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Entwicklung der Antikörpertiter nach Impfung mit einer BVD-Lebendvakzine bei Kühen mit hoher und bei solchen mit niedrigerer Milchleistung

Sieck, Antonia


Originalveröffentlichung: (2020) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (10.502 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-157603
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2021/15760/


Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Wiederkäuer und Schweine (Innere Medizin und Chirurgie)
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6909-4
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 28.08.2020
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum: 05.01.2021
Kurzfassung auf Deutsch: Die Zucht auf hohe Milchleistung wird vielfach für eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit der Kühe und für eine Verkürzung der Nutzungsdauer verantwortlich gemacht. Im Rahmen einer kontrollierten klinischen Studie sollte deshalb geprüft werden, ob sich hinsichtlich der Bildung neutralisierender Antikörper nach Impfung mit einem kommerziellen BVD-Lebendimpfstoff Unterschiede nachweisen lassen zwischen Kühen mit überdurchschnittlich hoher Milchleistung (Testgruppe) und solchen mit signifikant niedrigerer Milchleistung (Kontrollgruppe).
Hierzu wurden aus dem Datenmaterial des Kontrolljahres 2016/17 des Hessischen Verbandes für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht e.V. (HVL) acht Holstein-Milchviehbestände mit hoher Milchleistung und acht Betriebe mit niedriger Leistung ausgewählt, in denen – neben einer Bestandsanalyse – detaillierte klinische und labordiagnostische Untersuchungen sowie Impfungen (Bovela®, Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH) zur Ermittlung der Antikörperbildung durchgeführt wurden. Dieser Impfstoff enthält als Antigen lebendes, nicht zytopathogenes BVDV-1 und BVDV-2.
Pro Bestand wurden jeweils 10 Kühe in diese Studie einbezogen. Zwischen dem 14. und 21. Tag post partum wurden die für die Studie vorgesehenen Kühe einer Allgemeinuntersuchung unterzogen. Falls keine Ausschlusskriterien vorlagen (erhöhte Körpertemperatur, Erkrankungen mit Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens), wurden die Kühe in die Studie aufgenommen, beprobt und noch am selben Tag geimpft. Anlässlich der Erstuntersuchung wurden folgende Laborparameter bestimmt: Antikörpertiter gegen BVDV-Typ 1 (Serumneutralisations- test), NEFA-, beta-HBA-Gehalt und GLDH-Aktivität im Serum, Glutaraldehyd-Testzeit, Netto- Säure-Basen-Ausscheidung sowie die Natriumkonzentration im Harn. Im Rahmen der Folgeuntersuchung (28 bis 32 Tage später) wurde der Antikörpertiter gegen BVDV-Typ 1 (Serum- neutralisationstest) nochmals ermittelt.
Trotz des vorberichtlich zu vermutendem BVD-seronegativen Status dieser Bestände erwiesen sich in zwei Herden 9/10 bzw. 9/9 der untersuchten Kühe bereits zum Zeitpunkt der Impfung als BVD-Antikörper positiv. Die Ergebnisse dieser beiden Herden wurden daher separat ausgewertet. In vier weiteren Betrieben waren einzelne Kühe (n = 1 oder 2) Tiere seropositiv; auch diese wurden daher separat ausgewertet.
Obwohl sich die Kühe mit hoher Milchleistung (Jahresmilchleistung 10284 kg ±1849 kg) von denjenigen mit niedrigerer Leistung (8106 kg ± 1294 kg) hinsichtlich dieses Kriteriums signifikant unterschieden, gab es im Hinblick auf die Titer an neutralisierenden BVD-Antikörpern nach Impfung zwischen beiden Leistungsgruppen keine signifikanten Unterschiede (p = 0,62). Die Antikörpertiter bewegten sich bei den Einzeltieren der hochleistenden Testgruppe in einem Bereich von 0,5 – 2,6 (X = 1,42) logND50 und bei denjenigen der Kontrollgruppe zwischen 0,5 und 2,1 (X = 1,38) logND50. Dabei konnte mittels Korrelationsanalyse kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe der Milchleistung und der Höhe der BVD-Antikörpertiter ermittelt werden (p = 0,75; R = 0,03). Gleiches galt hinsichtlich des BVD-Antikörpertitervergleichs auf Bestandsebene (p = 0,48).
Bei den insgesamt 24 bereits schon BVD-seropositiven Kühen führte die Impfung zu einem Booster-Effekt, wobei die nachfolgenden BVDV-Typ1-Antikörpertiter signifikant höher waren als bei den zuvor BVD-seronegativen Tieren (p < 0,001).
Weiterhin fanden sich bei den untersuchten Kühen keinerlei signifikante Beziehungen zwischen den Ergebnissen der klinisch-chemischen Untersuchungen (NEFA-Werte, NSBA- Werte, Natriumkonzentrationen, BHBA-Werte, Glutartest) und der Höhe der BVD-Typ-1-Anti- körpertiter. Auch gab es keine nachweisbaren Unterschiede zwischen beiden Leistungsgruppen - weder auf Herden- noch auf Einzeltierebene - in der Prävalenz subklinischer Ketosen (NEFA-Werte, Serum-beta-HBA-Konzentration), noch bestanden signifikante Korrelationen zwischen der Höhe der Milchleistung und einer Reihe anderer Laborparameter (NSBA, Natrium- konzentrationen, GLDH-Werten). Darüber hinaus hatten weder das Alter der Tiere noch die Laktationsnummer einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung der Antikörpertiter nach der Impfung.
Die in dieser Studie ermittelten Ergebnisse ergaben keinen Hinweis auf eine Beziehung zwi-schen hoher Milchleistung und humoraler Immunabwehr. Insofern können Leistungen über 10.000 kg und die für solche Kühe postulierte negative Energiebilanz in den ersten Wochen nach der Kalbung offensichtlich nicht pauschal für eine verminderte Immunkompetenz mit erhöhter Krankheitsanfälligkeit verantwortlich gemacht werden.


Kurzfassung auf Englisch: Breeding for high milk yield is often blamed for the increased susceptibility of cows to disease and for shortening their service life. A controlled clinical study should therefore be conducted to determine whether there are differences in the formation of neutralizing antibodies after vaccination with a commercial live BVD vaccine between cows with above-average milk yield (test group) and those with significantly lower milk yield (control group).
For this purpose, data of the control year 2016/17 of the Hessian Association for Performance and Quality Tests in Animal Breeding (Hessischer Verband für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht e.V.) was used to calculate eight Holstein dairy farms with high milk yield and eight farms with low yield. In addition to a herd analysis, detailed clinical and laboratory diagnostic tests and vaccinations (Bovela®, Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH) were performed to determine antibody production. This vaccine contains living, non- cytopathogenic BVDV-1 and BVDV-2 as antigen.
Per herd 10 cows were included in this study. Between the 14th and 21st day post partum, the cows intended for the study were subjected to a general examination. If there were no exclusion criteria (elevated body temperature, diseases affecting the general condition), the cows were included in the study, sampled and vaccinated on the same day. The following laboratory parameters were determined during the initial examination: Antibody titres against BVDV type 1 (serum neutralisation test), NEFA, concentrations of betaHBA and GLDH activity in serum, glutaraldehyde test time, net acid-base excretion and the sodium concentration in urine. In the follow-up test (28 to 32 days later) the antibody titer against BVDV type 1 (serum neutralization test) was determined again.
Despite the presumed BVD-seronegative status of these herds, in two herds 9/10 and 9/9 of the tested cows were already positive for BVD antibodies at the time of vaccination. The results of these two herds were therefore evaluated separately. In four other farms, individual cows (n = 1 or 2) were seropositive; these were also evaluated separately.
Although the cows with high milk yield (annual milk yield 10284 kg ±1849 kg) differed significantly from those with lower yield (8106 kg ± 1294 kg) with respect to this criterion, there were no significant differences between the two performance groups with respect to the titers of neutralizing BVD antibodies after vaccination (p = 0.62). Antibody titers ranged from 0.5 - 2.6 ( X = 1.42) logND50 in the individual animals of the high performance test group and from 0.5 - 2.1 ( X = 1.38) logND50 in the control group. No significant correlation between milk yield and BVD antibody titers was found by correlation analysis (p = 0.75; R = 0.03). The same applied to the BVD antibody titer comparison at the results at herd level (p = 0.48).
In the 24 already BVD-seropositive cows, the vaccination led to a booster effect, whereby the subsequent BVDV type 1 antibody titers were significantly higher than in the previously BVD- seronegative animals (p < 0.001).
Furthermore, no significant relationships were found between the results of the clinical chemistry tests (NEFA values, NSBA values, sodium concentrations, BHBA values, glutar test) and the level of BVD type 1 antibody titers in the cows examined. There were also no detectable differences between the two performance groups - either at herd or individual animal level - in the prevalence of subclinical ketosis (NEFA values, serum beta HBA concentration), nor were there significant correlations between milk yield and a number of other laboratory parameters (NSBA, sodium concentrations, GLDH values). Furthermore, neither the age of the animals nor the lactation number had a significant influence on the development of antibody titers after vaccination.
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