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Mikrobiologische und parasitologische Untersuchungen an handaufgezogenen Waldrappen (Geronticus eremita) im Rahmen eines EU- Erhaltungszuchtprogramms (EEP)

Weinel, Juliane


Originalveröffentlichung: (2011) Giessen : VVB Laufersweiler 2012
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (3.711 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-86265
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8626/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-5866-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 12.12.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 27.02.2012
Kurzfassung auf Deutsch: Im Rahmen eines EU-Nachzuchtprogramms, eines bereits seit 2004 vom österreichischen Artenschutzprojekt „Waldrappteam“ durchgeführten Pilotversuchs mit dem Ziel der Wiederansiedlung des Waldrapps (Geronticus eremita) in seinem früheren europäischen Verbreitungsgebiet wurden in dieser Arbeit die Jungtiere der Aufzuchtgruppen der Jahre 2007 (n=20) und 2008 (n=14) untersucht. Diese Arbeiten sollten einerseits eine kontinuierliche veterinärmedizinische Betreuung dieser wertvollen Tiere von der Aufzucht bis zur Freilassung im Wintergebiet in der Toskana (Italien) gewährleisten. Andererseits sollten auch Informationen über die autochthone Keimflora des Waldrapps, seine relevanten Erkrankungen und die eventuelle Rolle des Waldrapps als Vektor für relevante Krankheitserreger anderer Wildtiere gesammelt werden. Hierfür wurden über den gesamten Zeitraum vom Beginn der Aufzucht bis zur Auswilderung, jeweils 5 Monate in den Jahren 2007 und 2008, der jungen Waldrappe kontinuierlich 282 Einzelkotproben der Vögel untersucht (davon 275 parasitologisch und 262 mikrobiologisch) und ausgewertet. Zusätzlich wurden jeweils 38 Kloakentupfer der Vögel aus der Aufzucht im Jahre 2007 bakteriologisch und mykologisch, sowie auf das Vorhandensein von Viren und Chlamydien untersucht und 38 Blutproben für serologische Untersuchungen und eine Geschlechtsbestimmung heran-gezogen. Bei den 11 Vögeln der Aufzuchtgruppe 2008 erfolgte die Geschlechtsbestimmung nur mittels Federproben.
Die jungen Waldrappe wurden von mir während des gesamten Untersuchungszeitraums als klinisch gesund beurteilt.
Parasitäre Dauerformen wurden nur in wenigen (n=13) der 275 parasitologisch untersuchten Einzelkotproben nachgewiesen und in keinem Fall als für den Waldrapp pathogen eingestuft. Es handelt sich hierbei um Nachweise zweier Formen von Kokzidienoozysten, von Dauerformen eines Askariden, eines Trematoden und eines Zestoden. An Hand der nachgewiesenen Dauerstadien der Parasiten gelang keine Speziesdiagnose. Die unsporulierten Kokzidienoozysten scheinen mit keiner der bei PELLERDY (1973) genannten Arten übereinzustimmen. In 11,6 % (n=32) der parasitologisch untersuchten Einzelkotproben wurden zudem Gregarinen der Gattung Monocystis spp. nachgewiesen, die allerdings in Bezug auf den Waldrapp als apathogene Pseudoparasiten zu beurteilen sind.
In geringer Zahl wurden Hefe- und Schimmelpilze isoliert, die aber analog zu anderen Vogelarten lediglich als fakultativ pathogen beurteilt wurden. Weiterhin wurde eine Vielzahl grampositiver und gramnegativer Bakterien kulturell, biochemisch bzw. molekularbiologisch (PCR) nachgewiesen. Die Isolate grampositiver Bakterien, darunter Enterokokken, Streptokokken und Staphylokokken, wurden als lediglich fakultativ pathogen oder für Waldrappe als unbedenklich bewertet. Im Verlauf der Untersuchungen wurden zahlreiche gramnegative Bakterien nachgewiesen. Proteus spp. wurde in 267 der insgesamt 300 (89,0 %) bakteriologisch untersuchten Einzelkot- und Tupferproben nachgewiesen und der autochthonen Keimflora des Waldrapps zugerechnet wird. Bei den übrigen isolierten Enterobacteriaceae kann in Anlehnung an die Erkenntnisse von anderen Vogelarten eine pathogene Bedeutung nicht völlig ausgeschlossen werden. Unter den nachgewiesenen subtypisierten Bakterien war auch Salmonella Typhimurium (1,4,5,12:i:1,2) in 38 von 262 mittels PCR untersuchten Einzelkotproben (14,5 %), Escherichia coli in 114 von insgesamt 300 untersuchten Proben (38,0 %) und Klebsiella pneumoniae in 14 von insgesamt 300 (4,7 %). Diese Bakterienarten wurden sowohl wegen ihrer bei anderen Vogelarten nachgewiesenen pathogenen Eigenschaften, als auch wegen ihres Zoonosepotentials als bedenklich bewertet. Eine Zunahme der Nachweishäufigkeit von Salmonella Typhimurium (1,4,5,12:i:1,2) von 5,6 % (n=9) im Untersuchungszeitraum 2007 gegenüber 28,4 % (n=29) im Jahre 2008 weist zudem auf hygienische Mängel in der Haltung der Waldrappe innerhalb des Projekts hin.
Der Nachweis zytopathogener Viren aus 38 Kloakentupfern gelang nicht. Auch die Untersuchungen von 38 Blutplasmaproben mittels von 38 Blutplasmaproben mittels Hämagglutinationshemmungstests auf das Vorhandensein von Antikörpern gegen Paramyxovirus Typ 1, Influenza A-Viren der Hämagglutininsubtypen H5 und H7 und Salmonella Typhimurium mittels Serumschnellagglutination verlief in allen Fällen negativ.
Um dem Wiederansiedlungsprojekt mehr und nachhaltige Erfolgsaussichten zu geben, werden Vorschläge zum kontinuierlichen veterinärmedizinischen Monitoring, zur weiteren Optimierung der Hygiene während der Aufzucht und beim Flugtraining und zur Reduzierung von Inzuchtdepression bei Auswahl der Zuchtiere der Waldrappe unterbreitet.
Kurzfassung auf Englisch: Summary

Microbiological and parasitological examination of handraised Northern Bald Ibises (Geronticus eremita) in the context of an European re-introduction project
In the context of a pilot study performed by an Austrian species protection program called “Waldrappteam”, already started in 2004 and aiming the reintroduction of the Northern Bald Ibis in its former European distribution area various tests were done on young handraised Northern Bald Ibises (Geronticus eremita) in the 2007 (n=20) and 2008 (n=14) age groups. To this purpose 282 faecal specimens (262 were examined under microbiological, 275 were examined under parasitological point of view), 114 cloacal swabs, whereof 38 were examined under the microbiological, 38 under the virological point of view and 38 for the presence of chlamydia. 38 blood samples were used for serology and sexing. In 2008 feathers replaced blood samples for sexing.
During the whole period of examination the maturing Northern Bald Ibises were judged as clinically healthy.
Developing states of parasites were detected in 13 of 275 examined faecal specimens but in none of the cases they were classified as pathogenic for the Northern Bald Ibis. Eggs of one ascaride, one trematode, one cestode and oocysts of two different forms of coccidia were found. In none of the cases species diagnosis was possible. The size and morphology of the detected unsporulated coccidial oocysts do not correspond to any of the coccidial species described by PELLERDY (1973). The Gregarine Monocystis spp. was found in 11,6 % (n=32) of all samples and is regarded as a apathogenic pseudoparasite for the Northern Bald Ibis.
Few single of yeasts and moulds were isolated and in analogy to other birdspecies qualified as only facultatively pathogenic. Furthermore, a large number of grampositive and gramegative bacteria were isolated. These isolates include grampositive bacteria, among them Enterococcus spp., Streptococcus spp. and Staphylococcus spp., which where considered as merely facultative pathogens or harmless for the Northern Bald Ibis. Also various gramnegative bacterial isolates were cultured. Proteus spp. was isolated from 267 of 300 (89,0 %) specimens and assigned to the autochthonus microbial flora of the Northern Bald Ibis. Based on published knowledge of other bird species, the pathogenic potential of other isolated enterobacteriaceae can not be excluded for the Bald Ibis. Such isolates consist of Salmonella Typhimurium (1,4,5,12:i:1,2) in 38 of 262 (14,5 %) samples as examined by PCR, cultured E. coli in 114 of totally 300 (38,0 %) examined samples and Klebsiella pneumoniae in 14 of 300 (4,7 %) examined samples. These bacteria were due to their pathogenic properties and their zoonotic potential judged as not harmless. An increase of frequency of detection of Salmonella Typhimurium (1,4,5,12:i:1,2) isolates of 5,6 % (n=9) in 2007 compared to 28,4 % (n=29) in 2008 points to a major lack of hygiene in the maintenance conditions of the growing Northern Bald Ibises.
The isolation of cytopathogenic viruses in cell cultures failed. Also, the detection of antibodies in blood samples against paramyxovirus type 1, influenza A virus of the haemagglutinin subtypes H5 and H7 and Salmonella Typhimurium were negative in all cases.
To augment the chance of success of the reintroduction project in the long term some proposals are made concerning continuous veterinary monitoring, amelioration of hygienic conditions during the periods of raising and flight-training and the selection of breeding birds to decrease inbreeding depression of the Northern Bald Ibises.
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