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Kunstpädagogik als Menschenbildung

Lieber, Gabriele


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-18087
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1808/


Freie Schlagwörter (Deutsch): Kunstp√§dagogik , Menschenbild , Bildung , Neue Medien , Sinnesorientierung
Universität Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen
Institut: Institut f√ľr Kunstp√§dagogik
Fachgebiet: Kunstpädagogik
DDC-Sachgruppe: K√ľnste, Bildende Kunst allgemein
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der m√ľndlichen Pr√ľfung: 21.07.2004
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 22.10.2004
Kurzfassung auf Deutsch: Kunstp√§dagogik als Menschenbildung basiert auf der These, dass Kunstp√§dagogik menschenbildend wirksam ist, wenn sie den ganzen Menschen in einem √§sthetischen Prozess thematisiert. Die Wurzeln der Menschenbildung reichen in die humanistische P√§dagogik. Menschenbilder und -bildung sind zeit- und kulturabh√§ngig. Dennoch lassen sich universelle Tendenzen ableiten: die Bedeutung der Wahrnehmung als Br√ľcke zur Welt, der dynamische Prozess des permanenten Austausches innerer und √§u√üerer Bilder. Die Auseinandersetzung mit historischen Bildungsans√§tzen deckt zeitlos g√ľltige Bildungsprinzipien auf. Bildung wird ist ein lebenslanger zyklisch ablaufender, dynamischer, offener Prozess. Der Mensch ist ein autonomes, historisches selbstbestimmtes, selbstverantwortliches soziales Wesen. Er erarbeitet sich Bildung selbstt√§tig. Der √§sthetische Prozess, basierend auf Erleben und konkreter Erfahrung, ist ein Akt st√§ndiger Selbstvergewisserung und Selbsthervorbringung. √Ąsthetisches Denken ist eine eigenst√§ndige Dimension menschlichen Denkens. Ziel jeder Bildung ist die kritische Sicht der Welt. Dies kann nur auf dem Weg der √§sthetischen Produktivit√§t erreicht werden. Bildungsprozesse sind dynamisch, offen. Kunstp√§dagogisches Denken/ Handeln reagiert auf aktuelle kulturgesellschaftliche Anforderungen. Wegbereitende Kulturphilosophien thematisieren Leitbilder der Informations-, Kommunikations- und Mediengesellschaft: Integration des Weiblichen, Verh√§ltnis von Kunst und Technik, Verhalten von Individuen und Gesellschaft. Kultur und P√§dagogik sind untrennbar. Evolution braucht Vielfalt und Gem√§chlichkeit. Emotionale Bildung geh√∂rt zur Menschwerdung. Dies steht im Widerspruch zur postmodernen Gesellschaft sowie neueren Erkenntnissen der Psychologie und Gehirnforschung. Die postmoderne Kultur ist von Schnelllebigkeit, Pluralismus und Globalisierung gepr√§gt: Tradierte menschliche Verhaltensmuster, √úberlebensstrategien, Werkzeuge greifen nicht mehr. Bildung muss kompensieren, kulturelle Werte anbieten, neue Kulturtechniken vermitteln. Die Wurzeln der Kunstp√§dagogik fu√üen im klassischen Bildungsbegriff. Moderne kunstp√§dagogische Ans√§tze setzen hier an und reagieren auf zeitgen√∂ssische kulturgesellschaftliche Anforderungen: die Spannbreite reicht von kommunikations- und wahrnehmungstheoretisch orientierten, √ľber kunst- und kreativit√§ts-therapeutischen, an zeitgen√∂ssischer Kunst bis zu sinnesorientierten Ans√§tzen. Kunstp√§dagogik bewegt sich zwischen Kunst/ Kultur und P√§dagogik/ Gesellschaft. Menschenbilder zeitgen√∂ssischer Kunstp√§dagogik verstehen den Menschen als kommunikatives, soziales Wesen. Die Fokussierung des √§sthetischen Bereichs erfordert eine ganzheitliche Ausbildung des Menschen auf kritisch-reflexiv-antizipatorisch handelnde sowie √§sthetisch praktische Weise. Neue Medien ver√§ndern Wahrnehmung. Menschen brauchen vielf√§ltige nonverbale Ausdrucksm√∂glichkeiten, um Leben und Selbst st√§ndig neu finden, definieren zu k√∂nnen. Ganzheitlichkeit bedarf interaktiver, interdisziplin√§rer Zugangsweisen zur Welt. Die Besch√§ftigung mit zeitgen√∂ssischer Kunst gibt Impulse durch irritations√§sthetische Ans√§tze. Neue Perspektiven auf die Alltagskultur werden er√∂ffnet, Neugestaltung initiiert. Kunstp√§dagogik leistet emanzipatorische Arbeit, dient dem lebenslangen Prozess zur Menschwerdung. Kunstp√§dagogik als Menschenbildung basiert auf der Einheit von Wahrnehmen, Erkennen, Denken und Machen. Ziel ist Identit√§tsbildung, Erkenntnis, kommunikative Kompetenz. Neuere Forschungen zur verbalen und visuellen Informationsverarbeitung zeigen, dass Denken visuell und verbal verl√§uft. K√ľnstlerisch-√§sthetische Praxis, als Mittelpunkt kunstp√§dagogischer Arbeit, ist rezeptiver/ produktiver Gestalt. Innere und √§u√üere Bilder sind Thema. Bildsprachenkompetenz, √§sthetisches Spiel sind f√ľr Menschen lebensnotwendig. Imagination ist wichtiger als Wissen: Sie ist identit√§tsbildend, Reaktion auf die direkt oder medial erfahrbare Welt, innovative Kommunikationswege. Imagination er√∂ffnet Selbsterziehungsprozesse, beinhaltet den zyklischen Prozess des Erlebens/ Gestaltens/ Begreifens, bildet die Grundlage kommunikativer Kompetenz. Eine Kunstp√§dagogik als Menschenbildung focussiert nicht das Produkt √§sthetisch-k√ľnstlerischer Praxis, sondern die Schaffung experimenteller Freir√§ume und Inszenierung √§sthetischer Prozesse.
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