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Wortschatzerweiterung in autonomen Erwerbskontexten : zum systematischen Ausbau des individuellen Erweiterungswortschatzes Fortgeschrittener im Land der Zielsprache

Kilsbach, Sebastian


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-138219
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13821/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): Wortschatz , Lernerautonomie , Grundwortschatz , Gesamtwortschatz , Erweiterungswortschatz
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für Germanistik
Fachgebiet: Germanistik
DDC-Sachgruppe: Deutsch
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.08.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 14.11.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Die Arbeit fokussiert den Wortschatzerwerb fortgeschrittener Lerner des Deutschen als Fremdsprache, die in einem deutschsprachigen Land für längere Zeit leben. Sie definieren sich durch einen bereits erworbenen Grundwortschatz, müssen und wollen durch ihre neue lebensweltliche Verortung – sei es zwecks eines Studienaufenthalts oder zu Arbeitszwecken – diesen aber ausbauen. Dieser Prozess läuft bislang zumindest teilweise autonom, weshalb die Zielgruppe nun täglich mit dem unermesslichen Umfang des Gesamtwortschatzes konfrontiert ist. Der institutionelle Erwerb kann unmöglich alle lexikalischen Facetten des Deutschen vermitteln.

Ziel der Arbeit ist daher die Formulierung von Konzeptionskriterien eines Wortschatzprogramms, welches diesen Prozess zu systematisieren hilft. Werkinterner Arbeitsbegriff ist dabei „personalisiertes Wörterbuch“. Das Vorgehen fußt auf zwei Grundgedanken: Erstens gilt es sich beim Ausbau dieses individuellen Erweiterungswortschatzes quantitativ und mental-kognitiv am Wortwissen von Muttersprachlern zu orientieren. Auch diese beherrschen und benötigen nur einen Bruchteil des tatsächlichen Gesamtwortschatzes, der im zielsprachlichen Vokabular zur Verfügung steht. Welche Ausdrücke dazu zählen ist zweitens von der persönlichen Prägung der Fortgeschrittenen abhängig und kann sich durch divergierende Interessen, die Region in der man lebt und nicht zuletzt dem Fachwortschatz des ausgeübten Studiums/Berufs deutlich unterscheiden. Das personalisierte Wörterbuch gibt daher keinen auf dem Grundwortschatz anknüpfenden Aufbauwortschatz vor. Lernerzentrisch kann der Fortgeschrittene selbst entscheiden, welche lexikalischen Anteile von Relevanz sind.

Zu diesem Zweck wird in der Arbeit zunächst definiert, wodurch sich das Attribut „fortgeschritten“ auszeichnet. Neben den wichtigsten Kriterien – dem vorliegenden Grundwortschatz und dem dauerhaften Aufenthalt in einem deutschsprachigen Land – zählen hierzu weitere Parameter wie die intrinsische Motivation oder die Interaktion mit Muttersprachlern: Soziologisch unterschiedliche Bezugsgruppen sorgen für unterschiedliche Relevanzakzentuierungen lexikalischer Art.
Es folgt eine Beleuchtung der beiden Bezugsgrößen des Erweiterungswortschatzes: namentlich Gesamt- und Grundwortschatz. Neben einer quantitativ-linguistischen Beschreibung des Gesamtwortschatzes geht in diesem Kapitelkomplex auch eine Annäherung an die kognitiven Modalitäten des mentalen Lexikons einher. Auf dessen Basis wird die Struktur des personalisierten Wörterbuchs in Form von Wortformen auf Wortrelations- bzw. Wortbildungsebene und Varietäten des deutschen Standards formuliert. Zur ersten Gruppe zählen Komposita, Synonyme, Okkasionalismen, Phraseologismen, Inhaltsfelder und Kollokationen, zur zweiten nationale Standardvarietäten und Dialekte. (Auch Soziolekte und Fachsprachen sind Gegenstand der relevanten Varietätsebenen, bleiben in der exemplarischen Darstellung der daraus resultierenden konzeptionskriteriellen Konsequenzen aber ausgespart.)

Bevor diese einzeln aus didaktischer und deskriptiv-linguistischer Perspektive analysiert werden, folgt eine Betrachtung des Grundwortschatzes. Dabei geht es konkret um Evaluation, Diskursgeschichte und Kritiklinien (frequenzbasierter) Grundwortschatzlisten, aber auch um die Frage, welche Wortgruppen ausgespart bleiben und tendenziell im Erweiterungswortschatz zu verorten sind.

In der besagten Analyse der verschiedenen Sprachebenen wird in der Regel an didaktische Methoden aus dem institutionalisierten Erwerb angeknüpft. Während dies bei Wortrelationstypen wie Phraseologismen oder Inhaltsfeldern glückt, erfolgt ansonsten eine stärker sprachwissenschaftliche Herangehensweise, wobei der deskriptiven Linguistik die Funktion einer Hilfswissenschaft beikommt. Am Ende jedes Kapitels werden konkrete Konzeptionskriterien ermittelt
Diese zeigen, wie eine vernetzte und systematische Einspeicherung neuer lexikalischer Einheiten mit anderen Wörtern erfolgen könnte. Das Vorgehen versteht sich dabei als grundsätzlich lernerzentrisch. Vorgaben des personalisierten Wörterbuchs halten sich im Hintergrund. Möglichst viele Vernetzungsoptionen und metasprachliche Angaben sollen vom Nutzer selbst vorgenommen werden, um die Ausbildung eines Erweiterungswortschatzes im immersiven Erwerbskontext zu begleiten.
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