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Einfluss sozialer Ausgrenzung auf die endokrine Stressreaktion bei Frauen : psychologische Prädiktoren der Cortisolstressreaktion

Ruhweza, Jennifer Nadja


Originalveröffentlichung: (2018) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (4.253 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-138697
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13869/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Medizinische Psychologie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6738-0
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 09.08.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 03.12.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit stellt ein grundlegendes menschliches Motiv dar. Wird es nicht erfüllt, wird dies als unangenehm und belastend erlebt. Soziale Isolierung oder geringe soziale Unterstützung finden sich gehäuft bei einer Reihe von psychischen und somatischen Erkrankungen. Als ein potentieller Mediator dieses Zusammenhangs werden neuroendokrine Dysregulationen in Betracht gezogen. Studien konnten zeigen, dass eine kurze experimentell induzierte Episode sozialer Ausgrenzung die Stressreagibilität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA) bei Frauen beeinträchtigt. Frauen, die unmittelbar vor einem experimentellen Laborstressor (Redestress) sozial ausgegrenzt wurden, zeigten im Gegensatz zu sozial eingebundenen Frauen keine Cortisolreaktion auf Redestress. Die vorliegende Arbeit untersucht, ob dieser Effekt auch bei einer zeitlich (15 min) verzögerten Abfolge von sozialer Ausgrenzung und Redestress noch nachzuweisen ist. Weiterhin prüft sie, ob Rumination (eine durch negative Kognitionen gekennzeichneten Verarbeitungsreaktion) über die Ausgrenzungserfahrung einen Zusammenhang mit dem Ausmaß der Cortisolreaktion auf den Redestress aufweist. Soziale Ausgrenzung wird in der vorliegenden Studie, wie auch in den Vorgängerstudien, über das Cyberball-Paradigma induziert. Dabei handelt es sich um ein virtuelles Ballwurfspiel, in welchem ProbandInnen von computergenerierten MitspielerInnen entweder vom Spiel ausgeschlossen oder eingebunden werden. N=84 Studentinnen wurden randomisiert auf die beiden Untersuchungsbedingungen Ein- vs. Auschluss zugeordnet. Cortisol und die psychische Befindlichkeit wurden messwiederholt erhoben, Rumination über die Cyberball-Erfahrung wurde am Versuchsende erfasst.
Wie auch in den Vorgängerstudien zeigte sich, dass Cyberball eine effektive Methode ist, um das Gefühl von sozialer Ausgrenzung experimentell auszulösen. Cyberballausgrenzung hatte einen unmittelbaren Effekt auf die Stimmung (v. a. hinsichtlich Trauer und Ärger). Im Vergleich zu eingeschlossenen Probandinnen fühlten sich ausgegrenzte Probandinnen unmittelbar nach Cyberball signifikant ausgeschlossen und erlebten z. B. weniger Zugehörigkeit. Hinsichtlich der Cortisolreaktion auf den Redestressor zeigten im Gegensatz zu den Vorgängerstudien beide Gruppen (Ein- und Ausschluss) eine endokrine Stressreaktion. Dies deutet darauf hin, dass der in den Vorgängerstudien beobachtete Effekt einer ausbleibenden Cortisolstressreaktion bei ausgegrenzten Probandinnen eher kurzfristiger Natur und schnell reversibel ist. Das in der vorliegenden Arbeit eingefügte 15-Minuten-Intervall zwischen Cyberball und Redestress scheint demnach zu einer Erholung der HHNA-Reaktivität beigetragen zu haben. Allerdings war die Cortisolausschüttung bei ausgegrenzten Probandinnen insgesamt signifikant geringer, ein Befund, der im Einklang mit den Vorgängerstudien steht. Demnach hat die Ausgrenzungserfahrung weiterhin einen hemmenden Effekt auf die Cortisolfreisetzung, wenn auch die Reaktivität an sich nicht mehr beeinträchtigt zu sein scheint. Hinsichtlich cyberball-bezogener Rumination und einem potentiellen Zusammenhang zum Ausmaß der Cortisolreaktion auf den Redestress ergab sich, dass cyberball-bezogene Rumination in der Ausgrenzungsgruppe ein signifikanter Prädiktor für die Cortisolstressreaktion war. Betrachtet man die Richtung der Vorhersage, zeigte sich, dass verschiedene Arten der Rumination unterschiedlich mit der Cortisolreaktion auf Redestress assoziiert waren. Während eine eher spezifische Rumination mit konkreten Inhalten eine positive Korrelation aufwies, war eine unspezifische Rumination mit wenig konkreten Inhalten negativ korreliert. Eine solche ziellose Rumination ohne konkreten Fokus wird als dysfunktional betrachtet und gleicht einem depressiven Ruminationsstil. Soziale Ausgrenzung triggert demnach einen dysfunktionalen kognitiven Verarbeitungsstil, welcher eine adäquate Reaktion auf eine folgende Stresssituation zu stören vermag.
Kurzfassung auf Englisch: The need for belonging is a fundamental human motivation. If this need is left unfulfilled, the individual experiences this as unpleasant and distressing. Social isolation and lack of social support are associated with a number of mental and physical health disturbances. Imbalance of the hypothalamus-pituitary-adrenocortical-axis (HPA-axis) might be a mediator in this context. In previous studies, a brief sequence of experimentally induced social exclusion was found to alter HPA-axis stress reactivity in women. Women who experienced social exclusion failed to mount a cortisol response to a laboratory public speaking task which was applied immediately after social exclusion. In contrast, included women exhibited significant responses. The present study examines whether this observed missing cortisol response after social exclusion in women will persist, when there is a 15-min time gap between social exclusion and subsequent public speaking stress. Furthermore, we examine, whether rumination about the social exclusion experience is associated with the cortisol response after public speaking stress. Rumination is considered to be a maladaptive coping strategy charactarized by negative cognition. As in previous studies, social exclusion was operationalized by the Cyberball paradigm. Cyberball is a virtual ball-tossing game with the participant either being included or excluded by computer-simulated fellow players. N=84 female college students were randomly assigned to one of the two Cyberball conditions: social exclusion and inclusion. Salivary cortisol and subjective mood were measured repeatedly throughout the experiment. At the end of the study, we assessed Cyberball-related rumination.
In line with the mentioned previous studies, this study showed that the induction of social exclusion via Cyberball successfully induced feelings of being excluded. Cyberball-exclusion had an immediate and strong effect on mood, particularly with respect to depression and anger. Excluded participants felt significantly more excluded immediately after Cyberball und experienced lower feelings of e. g. belonging. With respect to the cortisol response to public speaking stress, unlike previous studies, both groups showed an endocrine response to the public speaking task. This result suggests that the previously found exclusion-induced cortisol nonresponse to public speaking is rather a shortterm and transitory effect. The 15-min time gap between Cyberball and public speaking stress might contribute to a recovery of the HPA-axis responsivity. On the other hand, the overall cortisol output of the excluded participants was significantly lower; a result which is in line with previous findings demonstrating an inhibitory effect of Cyberball exclusion on cortisol secretion.
With regard to Cyberball-related rumination and its possible association with the cortisol response to public speaking stress, Cyberball-related rumination was a significant predictor of the cortisol stress response. Concerning the direction of this association, different apsects of rumination were differentially associated with the cortisol response to public speaking. While rumination comprising rather specific aspects of the exclusion experience was positively correlated with the cortisol stress response, unspecific rumination showed a negative correlation. This kind of unspecific rumination is considered to be dysfunctional, similar to depressive rumination. Thereby, social exclusion triggers a dysfunctional cognitive coping strategy inhibiting anadequate reaction to subsequent stress.
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