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Produktives Sprechen im Englischunterricht der Grundschule - Eine empirische Studie zur Bedeutung formelhafter Sequenzen

Productive Speaking in the Primary English Classroom ÔÇô An empirical study on the meaning of formulaic sequences

Kostka, Nina


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-152056
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2020/15205/


Universität Justus-Liebig-Universit├Ąt Gie├čen
Institut: Institut f├╝r Anglistik
Fachgebiet: Anglistik
DDC-Sachgruppe: Englisch
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: GiF:on - Giessener Fremdsprachendidaktik:online ; 15
Sprache: Deutsch
Tag der m├╝ndlichen Pr├╝fung: 02.07.2019
Erstellungsjahr: 2020
Publikationsdatum: 16.07.2020
Kurzfassung auf Deutsch: Produktives Sprechen ist im Grundschulenglischunterricht eher selten zu beobachten (vgl. Roos 2007: 169, Engel 2009: 200). Infolge der ├╝berwiegend imitativ-reproduktiv angelegten Sprechphasen und des h├Ąufig vorzufindenden formelhaften Sprachgebrauchs bleibt f├╝r die F├Ârderung des produktiven Sprechens zu wenig Zeit im Unterricht (vgl. Engel 2009: 198/200, Roos 2007: 183/187). Gleichzeitig wird aber in den amtlichen Verlautbarungen der L├Ąnder u. a. produktives Sprechen (vgl. z.B. HKM 2010: 15) als Ziel des Grundschulenglischunterrichts ausgegeben. Auch wird der Einsatz formelhafter Sequenzen ausdr├╝cklich bef├╝rwortet (vgl. z.B. HKM 2010: 20). Hiervon ausgehend befasst sich die Untersuchung mit der zentralen Frage, welche Bedeutung dem formelhaften Sprachgebrauch f├╝r das produktive Sprechen (hier eingegrenzt auf das dialogische Sprechen) im Grundschulenglischunterricht (3. Klasse/erstes Lernjahr) zukommt. Ziel der Untersuchung ist es, eine vorl├Ąufige, modellartige Vorstellung hinsichtlich der Entwicklung des produktiven Sprechens im Grundschulenglischunterricht zu erarbeiten.
Um der oben genannten Frage nachzugehen, wurde im Rahmen eines partizipativen Aktionsforschungs-projektes ein Unterrichtsmodell zur F├Ârderung des produktiven Sprechens entwickelt und in Kooperation mit drei Englischlehrkr├Ąften in der 3. Klasse (erstes Lernjahr) erprobt.
Spontansprachliche Sch├╝lerdialoge wurden sowohl im ÔÇÜnat├╝rlichenÔÇś Unterrichtsgeschehen videografisch/ auditiv erfasst, als auch in einer speziell hierf├╝r geschaffenen Erhebungssituation am Ende des Schuljahres erhoben. Dar├╝ber hinaus wurden leitfadengest├╝tzte Lehrerinterviews durchgef├╝hrt, um eine weitere Perspektive auf die Sch├╝lersprechergebnisse, den gestalteten Unterricht und die als beg├╝nstigend eingesch├Ątzten Faktoren f├╝r das produktive Sprechen im Grundschulenglischunterricht zu gewinnen.
Die m├╝ndlichen Sch├╝lersprachdaten wurden zuerst quantitativ-korpuslinguistisch (hier gem├Ą├č einer linguistischen Frequenzanalyse), dann qualitativ-fallorientiert (gem├Ą├č einer kommunikativ-funktionalen Sprechdatenanalyse) analysiert. Die Lehrerinterviews wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungsperspektiven wurden schlie├člich miteinander trianguliert. Auf dieser Grundlage wurden fall├╝bergreifende Tendenzen sowohl hinsichtlich der Auspr├Ągung des produktiv-dialogischen Sprechens in der 3. Klasse (erstes Lernjahr) als auch hinsichtlich tendenziell beg├╝nstigender Faktoren f├╝r die produktive Sprechentwicklung der Lernenden herausgearbeitet.
Eines der zentralen Ergebnisse der Sch├╝lersprechdatenanalyse ist, dass die Drittkl├Ąssler/-innen die erlernten formelhaften Sequenzen (hier vor allem die variabel einsetzbaren patterns) im Laufe des ersten Lernjahres zunehmend produktiver anwenden, obwohl der Gebrauch formelhafter Sequenzen in den Sch├╝lerkorpora aller Leistungsniveaus im Laufe des Schuljahres tendenziell abnimmt. Zudem bringen die Sch├╝ler/-innen mittels des variierten/segmentierten Gebrauchs formelhafter Sequenzen leistungsniveau-unabh├Ąngig pers├Ânliche Kommunikationsbed├╝rfnisse zum Ausdruck.
Die Ergebnisse der Untersuchung deuten u.a. darauf hin, dass der systematische Einsatz inhaltlich flexibel variierbarer patterns einen wichtigen Einfluss auf die produktive Sprechentwicklung der Kinder hat. Au├čerdem lassen die Ergebnisse erkennen, dass die kommunikativ-motivierte Segmentierung der erlernten formelhaften Sequenzen im Unterricht gezielt beeinflusst werden.
Literatur
Engel, Gaby (2009). EVENING ÔÇô Konsequenzen f├╝r die Weiterentwicklung des Englischunterrichts in der Grundschule. In Gaby Engel, Bernd Groot-Wilken & Eike Th├╝rmann (Hrsg.) Englisch in der Primarstufe ÔÇô Chancen und Herausforderungen. Evaluation und Erfahrungen aus der Praxis (S. 197-215). Berlin: Cornelsen.
(HKM) Hessisches Kultusministerium (2010). Bildungsstandards und Inhaltsfelder. Das neue Kerncurriculum f├╝r Hessen. Primarstufe. Entwurf. Moderne Fremdsprachen. Online verf├╝gbar unter https://kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/kc_mfs_prst_201103_21.pdf, (26.09.2018).
Roos, Jana (2007). Spracherwerb und Sprachproduktion. Lernziele und Lernergebnisse im Englischunterricht der Grundschule. T├╝bingen: Narr.

Kurzfassung auf Englisch: Productive speaking is rare to observe in primary EFL classrooms in Germany (cf. Roos 2007: 169, Engel 2009: 200). It is generally assumed that ÔÇô due to the predominance of imitative-reproductive speaking phases and the widespread use of formulaic language ÔÇô there is too little time to encourage productive speaking skills (cf. Engel 2009: 198/200, Roos 2007: 183/187). Nonetheless, according to the official curricula of the German federal states, productive speaking is an important goal in primary EFL education (e.g. HKM 2010: 15). Moreover, in order to promote productive speaking in class, the use of formulaic sequences is explicitly recommended and approved (e.g. HKM 2010: 20).
Based on this, the study investigates young learners┬┤ formulaic language use in the primary EFL classroom, in relation to the development of their productive speaking skills (focusing on dialogical speaking between learners primarily; in the third grade, their first year of learning English). Ultimately, the study aims at developing a preliminary, model-like methodological concept for developing productive speaking skills in the primary EFL classroom.
As part of the research project, a teaching model to enhance productive speaking skills was developed and implemented in cooperation with three third grade-primary school teachers (in the context of a participatory action research project). Spontaneously spoken learner dialogues were recorded in vivo (audio-visual and auditive) during the ┬┤natural┬┤ classroom setting as well as in vitro in an especially created communicative situation at the end of the first year of learning English. Furthermore, semi-structured interviews were conducted with the cooperating teachers to enrich the data with another perspective on the students┬┤ language production, the lesson planning and the contributing factors for productive speaking.
As a first step, the learner speech results were analysed quantitatively/corpus-based (according to a linguistic frequency analysis); next, they were examined qualitatively/case-oriented (according to a communicative-functional speech analysis). All teacher interviews were analysed using content analysis. In a final step, the results of the different research perspectives were triangulated. On this basis cross-case tendencies were worked out ÔÇô not only according to the extent of the productive-dialogic speaking in the third grade (the first year of English) but also according to the factors that potentially contribute the learners┬┤ productive speech development.
One important finding is that third graders use the learned/acquired formulaic sequences (mainly the variable patterns) productively in the course of their first year of English. A second key finding is that primary EFL learners use formulaic sequences in a varied/segmented way to express their personal communicative needs. However, as expected, the use of formulaic sequences decreases over time. In sum, the study indicates that the systematic use of content-flexible and variable patterns in class can have a substantial impact on the children┬┤s development of productive speaking skills.
Literature
Engel, Gaby (2009). EVENING ÔÇô Konsequenzen f├╝r die Weiterentwicklung des Englischunterrichts in der Grundschule. In Gaby Engel, Bernd Groot-Wilken & Eike Th├╝rmann (Hrsg.) Englisch in der Primarstufe ÔÇô Chancen und Herausforderungen. Evaluation und Erfahrungen aus der Praxis (S. 197-215). Berlin: Cornelsen.
(HKM) Hessisches Kultusministerium (2010). Bildungsstandards und Inhaltsfelder. Das neue Kerncurriculum f├╝r Hessen. Primarstufe. Entwurf. Moderne Fremdsprachen. Online verf├╝gbar unter https://kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/kc_mfs_prst_201103_21.pdf, (26.09.2018).
Roos, Jana (2007). Spracherwerb und Sprachproduktion. Lernziele und Lernergebnisse im Englischunterricht der Grundschule. T├╝bingen: Narr.

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