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Primäre und sekundäre immunbedingte Thrombozytopenien beim Hund : ein retrospektiver Vergleich

Lehmann, Anna


Originalveröffentlichung: (2021) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-159506
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2021/15950/


Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere (Innere Medizin und Chirurgie)
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6885-1
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 04.02.2021
Erstellungsjahr: 2021
Publikationsdatum: 10.03.2021
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieser retrospektiven Arbeit war es, erstmals Daten von Hunden mit primärer oder sekundärer immunbedingter Thrombozytopenie, die im gleichen Zeitraum (2010 – 2015) vorgestellt wurden und vorwiegend aus dem hessischen Einzugsgebiet stammen, auf anamnestische, klinische und labordiagnostische Unterschiede zu untersuchen. Des Weiteren wurden Einflüsse unterschiedlicher Behandlungsprotokolle sowie das Langzeitüberleben der Patienten verglichen.
Insgesamt 128 Hunde (67 mit pIMT und 61 mit sIMT) erfüllten die Einschlusskriterien der Studie (vollständige Krankenakte, Thrombozytenzahl < 150 x 109/l). Als Ursachen der sIMT wurden in 55% der Fälle (n=34) eine infektiöse, in 38% (n=23) eine Neoplasie und in 7% eine entzündlich-nicht infektiöse (n=3) oder metabolische Erkrankung (n=1) diagnostiziert.
In der pIMT-Gruppe waren weibliche Hunde geringgradig (pIMT 42/67; sIMT 25/61) besonders häufig. In der Geschlechtsverteilung ergaben sich keine signifikanten Unterschiede – weder zwischen noch innerhalb der beiden Erkrankungsgruppen. Insgesamt waren 49 Rassen bzw. Rassegruppen betroffen. Sowohl in der Gruppe der pIMT als auch in der Gruppe der sIMT waren große Rassehunde und Mischlinge mit einem Gewicht von 20-30 kg überrepräsentiert. Als Vorstellungsgrund wurde Meläna signifikant häufiger in der pIMT-Gruppe angegeben. Dagegen wurden in der Gruppe der sIMT unspezifische Vorstellungsgründe wie Gewichtsverlust, Polyurie/Polydypsie und Erbrechen signifikant häufiger durch die Besitzer genannt. In der klinischen Untersuchung zeigten Hunde mit pIMT (53/67) signifikant häufiger Blutungsanzeichen, wie Petechien, Ekchymosen und Meläna, als die Patienten mit sIMT (9/61).
Die Auswertung der labordiagnostischen Parameter ergab signifikant stärker ausgeprägte Thrombozytopenie mit einem Medianwert bzw. (1./3.Quartil) von 12,0 (2,0/44,0) x 109/l bei pIMT im Vergleich zu 39,0 (10,5/80,0) x 109/l bei sIMT. Zudem zeigten Hunde mit pIMT signifikant stärkere Leukozytose, Neutrophilie und Retikulozytose als Patienten mit sIMT. Dies könnte durch eine starke Knochenmarkstimulation bei Hunden mit zusätzlich bestehender, immun-bedingter hämolytischer Anämie (pIMT: 16/67; sIMT: 7/61) erklärbar sein.
Die Hunde mit sIMT zeigten im Vergleich zu pIMT-Hunden signifikant stärkere Entzün-dungsreaktionen in Form einer Hypoalbuminämie von 25,9 (19,5/28,6) g/l versus 27,7 (23,8/30,9) g /l und Hyperglobulinämie mit 35,5 (30,2/45,8) g/l versus 32,2 (26,0/36,9) g/l. Das C-reaktive Protein war in der Gruppe der sIMT mit 38,5 (16,9/102,6) mg/l zwar nicht statistisch signifikant höher als bei pIMT mit 16,5 (5,0/47,0) mg/l, was der weiten Streuung der Werte geschuldet sein mag. Eine mögliche Erklärung hierfür besteht in der erhöhten antigenen Stimulation infolge einiger Grunderkrankungen.
Obwohl dies aufgrund der Anwendung von 4 verschiedenen Therapieprotokollen und damit Bildung von vier Gruppen mit Patientenanzahlen von 13 bis 20 nicht statistisch ausgewertet werden konnte, lebten Hunde mit pIMT unter alleiniger Glucocorticoid-Therapie (n=13) mit 587 (3 - 1809) Tagen länger als Hunde unter Kombinationstherapie (n=17) mit 125 (4 - 1468) Tagen. Dieses liegt wahrscheinlich daran, dass eine Kombinationstherapie bei schwereren Fällen eingesetzt wurde.
Die Thrombozytopenie als alleinige Todesursache (Euthanasie oder Versterben aufgrund einer Blutungskomplikation) wurde bei 21% der Hunde mit pIMT und bei 13% der Hunde mit sIMT beobachtet. Obgleich Hunde mit pIMT mit 363 (47/960) Tagen länger zu überleben schienen als die Patienten mit sIMT mit 210 (12/681) Tagen, ergab sich statistisch hinsichtlich des Langzeitüberlebens kein Unterschied. Dies mag mit der doch relativ geringen Anzahl an toten Hunden am Ende der Studie pro Gruppe (pIMT: 32 versus sIMT: 31) zusammenhängen, die für diese Auswertung verfügbar waren. Gleichwohl wurde die initiale Hypothese, dass die kausale Behandlung einer zugrunde liegenden Ursache einer sIMT von Vorteil sein könnte, widerlegt. Die tendenziell sogar kürzere Überlebensdauer der sIMT Gruppe lässt sich durch die hohe Anzahl von Hunden mit neoplastischen Erkrankungen erklären.
Zusammengefasst konnten viele bereits beschriebene Beobachtungen zur pIMT des Hundes durch die eigenen Ergebnisse bestätigt werden. Zusätzlich wurde festgestellt, dass Hunde mit sIMT deutlich mehr unspezifische Symptome zeigen und labordiagnostisch mit einer stärker ausgeprägten Inflammation reagieren.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this retrospective study was a comparison of anamnestic, clinical and laboratory changes of dogs with pIMT and sIMT, which were presented in the same period (2010 -2015) and originated from the Hessian catchment area. In addition, possible influences of different treatment protocols as well as long-term survival were compared.
A total of 128 dogs (67 with pIMT and 61 with sIMT) met the inclusion criteria (complete medical record, platelet count < 150 x 109/l). The underlying reasons in sIMT were infectious diseases (55%; n=34), neoplastic diseases (38%; n=23) or inflammatory, non-infectious disease (7%, n=3) and a metabolic disorder (n=1).
In the group of pIMT the female dogs were mildly overrepresented (pIMT 42/67; sIMT 25/61). There was no significant difference in gender distribution – neither between nor within the groups. IMT was seen in a total of 49 breeds. As well in the pIMT-group as in the group of sIMT, large breeds and mixed breeds weighing 20-30 kg were overrepresented. On the one hand, owners reported melena significantly more often within the pIMT-Group. On the other hand, unspecific signs as weight loss, polyuria/polydipsia and vomiting were significantly more often reasons for presentation in the group of sIMT. In the clinical examination dogs with pIMT (53/67) showed significantly more often bleeding symptoms like petechiae, ecchymosis and melena compared to dogs with sIMT (9/61).
Laboratory findings revealed a significantly lower platelet with Median (1st.Quartile/3rd.Quartile) of 12,0 (2,0/44,0) x 109/l versus 39,0 (10,5/80,0) x 109/l but significantly higher leukocytes, neutrophils and reticulocytosis in pIMT. This is most likely due to strong bone marrow stimulation in dogs with additional immune-mediated hemolytic anemia (pIMT: 16/67; sIMT: 7/61).
The dogs with sIMT showed, compared to dogs with pIMT, significantly stronger in-flammatory reaction as such hypoalbuminemia 25,9 (19,5/ 28,6) g/l versus 27,7 (23,8 g/l/30,9) g/l and hyperglobulinemia 35,5 (30,2/45,8) g/l versus 32,2 (26,0/36,9) g/l. C-reactive protein was in the sIMT-group not significantly elevated [38,5 (16,9/102,6) mg/l versus 16,5 (5,0/47,0) mg/l], which ist caused to wide spreading of the values. A possible explanation of the stronger inflammation in the sIMT-group may represent higher antigen stimulation caused by the primary disease.
Due to the use of 4 different treatment protocols and, therefore, quite formation of four groups of patients with pIMT with numbers between 13 and 20 a statistical analysis seemed not appropriate. Nonetheless, pIMT patients receiving monotherapy with glucocorticoids (n=13) seemed to survive longer 587 (3 - 1809) days than dogs getting a combination of 2 or 3 immunosuppressants (n=17) with 125 (4 - 1468) days. However, these findings obviously result from a lack of randomisation: a combination therapy was given to the more severely diseased dogs and, thus, they should not be interpreted as a treatment effect.
Thrombocytopenia as cause of death (euthanasia or spontaneous death due to bleeding) was observed in 21% of dogs with pIMT and in 13% of dogs diagnosed with sIMT. Even without statistically significant difference, the long-term survival in the group of pIMT (n=32) with 363 (47/960) days had a tendency to be longer than in the sIMT group (n=31) with 210 (12/681) days. This can be caused to relatively low account of the death dogs at the end of the study (pIMT: 32 versus sIMT: 31). The finding disproves the initial hypothesis, that a causal therapy can be an advantage in the survival of patients with sIMT. The shorter survival time of the dogs with sIMT can be explained by the high number of dogs with cancer.
In summary, many of already described findings of canine pIMT were confirmed. In this first study with a direct comparison of large groups of dogs diagnosed pIMT or sIMT it was shown for the first time, that dogs with sIMT showed more unspecific symptoms, stronger inflammatory reactions and higher PLT-numbers than dogs diagnosed with pIMT.
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