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Humorale Immunität gegen Tollwutvirus bei Hunden, Katzen und Frettchen

Humoral immunity against rabies virus in dogs, cats and ferrets

Jakel, Uta Verena


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-152184
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2020/15218/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Tollwut , Antik√∂rper , Staupe , Impfung , Serologie
Freie Schlagwörter (Englisch): rabies , antibody , distemper , vaccination , serology
Universität Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen
Institut: Institut f√ľr Virologie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der m√ľndlichen Pr√ľfung: 27.06.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 25.06.2020
Kurzfassung auf Deutsch: Die Bestimmung des Antik√∂rpertiters nach der Tollwutimpfung ist f√ľr den Import von Hunden, Katzen und Frettchen aus bestimmten L√§ndern in die EU erforderlich. Trotz ordnungsgem√§√üer Impfung erreicht ein betr√§chtlicher Anteil der Tiere den Grenzwert von 0,5 IU/ml nicht, welcher international daf√ľr anerkannt ist, Schutz vor Erkrankung anzuzeigen.
In einer retrospektiven epidemiologischen Studie wurden die Daten von 1850 Hunden und 91 Katzen ausgewertet, um Risikofaktoren f√ľr Titer unterhalb des Grenzwertes zu identifizieren. Die Daten wurden anhand eines Fragebogens erhoben, mit dem detaillierte Angaben zur Impfgeschichte und begleitender Medikation erfragt wurden. Zus√§tzlich wurden die Daten aller w√§hrend des Studienzeitraums in der Routinediagnostik gegen Tollwutantik√∂rper untersuchten Hunde, Katzen und Frettchen ausgewertet.
Ein geringes Alter, Einfachimpfung und eine lange Zeitspanne zwischen der Impfung und der Blutentnahme erh√∂hten das Risiko f√ľr nicht ausreichende Titer bei Hunden. Als weiterer Faktor, der einen signifikanten Einfluss auf das Testergebnis aus√ľbt, wurde der zur Immunisierung eingesetzte Impfstoff identifiziert. Unterschiede zwischen Impfstoffen blieben auch nach Wiederholungsimpfungen nachweisbar. Die gleichen Risikofaktoren wurden auch in mehrfach geimpften und in √§lteren Hunden identifiziert. Kein relevanter Einfluss wurde f√ľr die zeitgleiche Verabreichung anderer Medikamente, die Rasse und Kastration nachweisbar. Hunde in Deutschland hatten ein signifikant h√∂heres Risiko f√ľr Titer unterhalb des Grenzwertes als Hunde aus anderen L√§ndern.
Katzen hatten im Vergleich zu Hunden ein signifikant niedrigeres Risiko f√ľr nicht ausreichende Titer. Im Allgemeinen waren die Titer von Katzen h√∂her als die von Hunden. Ein geringes Alter, Einfachimpfung und eine lange Zeitspanne zwischen der Impfung und der Blutentnahme wurden als Risikofaktoren f√ľr Titer unterhalb des Grenzwertes ermittelt. Unterschiede zwischen Impfstoffen konnten f√ľr Katzen nicht identifiziert werden, vermutlich aufgrund der geringen Fallzahlen.
Die rechtlichen Anforderungen des Ziellandes waren bei 17,5% der Tiere nicht erf√ľllt. Bei 26,9% der Frageb√∂gen wurden Abweichungen zu den vorher bei Einsendung der Blutproben gemachten Angaben festgestellt.
In prospektiven Impfstudien wurde der Verlauf des Antik√∂rpertiters nach der Erstimpfung und nach Wiederholungsimpfungen gegen Tollwut mit Standardimpfstoffen bei Hunden, Katzen und Frettchen untersucht. Die Risikofaktoren f√ľr nicht ausreichende Titer, die anhand der epidemiologischen Untersuchungen f√ľr Hunde und Katzen identifiziert worden waren, konnten in diesen Impfversuchen best√§tigt werden. Bei Frettchen konnte kein negativer Einfluss einer zeitgleichen Impfung gegen Staupe und Tollwut auf die Antik√∂rperantworten festgestellt werden.
Zuletzt wurde der Einfluss des Testsystems auf die Titerh√∂he untersucht. Jedes Serum wurde im FAVN-Test gegen das zum jeweiligen Impfstamm homologe Virus getestet. Die Ergebnisse wurden mit den im Standardprotokoll, d.h. mit dem heterologen CVS-Stamm erzielten Werten verglichen. Es wurde kein signifikanter Unterschied zwischen dem heterologen und dem homologen Testsystem beobachtet. Somit ergibt sich kein Hinweis auf eine systematische Benachteiligung einzelner Impfst√§mme. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz homologer Virusst√§mme den Anteil nicht ausreichender Testergebnisse nicht signifikant verringern w√ľrde. Die Testparameter f√ľr sich allein erkl√§ren nicht das erh√∂hte Risiko f√ľr Ergebnisse unterhalb des Grenzwertes, welches f√ľr einige Impfstoffgruppen beobachtet wurde. Interessanterweise wurden keine durchg√§ngig besseren Ergebnisse im homologen Testsystem erzielt. Zusammenfassend l√§sst sich sagen, dass der CVS-Stamm f√ľr den Einsatz im FAVN-Test geeignet ist.
Hauptziel der Untersuchung war eine Verbesserung der aktuellen Impfempfehlungen im Hinblick auf die internationalen Reisebestimmungen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Grundimmunisierung gegen Tollwut bei Hunden aus zwei Impfungen bestehen sollte. Vor der Antikörperbestimmung und vor dem Verbringen von Hunden und Katzen zwischen Gebieten mit unterschiedlichem Tollwutrisiko sollten die Tiere mindestens zwei Mal gegen Tollwut geimpft worden sein.
Kurzfassung auf Englisch: Titration of post-vaccinal rabies antibody titres is required by European legislation for entry of dogs, cats and ferrets from certain countries into the EC. Despite orderly vaccination a considerable percentage of animals fail to reach 0.5 IU/ml. This threshold is recognized internationally to indicate protection from infection.
In a retrospective epidemiological study, data from 1850 dogs and 91 cats were analysed to identify risk factors for titres below threshold. Data were collected by means of a questionnaire requesting detailed information on the vaccination history and concurrent medications. Additionally data from routine anti-rabies antibody titration of all dogs, cats and ferrets tested during the study period were analysed. Young age, single vaccination and a long time-lag between vaccination and blood sampling significantly increased the odds for insuffcient titre results in dogs. As additional factor the vaccine used for immunization was identified to significantly influence the outcome of the serological test. Differences between vaccines remained detectable even after revaccinations. The same risk factors were identified in multiply vaccinated and in elderly dogs. No relevant influence was detectable for concurrent medications, breed and neutering. Dogs sampled in Germany had a significantly higher risk for titres below threshold than dogs from other countries.
Cats had a significantly lower risk for insuffcient titres compared to dogs. In general titres in cats were higher than in dogs. Young age, single vaccination and a long time-lag between vaccination and blood sampling were detected as risk factors for results below the threshold level. Differences between vaccines could not be identified in cats probably due to the low number of cases.
Legal requirements of the country of destination were not fulfilled in 17.5% of the animals. In 26.9% of the questionnaires inconsistencies with the data formerly supplied with the blood sample to the laboratory were detected.
In prospective vaccination studies the development of antibody titres after vaccination and evaccination against rabies with standard vaccines was examined in dogs, cats and ferrets. The risk factors for insuffcient titres identified in dogs and cats by the epidemiological survey could be confirmed by these vaccination experiments. In ferrets there was no negative impact of concurrent vaccination against distemper and rabies on the antibody responses.
Finally the influence of the test system on the titre result was tested. The FAVN test was performed using the homologous rabies virus strain corresponding to the individual vaccine strain. The results were compared to those obtained by the standard protocol i.e. using the heterologous CVS strain. No significant difference was observed between the homologous and the heterologous test system indicating no systematic disadvantage of any vaccine strain. Our results demonstrate that the use of homologous test virus strains would not significantly reduce the percentage of results below the threshold level. The test parameters did not explain the higher odds for sub-threshold titres observed for some vaccine groups on its whole extend. Interestingly we did not find consistently improved results in the homologous testing system. In conclusion the CVS strain is suitable for use in the FAVN test.
The main objective of the study was to improve current vaccination recommendations in view of international travel regulations. The results indicate that a two-shot primary vaccination scheme against rabies should be used for dogs. Before testing for anti-rabies antibody titres and before travelling between areas of different rabies risk, dogs and cats should have been vaccinated at least twice against rabies.
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