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Bedeutung von Lebensqualität und Lebenszeit für herzchirurgische Patienten im Vorfeld der Operation

Importance of quality of life and lifetime for cardiac surgery patients in advance of the operation

Puvogel, Ulrike


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-138391
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13839/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Herz-, Kinderherz- und Gefäßchirurgie
Fachgebiet: Medizin
DDC-Sachgruppe: Medizin
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 30.10.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 21.11.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Hintergrund und Ziel: Durch den demographischen Wandel mit zunehmend hochalten multimorbiden Patienten sind an das Risiko adaptierte Therapieformen entwickelt worden, deren Effektivität in der Reduktion der Mortalität, weniger im funktionellem Erhalt der Lebensqualität gemessen wird. Auch wenn deren Ausprägung vor und nach kardiochirurgischen oder katheterinterventionellen Verfahren zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Beurteilungen rückt, ist bisher nicht bekannt, wie der wirkliche Wunsch der Patienten hinsichtlich ihres Behandlungserfolges ist und zu werten ist.
Ziel dieser Arbeit ist daher die Identifikation des Patientenwunsches hinsichtlich Lebensqualität oder Lebenszeit vor herzchirurgischen Maßnahmen.
Material und Methoden: Im Rahmen einer prospektiven multizentrischen explorativen klinischen Studie wurden dafür insgesamt 1022 Patienten, davon 250 Patienten von Mai 2016 bis November 2016 in Gießen, vor einer elektiven Operation am Herzen und vor der Operationsaufklärung, befragt. Die Rekrutierung weiterer Patientenkollektive erfolgte unter der Gesamtverantwortung von Prof. Dr. Andreas Simm aus Halle. Zur Erfassung des Patientenwunsches wurde ein eigens für die Untersuchung entwickelter Fragebogen verwendet. Die Ergebnisse des Fragebogens wurden im Kontext klinischer Daten, insbesondere hinsichtlich Alter, Geschlecht, Art und Schwere der Grunderkrankung und im Kontext der sozialen und geographischen Situation des Patienten bewertet.
Ergebnisse: In Gießen würden bis zu 71% der Patienten zugunsten der Lebensqualität auf Lebenszeit verzichten. Diese Präferenz für Lebensqualität ist altersunabhängig. Für Frauen spielt die Lebensqualität eine bedeutendere Rolle als für Männer, unabhängig davon, wo sie leben. Für 60,5% der Patienten des Gesamtkollektives hat die Lebensqualität nach Herzoperation ebenfalls eine größere Bedeutung als die verbleibende Lebenszeit. Im Gegensatz zu Gießen würde sich die Mehrheit der Patienten in Halle, besonders die jungen und mittelalten, für eine Lebenszeitverlängerung entscheiden.
Schlussfolgerung: Dem überwiegenden Wunsch nach Bewahrung oder Verbesserung der Lebensqualität durch herzchirurgische Maßnahmen kann heute durch weniger traumatisierende Therapiemöglichkeiten entsprochen werden. Besonders bei Frauen und bei älteren Patienten sollte sich die zukünftige Aufklärungspraxis auch an der hohen Wertigkeit der Lebensqualität, weniger ausschließlich an der Verlängerung des Lebens, orientieren.
Kurzfassung auf Englisch: Background: Due to the demographic change with increasingly high-grade multimorbid patients, adapted forms of therapy have been developed, the effectiveness of which is measured in the reduction of mortality rather than in the functional preservation of living quality. Even if their characteristics before and after cardiac– surgical or catheter-interventional procedures are becoming increasingly focused in scientific appraisals, it is still not known how to assess the real wishes of patients with regard to the success of the treatment.
The aim of this study, therefore, is to identify the patient ́s desire concerning the quality of life or the life span prior to cardiac surgery.
Methods: 1.022 patients, 250 of whom were in Gießen between May 2016 and November 2016, participated in a prospective multicenter explorative clinical study and were interviewed prior to surgical consent and subsequent elective heart surgery. The recruitment of further patients took place under the overall responsibility of Prof. Dr. med. Andreas Simm from Halle. A questionnaire was especially designed for the study in order to record the patient ́s request. The results of the questionnaire were evaluated in the context of clinical data, with particular regard to age, gender, type and severity of the underlying disease and also in the context of the social and geographical situation of the patient.
Results: In Gießen, up to 71% of patients would forfeit life span in favour of quality of life. This preference for life quality is indifferent to age. Quality of life plays a more important role for women than for men regardless of where they live. Also, 60.5% of the total patient collective considers the quality of life after cardiac surgery is more important than the remaining life span. Contrary to Gießen, the majority of patients in Halle, especially the younger and middle-aged, would opt for a life span extension.
Conclusion: The predominant wish to preserve or improve the quality of life through cardiac surgery can be met today with less traumatizing therapies. Especially with women and elderly patients, all future educational practice should be orientated on the quality of life rather than the extension of life span.
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