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Charakterisierung von ernährungsphysiologischen und technologischen Eigenschaften der Milch und wirtschaftliche Analyse von Rinderrassen im Berggebiet

Zanon, Thomas


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-155213
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2020/15521/


Universität Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen
Institut: Institut f√ľr Tierzucht und Haustiergenetik
Fachgebiet: Agrarwissenschaften, √Ėkotrophologie und Umweltmanagement fach√ľbergreifend
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der m√ľndlichen Pr√ľfung: 18.09.2020
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum: 07.10.2020
Kurzfassung auf Deutsch: Die S√ľdtiroler Milchwirtschaft ist wie in vielen Berggebieten durch kleinstrukturierte Familienbetriebe gekennzeichnet, welche unter schwierigen Produktionsbedingungen Viehwirtschaft betreiben. Die h√∂heren Produktionskosten im Vergleich zu landwirtschaftlichen Gunstlagen m√ľssen durch die Veredelung der Milch zu Joghurt oder K√§se und den daraus erzielten h√∂heren Milchpreisen sowie durch Subventionen seitens der Europ√§ischen Union ausgeglichen werden. In Zukunft werden, unter Umst√§nden durch die COVID 19 Pandemie gest√§rkt, Ern√§hrungssouver√§nit√§t sowie regionale Produktionskreisl√§ufe an Wichtigkeit zunehmen. Folglich kann und muss eine standortangepasste und standortabh√§ngige Landwirtschaft forciert und als Chance solcher Gebiete erkannt werden. Dies kann beispielsweise mit Rinderrassen erreicht werden, welche mit lokal verf√ľgbaren Ressourcen Milch und Fleisch produzieren k√∂nnen.
Der erste Teil der Arbeit befasst sich mit dem Effekt der Rassenzusammensetzung einer Herde hinsichtlich erzeugter Milchqualit√§ten in Einzelmilch- und Tankmilchproben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den ern√§hrungsphysiologischen und technologischen Eigenschaften der Milch. Kapitel 2 befasst sich im Speziellen mit unterschiedlichen Herdenzusammensetzungen (reinrassig, mehrrassig) und deren Effekt auf die Milchzusammensetzung und -qualit√§t. F√ľr die Analyse wurden die drei meistgenutzten Rassen in S√ľdtirol, n√§mlich Braunvieh, Fleckvieh und Holstein Friesian, ber√ľcksichtigt. Im finalen Datensatz wurden jeweils die unterschiedlichen Herdenkombinationen bestehend aus nur einer Rasse bzw. aus zwei oder drei Rassen mittels linear gemischtem Modell und orthogonalen Kontrasten miteinander verglichen, um jene Variante ausfindig zu machen, welche unter S√ľdtiroler Verh√§ltnisse die h√∂chste Milchqualit√§t erzielt. Die im Kapitel 2 veranschaulichten Ergebnisse beinhalten praxisrelevante Informationen, um die Milchqualit√§t mit der entsprechenden Herdenzusammensetzung unter alpinen Produktionsbedingungen zu verbessern.
Kapitel 3 analysiert die K√§setauglichkeit und den Mineralstoffgehalt in Tankmilchproben von reinrassigen Grauvieh und Pinzgauer Herden. Zur Bewertung der K√§setauglichkeit wurden Milchgerinnungseigenschaften wie Labgerinnungszeit, Zeit f√ľr das Erreichen einer Gerinnungsfestigkeit bei 20 mm und die Koagulationsrate nach 30 Minuten der Zugabe des Labenzyms in der Milch ber√ľcksichtigt. F√ľr die statistische Auswertung wurden zwei Datens√§tze mit Sammelmilchproben und Herdbuchinformationen ber√ľcksichtigt. Ein linear gemischtes Modell hat die Gerinnungseigenschaften und die Mineralstoffgehalte auf die fixen Effekte der Rasse, der Jahreszeit sowie des Jahres der Beprobung korrigiert. Die Ergebnisse zeigen einen starken Zusammenhang zwischen Eutergesundheit und K√§setauglichkeit der Milch. Diese Studie hat den Zweck zum einen die beiden lokalen Zweinutzungsrassen aufzuwerten und zum anderen wichtige Erkenntnisse f√ľr K√§ser zu liefern.
Kapitel 4 hat das Ziel die Effekte der Parit√§t, Kalbesaison, Laktationsstadium auf die Milchzusammensetzung von Original Braunviehk√ľhen zu untersuchen. Mittels linear gemischter Modellanalyse wurde der finale Datensatz bestehend aus 4034 Milchproben von 237 K√ľhen auf die fixen Effekte der Parit√§t, Tage Laktation, Kalbesaison und deren Interaktionen erster Ordnung korrigiert. Hervorzuheben ist, dass Originale Braunviehk√ľhe typischerweise in extensiven Bergbauernh√∂fen gehalten werden, die sich durch geringe Futterqualit√§t, Sommerweide und Transhumanz charakterisieren. Daher k√∂nnen Original Braunviehk√ľhe anderen Rassen, einschlie√ülich Brown Swiss, in Bezug auf Effizienz, Anpassungsf√§higkeit, Weidenutzung und Robustheit unter gleichen Bedingungen √ľberlegen sein. Die Ergebnisse in Kapitel 4 zeigen im Allgemeinen eine sehr gute Eignung der Originalen Braunviehrasse f√ľr die alpine Milchwirtschaft in S√ľdtirol, um qualitativ hochwertige Milch und Milchprodukte zu erzeugen.
In einem zweiten Schritt wurde die Wirtschaftlichkeit, bezogen auf die Produktivit√§t (Milch, Fleisch), f√ľr die in S√ľdtirol gehaltenen Rassen berechnet. Hierf√ľr wurden in Kapitel 5 MLP-Daten sowie K√§lber- und Schlachtkuhpreise ber√ľcksichtigt. Neben der deskriptiven Auswertung der Daten wurden eine Varianzanalyse f√ľr die Rassen berechnet. In der Berechnung zeigt sich eine √∂konomische √úberlegenheit der Rasse Holstein Friesian im Vergleich zu den anderen Rassen, da der gegenw√§rtig hohe Milchauszahlungspreis in Bezug auf das Milch-/Fleischpreisverh√§ltnis eine hohe Milchleistung √∂konomisch beg√ľnstigt. Nichtsdestotrotz wird in der Berechnung auch der Effekt der Doppelnutzung ersichtlich, welcher sich in den h√∂heren K√§lber- und Schlachtviehpreisen f√ľr Grauvieh, Pinzgauer und Fleckvieh im Vergleich zu Brown Swiss und Holstein Friesian wiederspiegelt. Im Verlauf des Beobachtungszeitraumes kam es zusehends zu einer Substitution von Brown Swiss durch Fleckvieh aufgrund der √§hnlichen Milchleistung aber einer h√∂herer K√§lber- und Schlachtkuhpreise f√ľr Letztere. Dar√ľber hinaus wird in den Ergebnissen die Best√§ndigkeit der lokalen Rinderrasse Grauvieh und Pinzgauer √ľber den untersuchten Zeitraum deutlich, obwohl deren √∂konomischer Ertrag geringer ausf√§llt als bei Holstein Friesian und Fleckvieh. Diese Erkenntnis und die Tatsache, dass im Vergleich zu anderen L√§ndern in S√ľdtirol nur in einem kleineren Ma√ü eine ‚ÄěHolsteinisierung‚Äú zustande gekommen ist, verdeutlicht das Potential f√ľr die S√ľdtiroler Milchproduktion sich weiter zu diversifizieren, um die lokale Wertsch√∂pfung und die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu steigern.

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