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Wie wirken gemeldete SPS-Maßnahmen? : ein Gravitationsmodell des Rindfleischhandels der EU

Kramb, Marc ; Herrmann, Roland


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-85441
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2012/8544/


Universität Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen
Fachgebiet: Zentrum f√ľr internationale Entwicklungs- und Umweltforschung
DDC-Sachgruppe: Handel, Kommunikation, Verkehr
Dokumentart: ResearchPaper
Zeitschrift, Serie: Discussion papers / Zentrum f√ľr Internationale Entwicklungs- und Umweltforschung ; 43
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2009
Publikationsdatum: 06.01.2012
Kurzfassung auf Englisch: Mit dem Abkommen √ľber die Regelung zur Anwendung sanit√§rer und phytosanit√§rer Handelsma√ünahmen wurde der zunehmenden Bedeutung dieser besonderen Gruppe der Ma√ünahmen im internationalen Handelsverkehr Rechnung getragen. Mit der abnehmenden Bedeutung der tarif√§ren Handelsbeschr√§nkungen hat die Bedeutung der sanit√§ren und phytosanit√§ren Handelshemmnisse zugenommen. Die Quantifizierung der Wirkungen von sanit√§ren und phytosanit√§ren Ma√ünahmen ist wichtig bei der Beurteilung, ob die Ma√ünahmen den WTO-Regeln entsprechen. Eine vielversprechende Methode bei dieser Fragestellung sind Gravitationsmodelle. Durch das seit dem 01.01.1995 in Kraft getretene SPS-Abkommen der WTO und die Verpflichtung zur Ver√∂ffentlichung von SPS-Meldungen ist die Transparenz √ľber sanit√§re und phytosanit√§re Handelsbeschr√§nkungen deutlich gestiegen. Im Zusammenhang mit BSE und MKS ist es zu zahlreichen sanit√§ren und phytosanit√§ren Handelsma√ünahmen durch die einzelnen WTO-Mitglieder gegen√ľber der EU gekommen. Die zugeh√∂rigen SPS-Meldungen bildeten die Datenbasis f√ľr die hier vorgestellte Analyse mittels eines Gravitationsmodells.
Die vorgestellten Sch√§tzergebnisse der verschiedenen Sch√§tzans√§tze sind mit denen des klassischen Gravitationsansatzes nicht direkt vergleichbar. Zum einen wird nur ein einzelnes Exportland ‚Äď die EU ‚Äď in seinen Au√üenhandelsstr√∂men mit vielen Importl√§ndern betrachtet und dies √ľber einen vergleichsweise sehr langen Zeitraum. Zum anderen ist der im vorliegenden Gravitationsmodell verwendete Datensatz nicht der klassische aggregierte Au√üenhandelsstrom, sondern der bilaterale Handelsstrom bei Rindfleischprodukten.
Die hier durchgef√ľhrte quantitative Analyse des bilateralen Handels betrifft in erster Linie diejenigen Produkte, bei denen man nach den WTO-Dokumenten davon ausgehen muss, dass sie durch BSE-Handelseffekte betroffen wurden. Die Sch√§tzungen der bilateralen Au√üenhandelsstr√∂me durch ein Modell mit fixen Effekten unter Ber√ľcksichtigung von l√§nderpaarspezifischen Trends erscheinen √§u√üerst zuverl√§ssig: Die korrigierten Bestimmtheitsma√üe sind vergleichsweise hoch und liegen in den Einzelgleichungen zwischen 0,64 und 0,83. Um der Autokorrelation in der f√ľr ein Panel vergleichsweise langen Zeitreihe Rechnung zu tragen, wurde diese in den individuellen Sch√§tzungen herausgerechnet. Die Sch√§tzungen zeigen bei den direkt mit Rindern, Rindfleisch und seinen Verarbeitungsprodukten in Verbindung zu bringenden Produktgruppen signifikante Effekte im Handelswert. So sinkt der Handelswert der EU-Exporte in die ausgew√§hlten Importl√§nder bei lebenden Rindern um 49 %.
Bei den international wichtigeren Handelsg√ľtern Rindfleisch, frisch, gek√ľhlt und gefroren sinkt der Handelswert sogar zwischen 74 und 86 %. Es zeigt sich demnach, dass den Ank√ľndigungen aus den SPS-Meldungen, die √ľber die WTO ver√∂ffentlicht wurden, erhebliche Handelseffekte folgten. Dass jedoch der Handelseffekt deutlich geringer ausf√§llt, als bei einer vollst√§ndigen Umsetzung aller in den SPS-Meldungen genannten Ma√ünahmen zu erwarten gewesen w√§re, l√§sst den Schluss zu, dass das Instrument der SPS-Meldungen entweder aufgrund der kurzen Biografie noch nicht richtig genutzt wird oder ‚Äěvorsorglich‚Äú bei einer potenziellen Gef√§hrdung auch f√ľr zu breite Produktgruppen handelspolitische Beschr√§nkungen beschlossen werden. Diese werden dann m√∂glicherweise sp√§ter nicht oder nur teilweise genutzt.
Aufgrund der hier dargestellten zahlreichen guten Ergebnisse sind SPS-Meldungen f√ľr die Zukunft als eine vielversprechende Quelle zur Ermittlung der tats√§chlichen Handelseffekte von SPS-Ma√ünahmen anzusehen. Dabei ist jedoch der Analyseaufwand sehr gro√ü, da die Meldeformulare wenig standardisiert sind und die Meldet√§tigkeit uneinheitlich erfolgt und oft unpr√§zise ist im Hinblick auf betroffene Produkte und die Dauer von SPS-Ma√ünahmen.
Obwohl statistisch signifikante Effekte von BSE-bezogenen SPS-Meldungen auf den Rindfleischhandel ermittelt werden konnten, d√ľrfen SPS-Meldungen und SPSMa√ünahmen nicht gleichgesetzt werden. Die dargestellten √∂konometrischen Ergebnisse und die Eigenheiten des WTO-Meldesystems legen nahe, dass nur unzureichende R√ľckschl√ľsse von SPS-Meldungen auf Art und Dauer von SPS-Ma√ünahmen m√∂glich sind. Das tats√§chliche Wissen √ľber SPS-Ma√ünahmen in der Agrarhandelspolitik kann nur verbessert werden, indem das Meldeverfahren st√§rker standardisiert und die betroffenen Produktgruppen √ľber international anerkannte Klassifikationen pr√§zise benannt werden.
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