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Evaluation eines peer-gestützten Trainings früher mathematischer Kompetenzen bei Vorschülern

Vossen, Armin


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-137960
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13796/

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Freie Schlagwörter (Deutsch): mathematische Basiskompetenzen , Förderung , Kindergarten , peer-gestützte Förderung , Evaluation
Freie Schlagwörter (Englisch): math skills , prevention , kindergarden , peer-tutoring
Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Institut für schulische Prävention und Evaluation
Fachgebiet: Psychologie
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 13.09.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 14.11.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Forschung zur Entwicklung mathematischer Kompetenzen zeigt, dass Mathematiklernen nicht erst mit dem Mathematikunterricht beginnt. Uneins sind sich Wissenschaftler allerdings noch darin, wann die Entwicklung beginnt. Für das Kindergartenalter konnte bereits ein fundiertes Entwicklungsmodell von Krajewski (2007) erstellt und umfassend evaluiert werden. Auf dieser theoretischen Fundierung entwickelten Krajewski, Nieding & Schneider (2007) das Förderprogramm „Mengen, zählen, Zahlen (MZZ)“. Auch dieses Programm ist umfassend erfolgreich evaluiert (für einen Überblick: Krajewski & Simanowski, 2016).
In den USA entwickelten Forscher aus einer Bildungskrise heraus eine peer-gestützte Fördermethode, in der zwei Kinder zusammenarbeiten, wobei ein Kind die Tutandenrolle und ein Kind die Tuteerolle erhält (Delquadri, Greenwood, Whorton, Carta & Hall, 1986). Der Tutand überwacht und korrigiert die Handlung des Tutee. Mit dem Förderprogramm PALS konnten D. Fuchs, L. S. Fuchs, P. G. Mathes & D. C. Simmons (1997) zeigen, dass die Methode signifikant höhere Fördererfolge erzielt als konventioneller Unterricht. Dies bestätigt u.a. eine Metaanalyse von Rohrbeck, Ginsburg-Block, Fantuzzo & Miller (2003) für peer-tutorielle Methoden im Allgemeinen.
In der vorliegenden Studie wird erstmalig in Deutschland untersucht, ob eine peer-gestützte primärpräventive Förderung mathematischer Vorläuferkompetenzen bei Vorschülern wirksam ist und ob diese im Vergleich zur bisher empirisch bewährten Version mit direkter Instruktion zu einem höheren Fördererfolg führt. Dazu wurde das oben genannte MZZ an die Anforderung peer-gestützter Förderung angepasst und ein Drei-Gruppen-Design mit Prä-, Post- und Follow-Up Testung gewählt. Eine Gruppe erhielt die im Kindergarten üblichen Vorschulmaßnahmen (n = 217), eine weitere Gruppe erhielt eine Förderung mit dem MZZ in kleingruppen-orientierter Methodik (n = 165) und eine letzte Gruppe erhielt eine Förderung mit dem MZZ in peer-gestützter Methodik (n = 161). Der Förderzeitraum betrug acht Wochen. Die Testungen erfolgten unmittelbar vor und nach dem Förderzeitraum, sowie drei und sechs Monate nach Ende der Förderung. In den Testungen wurden sowohl Kompetenzen entsprechend des Entwicklungsmodells mathematischer Basiskompetenzen, als auch Kontrollvariablen wie Intelligenz, Arbeitsgedächtnismaße, Abruf aus dem Langzeitgedächtnis, Sprachentwicklungsstand und Phonologische Bewusstheit überprüft. Im Follow-Up, sechs Monate nach Ende der Förderung, wurde als inhaltsnahes Transfermaß die Rechenkompetenz überprüft. Außerdem wurde ein eigenes Verfahren entwickelt, um das On- und Off-Task-Verhalten der Kinder in Fördersitzungen quantitativ zu erfassen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder der peer-gestützten Förderung zum Nachtest einen signifikant höheren Leistungsstand aufweisen, als Kinder der beiden anderen Gruppen. Zum Zeitpunkt drei Monate nach Ende der Förderung konnte weder für die kleingruppen-orientierte noch für die peer-gestützte Förderung ein Fördererfolg gefunden werden. Sechs Monate nach Ende der Förderung ist die kleingruppen-orientierte Förderung den beiden anderen Gruppen überlegen. Sie erzielen zudem einen inhaltsnahen Transfereffekt auf die Rechenkompetenz. Das Förderprogramm kann als inhaltsspezifisch bezeichnet werden, da weder kurz- noch langfristig ein inhaltsferner Transfererfolg gefunden werden konnte. Es zeigte sich zu verschiedenen Messzeitpunkten, dass sowohl sprachkompetentere als auch intelligentere Kinder einen höheren Leistungszuwachs unabhängig von der jeweils durchgeführten Art der Förderung erzielen können. Für die längerfristige Entwicklung der Tutees konnte gezeigt werden, dass ein häufiges OffTask-Verhalten den Fördererfolg negativ beeinflusst. Außerdem sollte die Leistungsdifferenz zwischen Tutand und Tutee hoch sein, um einen größtmöglichen Transfererfolg auf die Rechenkompetenz beim Tutee bewirken zu können. Ebenfalls beeinflussen ein hohes Ausgangsniveau des Tutanden in mathematischen Fertigkeiten und in der Sprachkompetenz den Transfererfolg auf die Rechenkompetenz des Tutee positiv.
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