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Auswirkung von Pyurie und Hämaturie auf den Protein-Kreatinin Quotienten im Urin bei Katzen in Abhängigkeit der Urinentnahmeart

Müller, Sina


Originalveröffentlichung: (2018) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (9.436 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-139186
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2019/13918/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Veterinär-Physiologie
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6741-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 07.11.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 02.01.2019
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel dieser Studie war es einen Einfluss der Sedimentuntersuchung sowie der Urinentnahmearten auf den UPC bei Katzen zu untersuchen. Da Katzen mit chronischer Nierenerkrankung und UPC-Werten > 0,4 eine 4-fach höhere Mortalitätsrate haben, ist es wichtig alle präanalytischen und analytischen Einflussfaktoren auf den UPC zu kennen.
Im ersten Studienteil wurde anhand einer prospektiven Untersuchung der Einfluss einer Hämaturie (> 5 RBC/HPF) auf den UPC bestimmt. Katzensammelurin mit einem UPC < 0,2 in welchem keine Erythrozyten auf dem Urinteststreifen oder im Urinsediment nachweisbar waren, wurde Katzenblut in aufsteigender Menge zugemischt. Daraufhin erfolgte eine vollständige Urinuntersuchung (makroskopische Beurteilung, spezifisches Gewicht, Urinteststreifen, Sedimentuntersuchung, Bestimmung des UPCs) eines jeden Urin-Blut-Gemisches. Die Ergebnisse zeigten, dass erst bei einer deutlich roten Farbveränderung und Trübung des Urin-Blut-Gemisches eine klinisch relevante Erhöhung des UPCs (borderline Proteinurie) auftrat. Für eine erste sichtbare makroskopische Veränderung des Urins waren circa 100 RBC/HPF nötig.
Im zweiten Studienteil erfolgte die Auswertung von 339 Datensätzen von Katzen, bei denen eine vollständige Urinuntersuchung inklusive UPC vorlag. Es wurden ausschließlich Erstuntersuchungen berücksichtigt und neben dem Einfluss der Sedimentuntersuchung auf den UPC waren ebenfalls die Urinentnahmearten, der Urin pH-Wert und das spezifische Uringewicht Teil der Untersuchungen. Die UPC-Werte der Katzen wurden anhand der IRIS Guidelines in die UPC Unterkategorien eingeteilt (35,4% UPC < 0,2, keine Proteinurie; 28,0% UPC 0,2-0,4, borderline Proteinurie; 36,3% UPC > 0,4, Proteinurie).
Im jeweiligen Vergleich zum inaktiven Sediment waren signifikant höhere UPC-Werte beim Vorliegen einer Hämaturie (> 5 RBC/HPF) (P= 0,0003), einer Pyurie (> 5 WBC/HPF) (P < 0,0001), der Kombination Hämaturie und Pyurie (> 5 RBC & WBC/HPF) (P < 0,0001) sowie Bakteriurie (jeglicher Nachweis von Bakterien) (P= 0,05) vorhanden. Keine signifikante Unterscheidung der UPC-Werte konnte bei dem Vorliegen einer positiven oder negativen bakteriologischen Untersuchung festgestellt werden (P= 0,2). Das Fehlen einer Hämaturie, Pyurie und Bakteriurie im Urinsediment zeigte eine Spezifität von 100% mit der Urinkultur als Referenztest und somit kann in diesen Fällen auf eine bakteriologische Urinuntersuchung verzichtet werden.
Die signifikanten Unterschiede in den USG Gruppen („1.008 bis 1.012“ vs. „>1.034“ P< 0,0001; „1.013 bis 1.034“ vs. „> 1.034“ P= 0,0069) konnten den Einfluss des spezifischen Gewichtes auf den UPC nachweisen. Je niedriger das USG war, umso höhere UPC-Werte konnten nachgewiesen werden im Gegensatz zum Urinteststreifen (Protein), bei dem der Nachweis mit steigendem USG zunahm. Hingegen konnte kein Zusammenhang einer Proteinurie mit einem sauren Urin pH-Wert gezeigt werden.
Die fragliche diagnostische Verwendbarkeit des Urinteststreifens „Protein“ mit dem UPC als Referenztest konnte vor allem im Zusammenhang mit dem USG gesehen werden, welches für viele falsch negative sowie falsch positive Ergebnisse verantwortlich war.
Aufgrund spezieller Erkrankungen der Katzen bei denen Spontanurin oder Katheterurin untersucht wurde, konnte trotz signifikanter Unterschiede („Katheterurin“ vs. „Zystozenteseurin“ P <0,0001; „Katheterurin“ vs. „Spontanurin“ P= 0,0034; „Spontanurin“ vs. „Zystozenteseurin“ P= 0,0048) keine Aussage über die Verwendung von Spontanurin als Alternative zur Zystozentese getroffen werden. Daher werden weitere prospektive Studien mit Vergleichsproben verschiedener Urinentnahmearten der gleichen Katze benötigt.
Als Fazit der gewonnenen Erkenntnisse dieser Arbeit kann der Urin bei einer nachgewiesenen Hämaturie, solange dieser keine makroskopischen Farbveränderungen aufweist oder im Zusammenhang mit einem aktiven Sediment steht, zur Untereinteilung nach den IRIS Guidelines verwendet werden. Aufgrund der niedrigsten UPC-Werte beim durch Zystozentese gewonnenen Urin (im Median 0,25) sollte nach Möglichkeit diese Urinentnahme bevorzugt werden bis adäquate Vergleichsstudien vorhanden sind.
Kurzfassung auf Englisch: The aim of this study was to investigate the influence of sediment analysis and urine collection methods on UPC in cats. Since cats with chronic kidney disease and UPC values > 0.4 have a fourfold higher mortality rate, it is important to know all pre-analytical and analytical factors influencing UPC.
In the first part of the study, the influence of hematuria (>5 RBC/HPF) on the UPC was determining using a prospective study. Cat collection urine with a UPC < 0.2 in which no erythrocytes were detectable on the urine dipstick or in the urine sediment, cat blood was added in increasing amounts. A complete urinalysis (macroscopic assessment, specific gravity, urine dipstick, sediment, determination of the UPC) of each urine-blood mixture was performed. The results showed that a clinically relevant increase in UPC (borderline proteinuria) did not occur until the urine blood mixture changed colour and became cloudy red. Approximately 100 RBC/HPF were required for the first visible macroscopic change in urine.
In the second part of the study, 339 data set of cats were evaluated, in which a complete urinalysis including UPC was available. Only initial investigations were taken into account and, in addition to the influence of the sediment investigation on the UPC, the urine collection methods, the urine pH value and the specific gravity were also part of the investigations. The UPC values of cats were divided into UPC substages according to IRIS guidelines (35,4% UPC < 0,2, no proteinuria; 28,0% UPC 0,2-0,4, borderline proteinuria; 36,3% UPC > 0,4, proteinuria).
Compared to the inactive sediment, significantly higher UPC values were present in the presence of hematuria (> 5 RBC/HPF) (P= 0.0003), pyuria (>5 WBC/HPF) (P < 0,0001), the combination hematuria and pyuria (> 5 RBC and WBC/HPF) (P < 0,0001) and bacteriuria (any detection of bacteria) (P= 0,05). No significant differentiation of UPC values was found in the presence of a positive or negative urine culture (P= 0,2). The absence of hematuria, pyuria and bacteriuria in the urine sediment showed a specificy of 100 % with the urine culture as a reference test and thus a bacteriological urine examination can be dispensed with these cases.
The significant differences in the USG groups (“1.008 to 1.012” vs. “>1.034” P< 0,0001; “1.013 to 1.034” vs. “> 1.034” P= 0,0069) could demonstrate the influence of specific gravity on the UPC. The lower the USG was, the higher the UPC values could be detected in contrast to the urine dipstick (protein), in which the detection increasing USG. However, no connection between proteinuria and acidic urine pH could be shown.
The questionable diagnostic applicability of the urine dipstick “protein” with the UPC as reference test could be seen above all in connection with the USG, which was responsible for many false negative and false positive results.
Due to special diseases of cats in which spontaneous urine or catheter urine was examined, despite significant differences (“catheter urine” vs. “cystocentesis” P <0,0001; “catheter urine” vs. “spontaneous urine” P= 0,0034; “spontaneous urine” vs. “cystocentesis” P= 0,0048) no statement could be made about the use of spontaneous urine as an alternative to cystocentesis. Therefore, further prospective studies with comparative samples of different urine samples from the same cat are required.
As a conclusion of the findings of this work, urine can be used for substaging according to the IRIS guidelines in cases of proven hematuria as long as it does not show any macroscopic colour changes or is associated with an active sediment. Due to the lowest UPC values in cystocentesis urine (median 0,25) this urine collection should be preferred if possible until adequate comparative studies are available.
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