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Tierschutzgerechtes Reiten auf Pferdesportveranstaltungen mit dem Schwerpunkt Dressur der Klassen M und S

Theile, Lena


Originalveröffentlichung: (2020) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (6.936 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-159329
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2021/15932/


Freie Schlagwörter (Deutsch): Reiten , Dressursport , Pferde , Stress , Tierschutz
Freie Schlagwörter (Englisch): horses , dressage , riding , stress , animal welfare
Universität Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen
Institut: Klinik f√ľr Chirurgie des Pferdes
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6861-5
Sprache: Deutsch
Tag der m√ľndlichen Pr√ľfung: 12.05.2020
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum: 08.03.2021
Kurzfassung auf Deutsch: Das Pferd wird heute v. a. bei der Aus√ľbung des Hobbys Reiten genutzt. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat bereits 2014 zum Thema pferdegerechtes Reiten einen Beurteilungskatalog f√ľr sportliche Veranstaltungen herausgegeben, anhand dessen nicht pferdegerechtes Reiten detektiert werden kann. Ziel dieser Studie war eine objektive Beurteilung der aktuellen Situation auf nationalen Turnieren mit dem Schwerpunkt Dressur der hohen Klassen im Hinblick auf tierschutzgerechtes Reiten. Ermittelt werden sollte der prozentuale Anteil an Reiter-Pferd-Kombinationen, die ein von dem gew√ľnschten Bild abweichendes Verhalten zeigten, der Zusammenhang zwischen den reiterlichen Einwirkungen und dem Stress des Pferdes, der Zusammenhang zwischen dem Stress des Pferdes und m√∂glichen Wertungsergebnissen sowie das Verhalten der verantwortlichen Personen im Hinblick auf m√∂glicherweise nicht pferdegerechtes Reiten vor Ort.
Es wurden insgesamt 101 Reiter-/Pferdekombination auf neun verschiedenen Turnieren √ľber eine Zeitspanne von elf Minuten ausgewertet, wobei lediglich 11,9 % der Reiter m√§nnlich waren. Ein geschlechtsabh√§ngiger, signifikanter Zusammenhang konnte lediglich bei dem Einsatz der Gerte verzeichnet werden. 86,1 % der Reiter ritten zumindest tempor√§r in Hyperflexion, wobei 14 Reiter ihr Pferd √ľberhaupt nicht und immerhin sieben Reiter f√ľr die komplette Beobachtungszeit in Hyperflexion ritten. Zwischen der Hyperflexionszeit speziell (p < 0,001), aber auch zwischen dem Ma√ü der reiterlichen Einwirkungen generell (p < 0,001, Gerte, Sporen, Z√ľgelhilfen, Hyperflexionszeit) und dem Stresslevel der Pferde besteht ein hochsignifikanter Zusammenhang. 57 Reiter/Reiterinnen zeigten einen auff√§lligen und hiervon f√ľnf Reiter einen nicht-pferdegerechten reiterlichen Einfluss. Durch die Einteilung des Stresslevels in einen sog. Stress Score wurde deutlich, dass immerhin 13 Pferde Anzeichen f√ľr hochgradigen Stress zeigten, der sowohl unabh√§ngig vom Alter der Pferde und deren Geschlecht als auch von der Abreitdauer, der Wiederholung schwerer Lektionen, der Au√üentemperatur, der Luftfeuchtigkeit oder der Anzahl der Pferde/qm Reitplatz war.
Die Wertung der Richter zeigt einen signifikanten Zusammenhang zum erhobenen Stress Score der Pferde während des Abreitens.
Zusammenfassend konnten sowohl die reiterlichen Einwirkungen als auch die gezeigten Stressanzeichen der 101 Pferde prim√§r als pferdegerecht beurteilt werden. Den gr√∂√üten Einfluss auf den Stress Score der Pferde hat das Ma√ü der reiterlichen Einwirkungen. Die Tatsache allerdings, dass 44 Reiter pferdegerechte reiterliche Einwirkungen zeigten und hiervon bei 24 Pferden ein unauff√§lliger Stress Score festzustellen war, zeigt, dass sich Tierschutz und anspruchsvoller Pferdesport nicht zwingend ausschlie√üen m√ľssen.
Diverse Stressanzeichen der Pferde nahmen unter der Hyperflexion signifikant zu und 86,1 % der Reiter ritten zumindest tempor√§r in Hyperflexion. Aufgrund dieser Ergebnisse ist eine gezielt herbeigef√ľhrte und l√§nger anhaltende Hyperflexion der Pferde aus Tierschutzgr√ľnden abzulehnen.
Der Kriterienkatalog der FN ist anwendbar und verständlich, wird allerdings durch Richter und Veranstalter nicht umgesetzt. Bei allen 101 beobachteten Reitern wurde keine Reglementierung beobachtet.
Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse und insbesondere im Hinblick auf die enorm hohe Abwesenheitsfrequenz der Richter auf den Vorbereitungspl√§tzen (64 %), scheinen Vor-Ort-Kontrollen durch Amtstier√§rzte zur √úberwachung des tierschutzkonformen Umgangs mit Pferden und eine Intensivierung der verbandseigenen Kontrollen unerl√§sslich. Wie die vorliegende Studie zeigt, sichern die Pferdesportverb√§nde derzeit intern nicht das tierschutzgerechte Reiten, wie es von der √Ėffentlichkeit gefordert wird.
Reiter sollten durch die Anwesenheit und die Reglementierung von Richtern und Amtstierärzten in Richtung tierschutzgerechtes Reiten sensibilisiert werden.

Kurzfassung auf Englisch: Today horses are commonly used for pleasure riding. In 2014 the German Equestrian Federation published an assessment catalog about ‚Äúhorse-friendly riding‚ÄĚ for equestrian sporting events, to detect incorrect riding techniques. The aim of the study was to objectively assess the status quo of horse-friendly riding on national tournaments with focus on high-level dressage. Determining the percentage of horse-rider combinations differing from the desired standard. The impact of horse-rider interaction on the stress-level of the horse was evaluated. The relationship between the scoring, behavior of the involved persons in combination with non-horse-friendly riding techniques on the horse‚Äôs stress-level was assessed.
In total 101 horse-rider combinations on nine different tournaments were evaluated over a time span of eleven minutes each. 11.9% of the riders being male. A significant gender-dependent relationship was only found for the use of the crop. 86.1% of the riders temporarily rode in hyperflexion, fourteen riders never rode in hyperflexion and seven riders rode in hyperflexion over the entire observation period. A strong relationship was found between the time of hyperflexion (p < 0.001) and rider-horse interaction in general (p < 0.001) (e.g. crop, spurs, rein aids) on the stress level of the horses. 57 riders presented a conspicuous and five riders a non-horse-friendly influence on the horses. Grading the stress-level, using a stress-score, 13 horses presented evidence of a high level of stress; independent from age and gender of the horse as well as independent of the duration of the ride, repetition of heavy lessons, outside temperature, humidity or the number of horses/qm in the riding arena. Four horses presented maximum expression of all signs of stress. The scoring of the judges correlated significantly with the stress-score of the horses during riding.
In conclusion both the rider’s interaction and the signs of stress of the 101 horses can be assessed mainly as horse-friendly. The rider-horse interaction has biggest influence on the stress-score of the horse. The fact, that 44 riders showed horse-friendly interactions and 24 of these horses presented unremarkable stress-levels, demonstrates, that animal welfare and demanding equestrian sport are mutually exclusive. Various signs of stress of the horse increased significantly under hyperflexion. Based on the results of the current study and the widespread use, systematic hyperflexion of the horses at tournaments should be regulated.
The FN criteria catalog is clear and understandable, however is not implemented by judges and organizers. In the 101 observed riders, no regulations were used. Based on the results of the current study and absence of judges in the practice place in 64% of the cases, on-site inspections by official veterinarians appear essential to monitor the animal welfare-compliant handling of the horses. Intensifying inspections by the associations itself should be considered as well. The current study shows, that the equestrian sport associations currently do not ensure animal welfare-friendly riding as required by the public. Sensibilization of the riders by judges and veterinarians for horse-friendly riding is warranted.


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