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The microbiome of the burying beetle Nicrophorus vespilloides as an untapped source for the screening of bioactive small molecules

Das Mikrobiom des Totengräbers Nicrophorus vespilloides als Ressource für die Suche nach bioaktiven Substanzen.

Heise, Philipp


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-146664
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2019/14666/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Totengräber , Naturstoffe , Mikrobiom , Serrawettin , Antibiotika
Freie Schlagwörter (Englisch): brying beetle , microbiome , antibiotics , natural products , Serrawettin
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Fraunhofer IME-BR
Fachgebiet: Biochemie (FB 08)
DDC-Sachgruppe: Biowissenschaften, Biologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 23.05.2019
Erstellungsjahr: 2019
Publikationsdatum: 04.06.2019
Kurzfassung auf Englisch: Nicrophorus vespilloides is a native species of burying beetles, the reproduction of which depends on small vertebrate carcasses e.g. those of small rodents. Carrion is buried is buried in the soil in order to reduce competitition with other scavenger insects. However, this behaviour unevitably increases the exposition of the carrion to a broad range of soil-borne microorganisms. Therefore, beetles of the genus Nicrophorus have evolved an efficient strategy for carcass preservation, thus to preserving the carrion as food source for its larvae.
It appears, however, that the phenomenon of carcass preservation by burying beetles is one of nature’s best kept secrets. A number of pioneering studies have shown that oral and anal secretions of N. vespilloides contain antimicrobial and preserving and repellent molecules. Notably, beetles of the genus Nicrophorus harbour a unique gut flora, which is applied onto the surface of the carcass in order to contribute to its preservation.
This study focusses on the cultivation of bacterial isolates originating from the gut flora and the antimicrobial compounds produced by those microbes. Therefore, N. vespilloides caught in the wild as well as laboratory-hatched animals were investigated. Beetles were dissected, their gut was removed, and gut-associated microorganisms were cultivated. Pure cultures obtained by this procedure were identified by 16S rRNA gene analysis.
To identify producers of antimicrobial activities, a classical screening for natural products was performed. Approximately 800 extracts were subsequently tested against a broad spectrum of taxonamically defined bacteria and fungi. In the course of this screening, a multitude of antimicrobial activities could be observed.
Some isolates of the highly abundant genus Serratia displayed a broad spectrum of antimicrobial activity. A single isolate, which could be identified as Serratia marcescens, effectively inhibbite Staphylococcus aureus. This strain was selected for further detailed studies. The antibiotic activity was isolated and its structure elucidated by NMR spectroscopy. Finally, the antibiotic principle was identified as serrawettin W2. After purification, this cyclic pentadepsipeptide exhibited antimicrobial activity against further Gram-positive bacteria. Serrawettin W2, which has previously been reported as a nematode repellent, was shown to act as a nematostatic agent. The combination of these antimicribial and nematostatic bioactivities could be of importance for the ecology of burying beetles. After burying, the carcass is not only threatened by microorganisms but also by soil-borne nematodes. Consequently, a symbiosis of Nicrophorus sp. with a beneficial gut bacterium is hypothesised to positively contribute to to the preservation of the carcass, which is used for reproduction of the beetles.
Kurzfassung auf Deutsch: Der Totengräber Nicrophorus vespilloides ist ein heimischer Käfer, der zur Reproduktion das Aas kleiner Wirbeltiere, v. a. Nager, benötigt. Das Vergraben des Kadavers dient der Vermeidung von Konkurrenz mit anderen necrophilen Arthropoden. Dieses Verhalten führt jedoch zwangsläufig zur Exposition des Kadavers gegenüber einer mannigfaltigen, bodenbürtigen Mikrobenflora. Daher sind Käfer der Gattung Nicrophorus auf eine hoch effiziente Konservierungsstrategie angewiesen, um den Kadaver vor unkontrollierter Verwesung zu schützen und ihren Larven als Nahrung zugänglich zu machen.
Diese Konservierung ist ein bislang kaum verstandenes Phänomen in der Natur. Erste Untersuchungen zeigten jedoch, dass im Oral- und Analsekret von N. vespilloides antimikrobielle, konservierende und repellente Substanzen enthalten sind. Darüber hinaus verfügt er über eine ungewöhnliche Darmflora. Diese wird auf die Oberfläche des vorgefundenen Kadavers aufgebracht und trägt höchstwahrscheinlich zu dessen Konservierung bei.
Ziel dieser Studie war die Kultivierung von bakteriellen Isolaten aus der Darmflora des Totengräbers N. vespilloides und deren Untersuchung auf die Bildung antimikrobieller Naturstoffe. Dazu wurden sowohl Wildfänge, als auch im Labor gezüchtete Exemplare untersucht. Die Tiere wurden seziert, der Verdauungstrakt entnommen und die darmassoziierten Mikroorganismen mit verschiedenen mikrobiologischen Methoden kultiviert. Die erhaltenen Darmisolate wurden auf Basis des 16S rRNA Gens identifiziert.
Zur Auffindung von Antibiotikaproduzenten, erfolgte ein klassisches Naturstoff-Screening. Etwa 800 der gewonnenen Extrakte wurden anschließend in Bioaktivitätstests gegen ein umfangreiches, aus taxonomisch definierten Bakterien- und Pilzkulturen bestehendes Spektrum von Testkeimen geprüft. Hierbei wurde eine große Vielfalt an antimikrobiell aktiven Extrakten vorgefunden.
Einige Isolate der häufig isolierten Gattung Serratia zeigten breite antimikrobielle Aktivität gegen die Testorganismen. Ein Isolat, welches als Serratia marcescens identifiziert werden konnte, hemmte Staphylococcus aureus und wurde für eine vertiefende Bearbeitung, d.h. Isolierung und anschließende Strukturaufklärung des antibiotischen Prinzips mittels Kernresonanzspektroskopie (NMR), ausgewählt. Dieses konnte schließlich als Serrawettin W2 identifiziert werden. Das aufgereinigte zyklische Pentadepsipeptid zeigte antimikrobielle Wirkung gegen weitere gram-positive Testkeime. Für das in der Literatur als Repellent gegenüber Nematoden beschriebene Serrawettin W2 wurden außerdem nematostatische Eigenschaften nachgewiesen. Die Kombination dieser antimikrobiellen und nematostatischen Bioaktivitäten könnte von Bedeutung für die Ökologie des Totengräbers sein. Da der Kadaver durch das Vergraben nicht nur Mikroorganismen ausgesetzt ist, sondern auch Nematoden, könnte die Symbiose mit einem solchen Darmbakterium maßgeblich für den Erfolg der Konservierung des als Brutstätte genutzten Kadavers sein.
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