Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Mikrobielle Besiedlung verschiedener Hand-Zahnbürsten während Multibracketbehandlung

Eichenauer, Johanna


Originalveröffentlichung: (2012) Giessen : VVB Laufersweiler
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (9.015 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-90973
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/9097/

Bookmark bei del.icio.us


Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Medizinischen Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Poliklinik für Kieferorthopädie
Fachgebiet: Zahnmedizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5957-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 20.11.2012
Erstellungsjahr: 2012
Publikationsdatum: 10.12.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Zielsetzung dieser Arbeit war es, zwei Handzahnbürsten, die sich in ihrem Borstendesign unterscheiden (konisch vs. zylindrisch), hinsichtlich der Retention kariesassoziierter Mikroorganismen auf dem Bürstenkopf bei Probanden mit und ohne Multibracketapparatur (MB) zu vergleichen. Als Nullhypothese wurde angenommen, dass kein mikrobiologischer Unterschied zwischen den beiden Zahnbürstentypen besteht.
Jeweils 50 Patienten mit MB und 50 Studenten ohne MB nahmen an der einfach-verblindeten klinischen Untersuchung teil. Nach schriftlichem Einverständnis fand die Randomisierung und Pseudonymisierung der Probanden statt, wobei eine Einteilung in vier Gruppen (MBe, MBm, nMBe, nMBm) die Unterscheidung der Teilnehmer bezüglich des Zahnbürstentyps und dem Vorliegen einer MB-Apparatur erlaubte. Es folgte eine 14-tägige Putzphase, in der die Teilnehmer die ihnen zugewiesene Zahnbürste (elmex® oder meridol®) mit einer einheitlich ausgehändigten Zahnpasta zweimal täglich, morgens und abends, für je drei Minuten zum regulären Zähneputzen verwendeten. Zur anschließenden Keimisolation wurden die Köpfe, der zuvor in verschlossenen Kunststoffbeuteln zurückerhaltenen Bürsten, in 10ml Sputasol-Lösung unter Ultraschalleinwirkung ausgewaschen. Nach dem Zentrifugieren von 1ml der Lösung wurden 800µl Überstand verworfen und die verbliebenen 200µl resuspendiert. Auf Selektivmedien wurden je 20µl der konzentrierten Keimsuspension zur Anzucht von Streptokokkus mutans, Laktobazillen und Candida ausplattiert. Im Anschluss an die dreitägige Inkubation wurden die koloniebildenden Einheiten (KBE) gezählt und auf die Keimmenge pro Bürstenkopf umgerechnet. Anhand eines Fragebogens äußerten sich die Probanden mittels visueller Analogskalen zu subjektiv empfundener Blutungsneigung, Reinigungsvermögen und Schmerzempfinden in Bezug auf die verwendete Zahnbürste.
Es stellte sich heraus, dass von 87 analysierten Bürstenköpfen 84% eine Kolonisation mit S. mutans aufwiesen; dabei bestand kein nennenswerter Unterschied zwischen den Zahnbürstenarten. Hingegen waren bei Teilnehmern mit MB-Apparatur, unabhängig vom Bürstentyp, signifikant höhere Keimzahlen zu verzeichnen. Die Besiedlung mit Laktobazillen konnte bei 5%, die Retention von Candida bei keiner der Zahnbürsten festgestellt werden. Probanden mit MB äußerten eine stärkere Blutungsneigung während des Zähneputzens als Probanden ohne MB, die jedoch nicht von einer bestimmten Bürste abhängig war. Schmerz- und Reinigungsempfinden konnten weder mit einer festsitzenden kieferorthopädischen Apparatur noch mit einem Borstendesign in Verbindung gebracht werden. Anhand rasterelektronenmikroskopischer Aufnahmen wurde die Morphologie zweier Bürstenköpfe sowohl im neuen als auch im gebrauchten Zustand dargestellt. Dabei bestätigte sich ein deutlicher Unterschied in der Borstenend-bearbeitung. Insbesondere die konischen Filamente wiesen nach Gebrauch vermehrt Abknickungen der Borstenspitzen auf.
Als Fazit lässt sich feststellen, dass Patienten während der Behandlung mit Multibracketapparaturen eine deutlich höhere mikrobielle Kontamination der Zahnbürstenköpfe mit S. mutans zeigen als Probanden ohne Apparatur. Die Form der Filamente scheint damit nicht in Zusammenhang zu stehen. Abhängig von der individuellen Situation kann daher ein häufigerer Austausch der Zahnbürste im Rahmen der kieferorthopädischen Therapie ratsam erscheinen.
Kurzfassung auf Englisch: The purpose of this trial was to compare two manual toothbrushes, cylindrical vs. ta-pered bristle design, used by subjects with and without multibracket appliances (MB) regarding the retention of caries-associated microorganisms on the brush head. The null hypothesis was that there were no microbiological differences between the two brushes.
50 subjects with MB and 50 without MB participated in this randomized single-blind clinical study. After written informed consent, subjects were randomly allocated to one of two toothbrush types. In the following test phase, subjects had to use their toothbrush (elmex® or meridol®) twice a day, in the morning and evening, for a period of 14 days. Afterwards, brushes were collected in sealed polythene bags and washed in 10ml Sputasol solution, facilitated by ultrasound, for subsequent germ isolation. Following centrifugation of 1ml solution, 800µl supernatant were discarded and the remaining 200µl were resuspended. For the detection of Streptococcus mutans, lactobacilli and Candida, 20µl were plated on each selective media. After three days of incubation the colony forming units (CFU) were counted. By means of a questionnaire with visual analogue scales, participants commented on their perception concerning bleeding ten-dency, subjective cleaning efficacy and pain upon using the toothbrush.
84% of the 87 analyzed brush heads showed colonization with S. mutans, but no difference between the two bristle designs was found. However, subjects with MB had significantly higher bacterial counts, independent of brush type, than subjects without MB. A growth of lactobacilli was observed in 5% of the brushes, but only in subjects with fixed appliances. No Candida could be found. Participants with fixed appliances expressed an increased bleeding tendency, which didn´t seem to be correlated to a certain toothbrush. Pain and cleaning efficacy could neither be related to orthodontic appliances nor to a bristle design. The morphology of two bristle heads in new and used condition was depicted by means of scanning electron microscopy. Thereby a distinct difference in bristle end rounding became apparent, whereas particularly conical filaments exhibited an increased deflection of bristle ends after use.
Concluding, it can be said that MB patients´ toothbrushes reveal an increased contamination with S. mutans compared to those of subjects without MB. The shape of the filaments of the brush, however, seems to be unrelated to microbial contamination. With regard to the individual situation, a more frequent replacement of toothbrushes during orthodontic therapy with fixed appliances might be advisable.
Lizenz: Veröffentlichungsvertrag für Publikationen ohne Print on Demand