Giessener Elektronische Bibliothek

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Systematische Entwicklung einer Ernährungs-App für Jugendliche und junge Erwachsene unter Berücksichtigung der sozialen Lebenslage

Systematic development of a nutrition app for adolescents and young adults considering different social backgrounds

Rohde, Anna


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-147613
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2019/14761/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung
Fachgebiet: Haushalts- und Ernährungswissenschaften - Ökotrophologie
DDC-Sachgruppe: Haushaltswissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 05.07.2019
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 07.11.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Ernährung und Übergewicht sind Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE). Verzehrdaten der jungen deutschen Bevölkerung aus verschiedenen sozialen Lebenslagen unterstreichen die Notwendigkeit von Ernährungsinterventionen. mobile Health (mHealth) öffnet hierfür über den Einsatz von Ernährungs-Apps (E-Apps) neue, digitale Wege. Es zeigt sich, dass marktgängige E-Apps eine geringe Akzeptanz bei den Nutzenden aufweisen und die wissenschaftliche Datenlage, wie evidenz- und theoriebasierte Apps für die Zielgruppe entwickelt werden können, bis dato unzureichend ist.
Ziel der vorliegenden Forschungsarbeit war deswegen die systematische Konzeption einer theoriebasierten und zielgruppenspezifischen E-App für Jugendliche und junge Erwachsene (14 bis 25 Jahre) unter Berücksichtigung verschiedener sozialer Lebenslagen zur Förderung eines gesundheitsförderlichen Ernährungsverhaltens. Die forschungsleitenden Fragestellungen lauteten hierfür: (i) Welche Ernährungsparameter müssen verbessert werden? (ii) Welche Eigenschaften einer App können die Einstellungsakzeptanz der Zielgruppe fördern und (iii) welche können zu einer positiven Veränderung des Ernährungsverhaltens motivieren?
Die Vorgehensweise wurde vom Behaviour Change Wheel geleitet und bestand aus drei Phasen. In Phase A ging es darum, das Verhalten der Zielgruppe zu verstehen. Hierfür wurden zuerst eine Pilotstudie (Fokusgruppen, Studie 1) und daraufhin Einzelinterviews (Studie 2) und eine Fragebogenstudie (Studie 3) mit der Zielgruppe durchgeführt. In Phase B wurden die Ergebnisse in App-Funktionen und -Inhalte eines Prototypen I übersetzt. In Phase C folgte die Konzeptevaluation des Prototypen I durch Experteninterviews. Auf Grundlage der Ergebnisse wurde der Prototyp I optimiert.
In Phase A wurden drei Zielverhalten, welche das Risiko für HKE senken können, systematisch ausgewählt: der Verzehr von zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse pro Tag sowie das Trinkverhalten (mindestens 1,5 Litern zuckerfreie Flüssigkeitszufuhr pro Tag, um Konsum von zuckergesüßten Getränken zu verringern). Damit diese Zielverhalten von der Zielgruppe erreicht werden können, wurden in den Studien 1-3 Fähigkeiten, Möglichkeiten und motivationale Aspekte abgeleitet, welche gefördert werden können. Außerdem konnten aus den Studiendaten Zielgruppenpräferenzen für App-Funktionalitäten abgleitet werden, welche die Einstellungsakzeptanz gegenüber der App-Nutzung in der Zielgruppe fördern können. In Phase B wurden Bildung, Training, Anreize, Überzeugung und Befähigung als relevante Interventionsfunktionen identifiziert. Diese wurden systematisch anhand von 14 Verhaltensänderungstechniken (u. a. self-monitoring) und zusammen mit den Zielgruppenpräferenzen in den Prototypen I von Challenge to go (C2go) übersetzt. C2go umfasst eine Obst-, Trink- und Gemüsewelt. In jeder Welt erwarten den Nutzenden Challenges, Feedback, ein Quiz, eine Community und ein Avatar. Durch verschiedene Aktivitäten erreichen Nutzende Level und erhalten Punkte, welche Zugang zu einer Infothek gewähren. Die inhaltliche Entwicklung wurde durch den Health Action Process Approach geleitet. Die Evaluation in Phase C zeigte, dass bestimmte Inhalte und Funktionen des Prototypen I optimiert werden konnten und ein Gesundheitsnutzen als möglich eingeschätzt wird. Dies gilt jedoch nicht für Personen, welche keine Motivation haben ihr Ernährungsverhalten zu verändern.
Insgesamt kann festgehalten werden, dass die vorliegende Forschungsarbeit einen Ansatz zeigt, wie zielgruppenspezifische und theoriebasierte mHealth-Konzepte entwickelt und evaluiert werden können. Sie liefert damit einen wichtigen Beitrag für weitere Forschungsarbeiten im Bereich mHealth, u. a. indem die dargelegte Vorgehensweise als Leitfaden für andere Forschungsarbeiten in diesem Bereich genutzt werden kann. Hierfür wurden Empfehlungen abgeleitet.
Kurzfassung auf Englisch: Diet and obesity are risk factors for cardiovascular diseases (CVD). National dietary data of the young population from various social backgrounds underline the need for nutritional interventions. For this mobile Health (mHealth) offers new digital possibilities through nutrition apps. It turns out that current available nutrition apps are poorly accepted by users, and the scientific data on how to develop evidence-based and theory-based apps for the above-mentioned target group is still insufficient.
The aim of the present research was therefore the systematic design of a theory-based and target group-specific nutrition app for adolescents and young adults (14-25 years), considering different social backgrounds to support a health-promoting dietary behaviour. The guiding research questions were: (i) Which nutritional parameters need to be improved? (ii) Which features of an app can promote the acceptance of the app and (iii) which features can motivate the target group to a positive change in diet?
The procedure was led by the Behaviour Change Wheel and consisted of three phases. Phase A was about understanding the behaviour of the target group. For this purpose, first, a pilot study (focus groups, = study 1), then individual interviews (= study 2), and a questionnaire study (= study 3) were carried out with the target group. In phase B, the results from phase A were translated into app functions and the content of a prototype I. In phase C, expert interviews were carried out to evaluate the concept. Based on the results, prototype I was optimized.
In phase A, three target behaviours that could lower the risk for CVD were systematically selected: the consumption of two servings of fruit and three servings of vegetables per day as well as the drinking behaviour. The latter aims at achieving at least 1.5 litres of sugar-free liquid intake per day so as to reduce the consumption of sugar-sweetened beverages. For the target group to reach these target behaviours, capabilities, opportunities, and motivational aspects were derived in the studies 1-3. In addition, target group preferences for app functionality could be derived from the study data.
It turned out that amongst others low usage effort, concrete examples or reminders can promote a positive attitude towards the app usage in the target audience. Based on the results of phase A, education, training, incentivisation, persuasion and empowerment were identified as relevant intervention functions in phase B. These have been systematically translated into 14 behaviour change techniques (including self-monitoring of behaviour). Together with target group preferences these were translated into the prototype I of Challenge to go (C2go). C2go includes a fruit, drinking and vegetable world where users expect challenges, personal feedback, quizzes and a community, as well as an avatar. Through various activities, users reach levels and receive points that grant access to an information desk. The content development was led by the Health Action Process Approach. Concerning the evaluation in phase C, it was found that certain contents and functions of prototype I could be optimized and that health benefits are considered possible. However, this does not apply to people who are not motivated to change their eating habits.
Overall, it can be stated that the present research shows an approach on how to develop and evaluate target group-specific and theory-based mHealth concepts. Therefore, it makes a crucial contribution to research work in the area of mHealth, amongst others by using the described approach as a guide to other research in this area. To this end, recommendations are presented.
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