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Untersuchungen zum Vorkommen und zur wirtschaftlichen Bedeutung der Fasciolose in Milchkuhherden Norddeutschlands

Rabeler , Michaela


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler 2012
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.321 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-86433
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8643/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Parasitologie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5863-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.11.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 05.03.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Die Ziele dieser Dissertation waren:
° aktuelle und repräsentative Daten über die Prävalenzsituation der Fasciolose in Milchviehbetrieben in Schleswig-Holstein mit Hilfe zweier im Zeitraum November 2005 bis April 2006 durchgeführter Querschnittsstudien und Auswertung von Daten aus lokalen Schlachthöfen von 2005 und 2006 zu erhalten,
° mögliche Risikofaktoren und wirtschaftliche Auswirkungen der Fasciolose zu bestimmen,
° die Effizienz des Sedimentationsverfahrens nach Boray und Pearson zum Nachweis von Fasciola hepatica-Eiern im Kot mit der eines kommerziellen ELISA-Testkits für Serum-, Tank- und Einzelmilchproben (Institut Pourquier) zum Nachweis von F. hepatica-spezifischen Antikörpern zu vergleichen.
Zur Ermittlung der Prävalenz wurden in der ersten bundeslandweiten Querschnittsstudie insgesamt 2136 Tankmilchproben des Landeskontrollverbandes Schleswig-Holstein e.V. - dies entspricht ca. 35 % der 5926 zu diesem Zeitpunkt gemeldeten schleswig-holsteinischen Milchviehbetriebe - mittels eines kommerziellen ELISA-Testkit (Institut Pourquier) milchserologisch auf F. hepatica-spezifische Antikörper untersucht. Die Untersuchung ergab eine Herdenprävalenz für Schleswig-Holstein von 50 % und liegt damit vergleichbar hoch wie vor 40 Jahren. Es konnten keine Leberegelschwerpunktgebiete für dieses Bundesland ermittelt werden.

Bei der Auswertung der Schlachthofdaten ergab sich ein Prozentsatz von 10-30 % verworfener Lebern aufgrund eines Leberegelbefalls, wobei diese Zahlen vorsichtig betrachtet werden müssen, da keine lückenlose Dokumentation seitens der Schlachthöfe vorlag.
In der zweiten Querschnittsstudie wurden von 131 randomisiert ausgewählten Milchviehbetrieben aus den Mitgliedsbetrieben der Vereinigung der Rinderspezialberatung des Landkreises Dithmarschen insgesamt 131 Tankmilchproben sowie 917 Einzelmilch- und korrespondierende Kotproben von je 7 zufällig selektierten Kühen pro Betrieb genommen. Die Milchproben wurden mittels desselben ELISA-Testkits untersucht. Es ergab sich eine Herdenprävalenz von 73 % und eine Einzeltierprävalenz von 45 %. Die koproskopischen Untersuchungen zeigten eine individuelle Prävalenz von 14,5 % und eine Herdenprävalenz von 47 %.

Von jedem der 131 Betriebe wurde zusätzlich ein Fragebogen zum Betriebs-, Haltungs-, Fütterungs- und Parasitenmanagement sowie zum Kenntnisstand des Landwirtes bezüglich des großen Leberegels und der Fasciolose erhoben und explorativ ausgewertet, um mögliche Risikofaktoren und Zusammenhänge zu analysieren. Ebenfalls wurden die Leistungsdaten der beprobten Kühe erfasst, um mögliche wirtschaftliche Auswirkungen darzulegen. Die durchschnittliche Herdengröße betrug 80 Milchkühe mit einer durchschnittlichen 305-Tage-Milchleistung von 7679 Litern in 2,5 Laktationen. 55 % der Betriebe kauften Tiere dazu. 79 % der Milchkühe wurde in Weidehaltung zum Teil im Wechsel mit Jungtieren oder Schafen gehalten. Statistisch konnte kein Zusammenhang zwischen Weidehaltung allein oder im Wechsel mit anderen Tieren und einem erhöhten Fasciolose-Risiko gesichert werden (p > 0,05). 26 % der weidenden Kühe hatten freien Zugang zu Bach- oder Grabentränken, bei 62 % der Betriebe waren die Tränkestellen nicht befestigt und bei 23 % vorhandene natürliche Wasserlöcher nicht abgezäunt. Diese vermuteten Risikofaktoren konnten statistisch nicht bewiesen werden (p > 0,05). 95 % der befragten Landwirte gaben richtige Antworten zum Leberegel und zur Fasciolose. Nur die Hälfte der besuchten Betriebe führte überhaupt eine chemotherapeutische Leberegelbehandlung durch. Als Hauptgrund wurde mit 37 % “keine Notwendigkeit” angegeben. Es ergab sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen Entwurmungen und einem Fasciola-Nachweis (p > 0,05). Bei der Auswertung der Leistungsdaten ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen einem Leberegelbefall und der Jahresmilchleistung der betroffenen Kuh (p < 0,05). Ei-positive Tiere gaben im Schnitt 417 Liter Milch/Jahr weniger, ELISA-positive Tiere 279 Liter Milch/Jahr weniger als Fasciola-freie Tiere. Bei einem Milchpreis von zur Zeit 30 Cent und einer Durchschnittsleistung von 7500 Litern Milch/Jahr errechnet sich daraus ein Milchgeldverlust von 84-125 Euro pro Tier. Bei einer Herdengröße von durchschnittlich 80 Kühen entspricht dies einem Verlust von 6.696-10.008 Euro pro Betrieb.

Der direkte Vergleich von 917 Kotproben, die einmalig mittels Sedimentationsverfahren untersucht wurden, und 917 korrespondierenden Milchproben, die mittels ELISA untersucht wurden, ergab eine Einzeltierprävalenz von 14,5 % (Kot) bzw. 45 % (Milch). Die ermittelten Herdenprävalenzen liegen bei 47 % (Kot) und 73 % (Milch). Dies zeigt, dass sich die Kotprobenuntersuchung mittels einmalig durchgeführten Sedimentationsverfahrens nicht für Einzeltieruntersuchungen oder ein Herden-Screening eignet. Die Spezifität des ELISAs lag in dieser Studie für Tankmilchproben im Vergleich zu Individualmilchproben bei 82,4 %, die Sensitivität bei 91,8 % bei einem Kappa-Wert von 0,727.
Kurzfassung auf Englisch: Objectives of the present study were:
° current and representative data for the prevalence of fasciolosis in dairy cow farms in Schleswig-Holstein, northern Germany: two cross-sectional studies were performed between November 2005 and April 2006 in addition data from local abattoirs on confiscation of livers due to F. hepatica in the years 2005 and 2006 were evaluated,
° to analyse possible risk factors and economical losses of fasciolosis,
° to compare the diagnostic efficacy of coproscopical investigation, performed by the sedimentation technique of Boray and Pearson with antibody determination using a commercial ELISA-kit for serum, milk and bulk-tank milk (Institut Pourquier).
For the first cross-sectional survey 2136 bulk-tank milk samples were collected from 35 % of the 5926 dairy herds registered in the federal state of Schleswig-Holstein. Samples were analysed with the commercial ELISA kit. The herd-level seroprevalence in Schleswig-Holstein was 50 % and was as high as in the 1970s. There was no accumalation of F. hepatica infections in particular areas of the state of Schlesig-Holstein.
In the years 2005-2006 10-30 % of all cattle livers were confiscated due to fluke-infection however these data must be interpretated with qualifications because they were not documentatd properly by the abattoirs.
The second cross-sectional survey was performed on 131 dairy farms randomly selected from the members of the cattle association of the Dithmarschen district, Schleswig-Holstein. On these farms 131 bulk-tank milk samples and 917 individual milk and correspondending feacal samples from 7 cows randomly selected on each of the farms were collected. Employing the commercial ELISA kit the herd-level and individual seroprevalences were 73 % and 45 % respectively. Koproscopy revealed herd-level and individual prevalences of F. hepatica egg excretion of 47 % and 14,5 % respectively.
The selected 131 farmers were interviewed on farm-management, husbandry-management, pasturing- and feeding-management, parasite-management and their knowledge on flukes and fasciolosis by a questionnaire. These were exploratively analysed to evaluate significant risk factors and associations. The production parameters of the sampled cows were also analysed to find infection dependend economical losses. The average dairy herd consisted of 80 cows which produced 7679 liters of milk per laktation. 55 % of the farms bought animals in addition from other farms. 79 % of the cows were pastured and partly rotated with young cattle or sheep. There was no significant association (p > 0,05) between pasturing alone or in rotation with other animals and a higher risk of liver fluke infection. 26 % of the grazing cows had access to naturally flowing waters (e.g. brooks); there was no bottom attachment of watering places in 62 % of the farms. 23 % of the farms did not fence natural water sources. There was no significant evidence (p > 0,05) for this as a potential risk factor. 95 % of the farmers answered correctly concerning the fluke and fasciolosis but only half of them performed chemotherapeutic fluke treatment. The most given reason for that (37 %) was that the farmers did not see any necessity for treatment. There was no significant relationship (p > 0,05) between chemotherapeutic treatment and the detection of F. hepatica eggs. When evaluating the production parameters there was a significant (p < 0,05) association between an infection with flukes and the annual average milk yield. Egg-positive animals had a decrease of 417 liters annual average milk yield and ELISA-positive animals a decrease of 279 liters when compared with F. hepatica-negative animals. Assuming a price of 30 cents/liter milk and an average milk yield of 7500 liter/lactation this suggests an economic loss of 84-125 Euro per animal and of 6.696-10.008 Euro per herd of 80 dairy cows per year.
Comparing the rates of prevalence detected by faecal examination and antibody determination in milk a single coproscopical examination using the sedimentation method is not as qualified for estimating the individual- or herd-prevalence of F. hepatica. In this study the specifity of the ELISA for bulk-milk compared to individual-milk was 82,4 %, the sensitivity was 91, 8 % (kappa= 0,727).
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