische Medizin, Abt. Medizinische Psychologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 01.01.1970
Erstellungsjahr: 1999
Publikationsdatum: 15.12.1999
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit basiert auf der Beobachtung, daß MC.-Patienten unter psychologischen Gesichtspunkten eine heterogene Gruppe darstellen. Beim
gegenwärtigen Stand der Forschung ist jedoch kontrovers, welchen Untergruppen die MC.-Patienten sinnvollerweise zugeordnet werden können. In dieser
Arbeit wird auf der Basis einer Literatursichtung und auf psychoanalytischer Grundlage ein Untergruppenmodell vorgeschlagen und empirisch geprüft. Die Pbn.
werden mittels standardisierter Fragebogen und eines klinischen Interviews untersucht.


Die Erhebung umfaßt verschiedene psychologische und somatische Aspekte: Das psychische Befinden, vorherrschende Bewältigungs- und Abwehrstrategien,
die psychotherapeutische Ansprechbarkeit, das Erleben und Verhalten in sozialen Beziehungen, die somatische Vorerkrankung, den akuten Krankheitszustand
und den Krankheitsverlauf.


Die Untersuchung beginnt mit der Zuweisung der Patienten zu den aus der Literatur abgeleiteten Subgruppen. Die so gewonnenen Untergruppen werden
unterschieden durch das Ausmaß, in dem sie autoaggressive und verleugnende Abwehr- und Bewältigungsstrategien verwenden. Es werden 3 Untergruppen
postuliert: Autoaggressiv-depressive, verleugnende und flexible Patienten. Darüber hinaus wird eine sog. Restgruppe angenommen.


Anschließend werden die Subgruppen als unabhängige Variablen zu den psychologischen, sozialen und medizinischen Parametern in Beziehung gesetzt. Im
Ergebnis können die autoaggressiv-depressiven und die verleugnenden Patienten sowie die autoaggressiv-depressiven und die flexiblen Patienten klar
voneinander differenziert werden. Eine Unterscheidung zwischen den flexiblen und den verleugnenden Patienten ist nur eingeschränkt möglich. Mit Rücksicht auf
zufällige Unterschiede muß diese Abgrenzung unter den Vorbehalt einer weiteren Klärung gestellt werden. Unterschiede lassen sich feststellen hinsichtlich der
Depressivität, Ängstlichkeit und Lebenszufriedenheit, des Coping, des selbstbehauptenden Verhaltens und der Introspektionsfähigkeit sowie hinsichtlich der
psychotherapeutischen Ansprechbarkeit. Unterschiede im Verhalten und Erleben in bedeutsamen zwischenmenschlichen Beziehungen könnten ebenfalls
festgestellt werden. Die Untergruppen sind aber keine relevanten Prädiktoren des somatischen Krankheitsverlaufes. Erwartungsgemäß ergeben sich
unterschiedliche Befunde, je nachdem ob Selbstbeobachtungsdaten oder Fremdurteile dem Gruppenvergleich zugrundegelegt werden.


Es läßt sich zeigen, daß, wenn von einem strengen Stabilitätskriterium ausgegangen wird, etwa die Hälfte der Patienten im Verlauf von zwei Jahren
kontinuierlich einer Untergruppe zugeordnet wird. Bei den übrigen Patienten erweist sich die Gruppenzuordnung als mehr oder minder variabel. Die Ergebnisse
der Untersuchung sprechen insgesamt eine deutliche Sprache, indem sie zeigen, daß die MC.-Patienten eine heterogene Gruppe darstellen. Untersuchungen,
die die Patienten als Gesamtgruppe typisieren, sind demnach hinsichtlich ihrer Aussagekraft zweifelhaft.