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Bronchiektasien und ihre Diagnose bei Hunden mit Trachealkollaps : eine retrospektive Analyse von Prävalenz und Interobservervariabilität

Altmann, Hannah Elisa


Originalveröffentlichung: (2020) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (5.327 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-156112
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2020/15611/


Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin, Klinik für Kleintiere, Innere Medizin
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6848-6
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.01.2020
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum: 06.11.2020
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der Studie
Ziel dieser Studie war die Ermittlung des Zusammenhangs zwischen Trachealkollaps und Bronchiektasien sowie der Interobservervariabilität zwischen geübten und ungeübten Untersuchern hinsichtlich der Auswertung von Röntgenbildern des Thorax des Hundes. Besonderes Augenmerk wurde auf die Erkennung von Bronchiektasien, ihrer Form und ihrer Lokalisation gelegt. Des Weiteren wurde die Prävalenz von Bronchiektasien bei Hunden mit Trachealkollaps ermittelt.
Material und Methoden
Der retrospektiven Studie liegen Daten und Röntgenbilder von 135 Hunden zugrunde, die in den Jahren 2005 bis 2010 mit dem Verdacht auf einen Trachealkollaps in der Klinik für Kleintiere der Justus-Liebig-Universität vorgestellt wurden. Einschlusskriterien waren das Vorliegen vollständiger klinischer Daten und auswertbarer Röntgenbilder in mindestens zwei Ebenen.
Die radiologische Beurteilung der Röntgenbilder des Thorax wurde hinsichtlich aller Parameter von einem Experten und zwei ungeübten Untersuchern verblindet, unabhängig voneinander und standardisiert an denselben Systemen vorgenommen. Die Ergebnisse des Spezialisten dienten als Goldstandard.
Die gesamte Studienpopulation wurde hinsichtlich anamnestischer Daten ausgewertet. Außerdem erfolgte die Herausarbeitung der Prävalenzen für die radiologischen Diagnosen „Trachealkollaps“, „Bronchialkollaps“ und
„Bronchiektasien“ innerhalb der gesamten Studienpopulation bzw. innerhalb der Gruppen „Trachealkollaps positiv“ bzw. „Trachealkollaps negativ“.
Zur Analyse der Interobservervariabilität wurden die radiologischen Befunde des Experten denen der ungeübten Untersucher mittels ROC-Curve-Analyse und Kappa-Spearman-Analyse gegenübergestellt.
Die unterschiedlichen Messergebnisse des Tracheadurchmessers wurden mittels Bland-Altman-Analyse und Passing-Bablok-Regressionsanalyse ausgewertet.
Ergebnisse
Die in der Studienpopulation am häufigsten vertretene Rasse ist der Yorkshire Terrier (33,3 %). Mit den dominierenden Vorstellungsgründen Husten (92 %), Leistungsschwäche (65,7 %) und Stridor (51,9 %) stellt die Studienpopulation gemäß dem Auswahlkriterium „Verdacht auf Trachealkollaps“ eine typische Population dar. Der Großteil der Patienten mit radiologisch verifiziertem Trachealkollaps erhielt eine medikamentelle Therapie, am häufigsten wurde Aminophyllin bzw. Theophyllin eingesetzt (89,0 %). Nur 12,7 % der betroffenen Patienten erhielten eine Stentimplantation.
Die Prävalenz eines radiologisch durch den Experten diagnostiziertenTrachealkollapses liegt innerhalb der gesamten Studienpopulation bei 75,5 %. Von den Patienten mit Trachealkollaps hatten 18,6 % einen Bronchialkollaps und 19,0 % Bronchiektasien, während in der Gruppe ohne nachgewiesenen Trachealkollaps nur 6,0 % Bronchialkollaps(e), aber 21,0 % Bronchiektasie(n) zeigten.
Hinsichtlich der Interobservervariabilität zeigten sich bezüglich der Diagnose
„Trachealkollaps“ für beide ungeübten Untersucher hohe positiv-prädiktive Werte von 91–98 % bei relativ niedrigen negativ prädiktiven Werten von 35–40 %. Bei der Untersuchung auf einen Bronchialkollaps ergaben sich bei beiden unerfahrenen Untersuchern hohe negativ prädiktive Werte von ca. 90 % bei relativ niedrigen positiv prädiktiven Werten von ca. 50 %.
Die Analyse von Bronchiektasien bezüglich des Vorkommens, der Lage und der Form gelang unerfahrenen Untersuchern mit hohen negativ prädiktiven Werten (ca. 86 % bzgl. des Vorliegens generell, ca. 90–95 % bezüglich der Lokalisation) bei niedrigen positiv prädiktiven Werten (27-71 %).
Auch die Kappa-Werte zu den Untersuchungen auf das Vorliegen von Bronchiektasien zeigen eine geringe Übereinstimmung zwischen den Ergebnissen der ungeübten Untersucher und dem Spezialisten (Kappa-Werte von 0,18–0,44). Für die Diagnosestellung „Trachealkollaps und Bronchialkollaps“ ergeben sich nur geringfügig höhere Kappa-Werte im Bereich von ausreichend bis mäßig.
Bei den Messungen des Tracheadurchmessers zur Bestimmung der Größe eines Stents wurden Standardabweichungen der Messungen der ungeübten Untersucher von 0,21 bis 0,73 cm bis hin zu einzelnen Abweichungen von bis zu 1,2 cm im Vergleich zu den Messungen des Spezialisten gefunden.
Schlussfolgerung
Die Prävalenz von Bronchiektasien liegt mit 19 % in der Gruppe mit Trachealkollaps deutlich über der Prävalenz einer durchschnittlichen Hundepopulation, wie sie Hawkins et al. mit 0,05–0,08 % ermitteln konnten (Hawkins et al., 2003). Somit zeigt die vorliegende Arbeit wie bereits die Studie von Marolf et al. 2007 eine erhöhte Prävalenz von Bronchiektasien bei Hunden mit Trachealkollaps. Beide Erkrankungen stellen schwerwiegende Grunderkrankungen dar (Myer und Burt, 1973; Johnson und Pollard, 2010). Kanine Patienten mit Trachealkollaps sollten folglich immer auch auf das Vorliegen von Bronchiektasien untersucht werden.
Die Interobservervariabilität ist insbesondere hinsichtlich des Erkennens von Bronchiektasien (Vorkommen, Lage, Form) hoch. Damit bleibt die röntgenologische Untersuchung durch ungeübte Untersucher hinsichtlich des Vorliegens von Bronchiektasien unsicher und sollte immer mittels anderer Methoden verifiziert werden (z.B. durch eine computertomographische Untersuchung oder eine Röntgenbildauswertung durch einen Spezialisten).
Kurzfassung auf Englisch: Objectives
The aim of this study was to establish a relationship between tracheal collapse and bronchiectasis as well as the interobserver variability between trained and untrained investigators regarding the evaluation of X-ray images of the thorax of the dog. Particular attention was paid to the detection of bronchiectasis, its shape and its location. Furthermore, the prevalence of bronchiectasis in dogs with tracheal collapse was determined.
Material and Methods
The retrospective study is based on data and X-ray images of 135 dogs that were presented with suspected tracheal collapse in the small animal clinic of Justus- Liebig-University in Giessen between 2005 and 2010. Inclusion criteria were the presence of complete clinical data and evaluable X-ray images in at least two levels. The radiological evaluation of chest radiographs was blinded by three different examiners (one expert and two inexperienced examiners) and independently performed on the same standardized systems. The experts’ results served as gold standard. The entire study population was evaluated in terms of anamnestic data. In addition, the prevalence of the radiological diagnoses "tracheal collapse", "bronchial collapse" and "bronchiectasis" was evaluated within the entire study population and within the groups "tracheal collapse positive" and "tracheal collapse negative".
To analyze the interobserver variability, the expert’s radiological findings were compared with those of inexperienced examiners by ROC curve analysis and Kappa-Spearman analysis.
The different measurements of the diameter of the trachea were evaluated by Bland-Altman analysis and Passing-Bablok regression analysis.
Results
The most common breed in the study population is the Yorkshire Terrier (33.3%). With the predominant symptoms of "coughing" (92%), "poor performance" (65.7%) and "stridor" (51.9%), the study population represents a typical population according to the selection criterion "suspected tracheal collapse".
The majority of patients with tracheal collapse received drug therapy, with the most frequent use of aminophylline or theophylline (89,0 %). Only 12.7% of affected patients received interventional therapy with stent implantation.
The prevalence of tracheal collapse is 75.5% within the total study population. Out of the patients with tracheal collapse, 18.6% had bronchial collapse and 19% bronchiectasis, while in the group without tracheal collapse, only 6% had bronchial collapse but 21% had bronchiectasis.
Regarding the interobserver variability, the diagnosis of "tracheal collapse" for both inexperienced examiners showed high positive predictive values of 91-98% with relatively low negative predictive values of 35-40%. In the investigation of a bronchial collapse both inexperienced examiners showed high negative predictive values of approximately 90% with relatively low positive predictive values of approximately 50%. Inexperienced examiners could find bronchiectasis in terms of occurrence, location and shape succeeded with high negative predictive values (about 86% in terms of existence in general, about 90-95% with respect to the localization) and low positive predictive values (27-71%).
The Kappa values for the studies on the presence of bronchiectasis also show a poor correlation between the results of the inexperienced examiners and the specialist (Kappa values of 0.18-0.44). The diagnosis "tracheal collapse and bronchial collapse" gives only slightly higher kappa values ranging from sufficient to moderate.
Concerning the measurements of the tracheal diameter to determine the size of a stent, standard deviations of the measurements of untrained examiners were found from 0.21 cm to 0.73 cm up to 1.2 cm in comparison to the measurements of the specialist.
Conclusion
The prevalence of bronchiectasis, at 19% in the group with tracheal collapse, is well above the prevalence of an average dog population, as reported by Hawkins et al. 0.05-0.08% (Hawkins et al., 2003).
Therefore, this study shows an increased prevalence of bronchiectasis in dogs with tracheal collaps, as the study by Marolf et al. already reported before (Marolf et al., 2007).
In addition, both diseases are serious underlying diseases (Myer und Burt, 1973; Johnson und Pollard, 2010). Consequently, canine patients with tracheal collapse should always be screened for the presence of bronchiectasis.
Interobserver variability is particularly high in terms of recognizing bronchiectasis (occurrence, location, shape). Thus, x-ray examination by inexperienced examiners for the presence of bronchiectasis remains uncertain and should always be verified by other means (e.g., by computed tomography examination or x-ray image analysis by a specialist).
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