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Prospektive klinische Studie zur laparoskopischen Katheterzystostomie im Vergleich zur chirurgischen Katheterzystostomie beim Schaf- und Ziegenbock mit Obstructio urethrae in Folge von Urolithiasis unter besonderer Berücksichtigung der Harnblasen-Sonographie (prä operationem) und der antegraden Zystourethrographie bei persistierender Obstruktion

Walter, Uschi


Originalveröffentlichung: (2020) Gießen : DVG Service GmbH
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.733 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-155398
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2020/15539/


Freie Schlagwörter (Deutsch): Urolithiasis , Schaf , Ziege , Laparoskopie , Katheterzystostomie
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinikum Veterinärmedizin
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-86345-540-8
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.09.2019
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum: 15.10.2020
Kurzfassung auf Deutsch: Zielsetzung
Zur Behandlung der Harnabsatzstörung bei obstruktiver Urolithiasis scheint die transabdominale Katheterimplantation via Laparotomie gegenwärtig die Methode der Wahl zu sein. In der vorgelegten Studie sollte daher die Vergleichbarkeit dieser Methode mit dem minimalinvasiven, endoskopischen Einbringen eines Blasenkatheters ermittelt werden. Besondere Berücksichtigung sollten hierbei die präoperative Harnblasensonographie sowie die röntgenologische Kontrastmitteldarstellung von Blase und Urethra finden. Die kurz- und mittelfristigen Heilungsraten beider Operationstechniken wurden in einer prospektiven klinischen Studie verglichen.
Material und Methoden
Es wurden 25 Schaf- und Ziegenböcke mit Ischurie und labordiagnostisch ermittelter Azotämie in die Studie eingeschlossen. Dabei wurden randomisiert jeweils 13 Tiere auf die Kontrollgruppe (Einsetzen eines Ballonkatheters in die Blase im Rahmen einer Laparotomie) und 12 Böcke auf die Versuchsgruppe (endoskopisch gestütztes Einbringen eines Blasenkatheters) verteilt.
Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Die eingangs erhöhten Plasma-Harnstoffwerte sanken post operationem in der Kontrollgruppe im Mittel nach 3,4 ± 2,2 Tagen (x quer ± s) unter 5,5 mmol/l. In der Versuchsgruppe vergingen durchschnittlich 2,8 ± 1,2 Tage (x quer ± s) bis der Harnstoffgehalt im Blutplasma den Referenzbereich erreicht hatte. Bezüglich der Entwicklung der Harnstoffkonzentration konnte mit p < 0,0001 eine hochsignifikante Änderung über die Zeit ermittelt werden. Die Wechselwirkung zwischen Gruppe und Zeit war mit p = 0,172 ebenfalls nicht signifikant. Tendenziell entstand der Eindruck, dass die Harnstoffgehalte der Tiere in der Versuchsgruppe rascher sanken als in der Kontrollgruppe. Postoperativ sank in der Kontrollgruppe der Kreatiningehalt im Blutplasma innerhalb von durchschnittlich 1,4 ± 1,0 (x quer ± s) Tagen in den Referenzbereich von unter 110 mikro mol/l. In der Versuchsgruppe war der Kreatinin-Referenzbereich im Plasma im Mittel nach 1,9 ± 0,8 Tagen (x quer ± s) erreicht. Statistisch konnte ähnlich der Entwicklung der Harnstoffwerte in beiden Gruppen über die Zeit eine hochsignifikante Änderung der Kreatininkonzentrationen nachgewiesen werden (p < 0,0001). Von den insgesamt 22 in die statistische Auswertung eingeschlossenen Schaf- und Ziegenböcken konnten 16 Tiere protokollgemäß am 10. Tag als geheilt entlassen werden (kurzfristige Heilungsrate). Davon verteilten sich 8 Tiere auf die Laparotomiegruppe (n=10) und 8 Böcke auf die Endoskopiegruppe (n=12). Die geschätzte Erfolgsrate beträgt somit bezüglich der Versuchsgruppe 66,7 % (95 % Konfidenzintervall zwischen 34,9 und 90,1 %). Die Ergebnisse der Kontrollgruppe resultierten in 80 % kurzfristiger Erfolgsrate mit einem 95% Vertrauensbereich zwischen 44,4 und 97,5 %. Im Rahmen der Langzeiterhebungen zu den geheilten Böcken waren sechs Monate nach Entlassung noch 11 Tiere am Leben. Diese verteilten sich mit 5 Tieren auf die Versuchsgruppe und mit 6 Tieren auf die Kontrollgruppe. Dies resultiert in einer geschätzten mittelfristigen Erfolgsrate von 41,7 % in der Versuchsgruppe mit einem 95 % Konfidenzintervall zwischen 15,2 % und 72,3 %. Für die Kontrollgruppe wurden entsprechend eine mittelfristige Erfolgsrate von 60 % mit einem 95 % Konfidenzintervall zwischen 26,2 % und 87,8 % ermittelt. Die Auswertung des Schmerz-Scores zeigte keinen statistisch signifikanten Gruppenunterschied (p = 0,77). Die Entwicklung des Schmerzscores zeigte jedoch eine statistisch hochsignifikante globale Abnahme des Schmerzscores in beiden Gruppen (p < 0,0001). Es bestand tageszeitabhängig ein signifikanter Einfluss des Untersuchungszeitpunktes (p = 0,045) und eine mit p = 0,0006 statistisch signifikant raschere Abnahme der Schmerzscore-Werte in der Laparoskopiegruppe. In dieser Arbeit konnte erstmalig gezeigt werden, dass die laparoskopische der laparotomischen Zystotomie mit Einbringen eines Ballonkatheters in die Blase zur Therapie der obstruktiven Urolithiasis beim kleinen Wiederkäuer gleichwertig erscheint. Hinsichtlich der kurz- und mittelfristigen Erfolgsraten konnten keine Unterschiede ermittelt werden. Unter optimalen Bedingungen (mit uneingeschränkter Besitzer-Compliance) wären jedoch sowohl ein umfangreicheres diagnostisches Repertoire (Röntgen, Sonographie, etc.) als auch weitere chirurgische Interventionsmöglichkeiten (MPPU, BMG-Transplantation) gegeben.
Kurzfassung auf Englisch: Objectives
Transabdominal tube cystotomy via laparotomy seems to be the method of choice for surgery of obstructive urolithiasis in small ruminants. The aim of this study therefore was to determine the comparability of this method with a minimally invasive, endoscopic catheter implantation. Short- and intermediate term success rates of both methods were examined by means of a prospective clinical trial. Diagnostic measure emphasized on preoperative sonography of the urinary bladder as well as on contrast radiography of the urinary bladder and urethra.
Material and methods
A total of 25 sheep and goat rams with diagnosed ischuria and azotemia were used for this study. Animals were randomly divided into control (laparotomy, n = 13) and test group (laparoscopy; n = 12).
Results and conclusions
Initially elevated plasma BUN were reduced after surgery and infusion of 5 liters of isotonic (0.9 %) sodium chloride solution after 3.4 ± 2.2 days in the control and after 3.2 ± 1.2 days in the test group. A highly significantly reduction of plasma BUN over time could be shown (P < 0.0001). No statistically significant interaction between group and time could be detected (P = 0.172). Nevertheless, there was a tendency towards a more rapid reduction of plasma BUN in the test group. Reference ranges concerning plasma creatinine levels after surgery could be achieved within 1.4 ± 1.0 days in the control and 1.9 ± 0.8 days in the test group. Similar to the development of plasma BUN values, a statistically highly significant reduction of plasma creatinine values in both groups could be determined (P < 0.0001). Sixteen of 22 small ruminants that were included into the statistical analysis, could be dismissed from the clinic at day 10 as described in the study design. Those 16 animals were evenly distributed to the control and the test group. The estimate success rate for the test group therefore is 66,7 % (95 % confidence interval (CI) between 34.9 and 90.1 %). For the control group a success rate of 80 % with CI between 44.4 and 97.5 % was calculated. Intermediate term follow-up 6 months after dismissal from the clinic showed that 11 bucks were still alive. With 5 animals deriving from the test group and 6 animals from the control group, the estimate intermediate term success rate results in 41.7 % in the test group (95 % CI between 15.2 and 72.3 %). For the control group the intermediate success rate was 60 % with 95 % CI between 26.2 % and 87.8 %.
Data analysis concerning pain score (PS) revealed no statistically significant difference between the groups (P = 0.77). Nevertheless, PS-development showed a statistically highly significant global decrease within both groups (P < 0.0001). Depending on the time of day, a significant influence of time of examination (P = 0.045) and a significantly faster decrease of PS values were seen within the laparoscopy group (P = 0.0006).
Study results indicate that laparoscopy and laparotomy assisted tube cystostomy seem to be equally suited for therapy of obstructive Urolithiasis in small ruminants. Regarding short- and intermediate term success rates no statistically significant differences could be determined. Unrestricted compliance of the owner provided, further diagnostic (radiographs, sonography, etc.) as well as therapeutic measures (MPPU, BMG-transplantation) are available.
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