Giessener Elektronische Bibliothek

GEB - Giessener Elektronische Bibliothek

Der Einfluss des Staates auf wirtschaftliche Aufwertungsprozesse, untersucht am Beispiel der Elektronikindustrie im Perlflussdelta (China)

The Influence of the state for industrial upgrading ‚Äď the electronics industry in the Pearl River Delta (China)

Ohm, Stefan


Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (1.861 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-83565
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2011/8356/


Freie Schlagwörter (Deutsch): China , Staatseinfluss , Elektronikindustrie , PRD
Freie Schlagwörter (Englisch): China , electronics industry, PRD
Universität Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen
Institut: Institut f√ľr Geographie
Fachgebiet: Geographie
DDC-Sachgruppe: Geografie, Reisen
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der m√ľndlichen Pr√ľfung: 20.07.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 13.10.2011
Kurzfassung auf Deutsch: Der wichtigste politische Akteur in China ist weiterhin die Kommunistische Partei China (KPCh.), die √ľber eine zentralistische Organisationsstruktur mit mehr als 78 Millionen Mitgliedern verf√ľgt. Die KPCh. hat die politische Macht √ľber das Land nicht verloren, sondern diese gefestigt und teilweise sogar ausgeweitet. Sie ist im Zuge des Transformationsprozesses kein passiver Akteur gewesen und sch√ľtzte sich w√§hrend des √∂konomischen und sozialen Wandels nachhaltig vor politischen Ver√§nderungen, indem sie erfolgreich Verbindungen zu wichtigen Akteuren in Wirtschaft und Gesellschaft aufbaute.
Das Ziel des Forschungsprojektes, das dieser Arbeit zu Grunde liegt, ist es, eine detaillierte Analyse der Unternehmensorganisation sowie der vorhandenen Institutionen im PRD zu erstellen. Ohne diese lassen sich der Wirtschaftserfolg und zuk√ľnftige Entwicklungen der Region nicht vollst√§ndig nachvollziehen. Das PRD soll, laut der ‚ÄúNational Development and Reform Comission‚ÄĚ (NDRC), bis 2020 in eine innovative High-Tech Region transformiert werden, in der die Unternehmen eigenst√§ndig neue und innovative Produkte entwickeln sowie neue Marken pr√§gen, die nationale und globale Marktanteile erobern. Es stellt sich dabei die Frage, ob die Unternehmensstruktur und -organisation im PRD geeignet ist, diesem Entwicklungsgebot zu folgen und inwieweit die chinesische Politik in das Marktgeschehen eingreift, um die entsprechenden Entwicklungsdeterminanten auszul√∂sen. Die vorliegende Arbeit untersucht dabei im Speziellen die Strukturmerkmale und Aufwertungsstrategien im PRD sowie den staatlichen Einfluss auf diese.
Als Grundlage dieser Arbeit dienen Unternehmensdaten, die durch eine Prim√§rerhebung in Shenzhen, Dongguan, Huizhou und Heyuan im Herbst 2009 gewonnen wurden. Zus√§tzlich werden diese Daten durch in Experteninterviews erworbene Erkenntnisse erg√§nzt, die in Guangzhou, Shenzhen, Donguan und Shunde im Herbst 2009 bzw. Fr√ľhjahr 2010 gef√ľhrt wurden. Die Auswahl der Untersuchungsregionen erm√∂glicht es Unternehmen des wirtschaftlichen Zentrums im PRD genauer zu betrachten.
Die Gesch√§ftsstrategien im PRD gestalten sich homogen. In der Analyse l√§sst sich eine starke Spezialisierung auf wenige Produktkategorien identifizieren. Auslandsfinanzierte Unternehmen verfolgen im PRD haupts√§chlich eine exportorientierte Marktausrichtung, w√§hrend chinesische Privatunternehmen sich st√§rker auf den heimischen Markt konzentrieren. Der Schwerpunkt in der funktionalen Ausrichtung beim Export liegt auf der Kontraktfertigung, w√§hrend eigene Marken und Produkte auf dem chinesischen Markt eine gr√∂√üere Bedeutung einnehmen. Die technologische Ausstattung ist in Joint Ventures am h√∂chsten, die zus√§tzlich √ľber den gr√∂√üten Anteil an Entwicklungsabteilungen und Patenten verf√ľgen.
Die wichtigste Ursache industrieller Aufwertungsaktivit√§ten im PRD ist der steigende Wettbewerbsdruck, der am st√§rksten auf Joint Ventures lastet. Exportorientierte Unternehmen haben insbesondere die Reduzierung ausl√§ndischer Auftr√§ge in der Folge der W√§hrungs- und Finanzkrise als Anlass genommen, ihre Aufwertungsaktivit√§ten auszuweiten. Die Ergebnisse zeigen, dass am oberen Ende der Wertsch√∂pfungskette mehr Aufwertungsaktivit√§ten durchgef√ľhrt werden, w√§hrend die Bereitschaft und die F√§higkeit zur Aufwertung am unteren Ende der Wertsch√∂pfungskette geringer ausfallen.
Die empirische Untersuchung ergibt, dass Beziehungen zum chinesischen Staat f√ľr die Unternehmen eine gro√üe Bedeutung einnehmen und dabei helfen Zugriff auf finanzielle Ressourcen zu erlangen oder an staatlichen F√∂rderprogrammen zu partizipieren. Es zeigt sich, dass chinesische Unternehmen bei diesen Beziehungen √ľber eindeutige kulturelle Vorteile verf√ľgen. Zus√§tzlich sind formale Beziehungen zur KPCh. von Vorteil, da Unternehmen durch diese geringere H√ľrden beim Zugriff auf unterschiedliche Finanzierungsquellen zu nehmen haben.
Der Aufwertungsdruck, der durch den Staat ausge√ľbt wird, ist im PRD sehr hoch. Mehr als ein Drittel der Unternehmen sp√ľrt einen direkten Druck seitens der Politik, Aufwertungsaktivit√§ten zu forcieren. Informelle Verbindungen zum chinesischen Staat l√∂sen diese Effekte allerdings nicht aus. Bei Unternehmen, die einen regelm√§√üigen Kontakt zu Repr√§sentanten des Staates pflegen, ist eine Erh√∂hung der Ausgaben f√ľr Forschung und Entwicklung zu beobachten. Ein Einfluss auf die Aufwertungsaktivit√§ten dieser Unternehmen l√§sst sich nicht feststellen.
Kurzfassung auf Englisch: The most important political player in China is the Chinese Communist Party (CCP), which has a centralized organizational structure with more than 78 million members. The CCP didn’t lose the political power over the country, but instead the CCP consolidated and in some cases expanded its influence. The CCP was not passive in the course of the transformation process; however she protected its power during the economic and social changes successfully by building up links to key players in business and society.
The aim of the research project, which this work is based on, is to create a detailed analysis of the business organization and the existing institutions in the PRD. Without it, the success and future economic developments in the region is not fully understandable. According to the "National Development and Reform Commission" (NDRC) the PRD will be transformed by 2020 into an innovative high-tech region which is capable in developing new and innovative products as well as national and international brands. This raises the question whether the corporate structure and organization in the PRD is suitable to follow this imperative and to what extent the Chinese development policy intervenes in market activities to trigger the development of appropriate determinants. The present work examines the structural features and enhancement strategies in the PRD and the political influence on these.
This work uses company data, which were surveyed in Shenzhen, Dongguan, Huizhou and Heyuan in the fall of 2009. In addition, these data is supplemented by interviews with experts from Guangzhou, Shenzhen, Dongguan and Shunde in autumn 2009 and spring 2010. The selection of these study areas enables a closer look of companies in the economic core in the PRD.
The business strategies in the PRD are relatively homogeneous. The analysis identifies a strong specialization on few product categories. Foreign-funded enterprises in the PRD follow mainly an export oriented market orientation, while Chinese private companies focus more on the domestic market. The emphasis in the functional orientation of the export is on the production, while own brand development is more important in the Chinese market. The technological equipment is highest in Joint Ventures, which hold also has the largest share of patents and development departments.
The main cause of industrial upgrading activities in the PRD is due to the rising competitive pressure, which lies heavily on Joint Ventures. Export-oriented companies in particular take the reduction of foreign orders in the wake of the currency and financial crisis as an opportunity to extend their upgrading activities. The results show that at the upper end of the value chain more upgrading activities are carried out while the willingness and ability at the lower end of the value chain is fewer.
The empirical investigation shows that relations with the Chinese government for the company continues to be very important and helps to gain access to financial resources or to participate in government subsidies. It turns out that Chinese companies have a unique cultural advantage.
The upgrading pressure by the government is very high in the PRD. More than a third of all companies feel direct pressure from politicians to force or enhancement upgrading activities. Informal ties to the Chinese government don’t show these strong effects. For companies who maintain regular contact with representatives, an increase of research and development spending could be observed. However, a direct influence on the overall enhancement activities cannot be determined.
Lizenz: Veröffentlichungsvertrag für Publikationen ohne Print on Demand