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Retrospektive Studie über das Kolikverhalten, das Allgemeinbefinden, die Leistung und die Rittigkeit von Pferden vor und nach minimalinvasivem laparoskopischem Verschluss des Milz-Nieren-Raums

Wünsch, Verena Katarina


Originalveröffentlichung: (2018) Giessen : VVB Laufersweiler Verlag
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (10.920 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-136718
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13671/

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Universität Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut: Klinik für Pferde (Chirurgie)
Fachgebiet: Veterinärmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
Zeitschrift, Serie: Edition scientifique
ISBN / ISSN: 978-3-8359-6691-8
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.04.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 07.08.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Ziel der vorliegenden retrospektiven Studie war es, das grundsätzliche postoperative Kolikverhalten von Pferden zu ermitteln, deren MNR laparoskopisch verschlossen wurde. Weiterhin wurde der Frage nachgegangen, ob und inwieweit sich der erfolgreiche Verschluss, neben dem Ausschluss von Rezidiven einer Verlagerung des Colon ascendens in den MNR, auf das postoperative Allgemeinbefinden, auf die Leistungsfähigkeit und die Rittigkeit von Pferden auswirkt.
Die für die Studie relevanten Angaben wurden mittels persönlicher Befragung der jeweiligen Pferdehalter gewonnen und von der Autorin in einen Fragebogen übertragen, der im Vorfeld unter Zuhilfenahme des SurveyMonkey® Programms entworfen und validiert worden war. Die Zuverlässigkeit der Daten stand in direkter Abhängigkeit vom objektiven Wahrheitsgehalt der Antworten. Erhoben wurden einerseits Daten über Signalement, Häufigkeit der Kolikepisoden, Symptomatik und Diagnostik vor und nach laparoskopischem MNR-Verschluss sowie verschiedene Parameter des Allgemeinbefindens, der Leistung und der Rittigkeit. Darüber hinaus wurden auch Daten über prae- und postoperative Laparotomien aufgrund von Kolik, Wundheilung und Rekonvaleszenz nach MNR-Verschluss sowie die Zufriedenheit der Pferdehalter erfragt. Im Anschluss wurden die Daten statistisch mit dem Programm SPSS (IBM SPSS Statistics für Windows, Version 21, IBM Corporation) und dem Statistikprogramm R (Version 3.1) ausgewertet.
Das Patientengut dieser Studie umfasste 44 Pferde, an denen im Zeitraum von Januar 2009 – Juni 2014 ein einheitlicher laparoskopischer MNR-Verschluss durchgeführt wurde. Zum Zeitpunkt der Befragung lag das jeweilige Operationsdatum mindestens ein Jahr bis höchstens 6,5 Jahre zurück. Damit war sichergestellt, dass die erhobenen Daten auf der Beobachtung von Symptomen und Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum hinweg beruhten. Alle Pferde waren vor dem Eingriff an mindestens einer Kolikepisode erkrankt.
Warmblüter (59,6 %) und Wallache (51,9 %) waren in dieser Studie für die Kolikerkrankung einer Verlagerung des Colon ascendens in den MNR prädisponiert. Vor Verschluss des MNRs zeigten drei Pferde (6,8 %) eine einmalige Kolikepisode, die restlichen 41 Pferde (93,2 %) zeigten mindestens 2-3 Kolikepisoden, wovon 18 Pferde (40,9 %) an mehr als zehn Koliken litten. Der rektale Befund der Verlagerung des Colon ascendens in den MNR wurde bei 43 Pferden (97,7 %) mindestens einmal diagnostiziert. Drei Pferde (6,8 %) fielen durch sehr milde Koliksymptomatik auf, da sie nur Apathie oder ruhiges Liegen zeigten. 23 Pferde (52,3 %) hingegen zeigten heftige Kolik. Bei 17 Pferden (38,6 %) war vor Verschluss des MNRs eine Laparotomie erforderlich, in welcher die Diagnose bestätigt wurde. Bei fünf Pferden (11,4 %) waren zwei Laparotomien erforderlich.
Der Verschluss des MNRs verlief in einheitlicher laparoskopischer Technik durch Naht komplikationslos. Wundheilungsstörungen traten lediglich bei einem Pferd (2,4 %) in Form von entzündlicher Veränderung im Bereich der Endoskopieportale auf. Die Dauer der Rekonvaleszenz betrug bei 20 Pferden (47,6 %) bis zu acht Wochen, bei 22 Pferden (52,4 %) wurde sie aus Gründen vom Eingriff unabhängiger Gegebenheiten (16,7 %) überschritten. Zwei Pferde (4,5 %) wurden aufgrund postoperativer Komplikationen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Laparoskopie standen, innerhalb von drei Wochen euthanasiert.
Die statistische Auswertung nach der Häufigkeit der Kolikepisoden nach Verschluss des MNRs ergab eine signifikante Verbesserung um 50,0 %. Bei fünf Pferden (11,9 %) zeigte sich keine Veränderung in ihrem Kolikverhalten, bei den restlichen 37 Pferden (88,0 %) verringerte sich die Anzahl der Koliken, wobei der deutlichste Unterschied bei denjenigen Pferden zu verzeichnen war, welche vor MNR-Verschluss mehr als zehn Koliken gezeigt hatten und nach dem Eingriff keine Kolikepisode mehr zeigten. Bei zwei Pferden (4,8 %), die nach MNR-Verschluss wiederum an Kolik erkrankten, wurde ein Rezidiv einer Verlagerung des Colon ascendens in den MNR diagnostiziert. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte das Ausreißen der Naht sein.
Im Hinblick auf das Allgemeinbefinden, die Leistung und die Rittigkeit der Pferde zeigte sich eine signifikante Verbesserung in den Parametern Vitalität, Gewichtszunahme, Gelassenheit, Lockerheit und Leistung. Weitere Parameter wie Rückenprobleme, häufiges Schweifschlagen, Schlagen gegen den Schenkel und Probleme beim Satteln ließen eine tendenzielle Verbesserung erkennen.
Die Zufriedenheit der Pferdebesitzer mit dem postoperativen Ergebnis basierte auf postoperativem Auftreten jeglicher Kolikform, einer Veränderung des Allgemeinbefindens oder der Rittigkeit. Sehr zufrieden oder zufrieden waren 37 Pferdehalter (84,1 %).
Die bei der Datenerhebung ermittelte Prozentzahl (22,7 %) von koppenden Pferden kann Anlass für weiterführende wissenschaftliche Untersuchungen geben.
Kurzfassung auf Englisch: This retrospective study had the purpose of investigating the general post-surgical occurrence of colic episodes in horses that had undergone a laparoscopic closure of the nephrosplenic space. Moreover, the study addressed the question whether and if so, to what extent, such successfully performed closures, in addition to excluding the recurrence of a displacement of the colon ascendens into the nephrosplenic entrapment of the large colon, impact post-surgically the general wellbeing, performance and rideability of horses.
The relevant information for this study was collected with the help of personal interviews of the respective horse owners and subsequently transferred by the author to a questionnaire which had been designed and validated earlier on with the help of the SurveyMonkey® Program. The reliability of the data was directly correlated to the objective truth content of the respective answers. Data were gathered, on the one hand, about signalment, the frequency of colic episodes, symptoms and the diagnostic measures before and after the laparoscopic closure of the nephrosplenic space, in addition to various parameters of general wellbeing, performance and rideability. Moreover, data were collected on pre- and post-surgical laparotomies that had been performed due to colic, in addition to information about wound healing and convalescence after the laparoscopic closure of the nephrosplenic space, and also the horse owners’ satisfaction. Subsequently, the data were statistically evaluated with the help of the SPSS Program (IBM SPSS Statistics for Windows, Version 21, IBM Corporation) and the Statistics Program R (Version 3.1).
The patient population of this study consisted of 44 horses that during the period from January 2009 until June 2014 had undergone uniform laparoscopic closures of the nephrosplenic space. At the time of the interviews, the respective surgical interventions had occurred at least 1 year, and at most, 6.5 years earlier. Thus, it was possible to ensure that the collected data were based on the observation of symptoms and behaviors over a longer period of time. All of the horses had experienced at least one colic episode prior to the surgical intervention.
Within the framework of this study, warm-blooded horses (59,6 %) and geldings (51,9 %) showed a pre-disposition for colic disease involving the displacement of the colon ascendens into the nephrosplenic space. Prior to the closure of the nephrosplenic space, 3 horses (6,8 %) had experienced a single colic episode, while the remaining 41 horses (93,2 %) had undergone at least 2–3 colic episodes; 18 of the 41 horses (40,9 %) suffered from more than 10 colic episodes. The rectally determined displacement of the Colon ascendens into the nephrosplenic space was diagnosed at least once in 43 horses (97,7 %), while very mild colic symptoms were found in 3 horses (6,8 %), as they only showed apathy and/or were lying down calmly. However, 23 horses (52,3 %) suffered from severe colic episodes. In 17 horses (38,6 %), it was necessary to carry out a laparotomy prior to performing a closure of the nephrosplenic space, in which the diagnosis was confirmed. In 5 horses (11,4 %), 2 laparotomies were required.
The closure of the nephrosplenic space with the help of the uniform application of laparoscopic techniques was performed without complications. Only 1 horse (2,4 %) experienced difficulties during the wound healing process in the form of inflammatory changes in the area of the endoscopy portals. In 20 horses (47,6 %), the convalescence period lasted up to 8 weeks, in 22 horses (52,4 %), the convalescence period was exceeded on account of independent occurrences (16,7 %). 2 horses (4,5 %) had to be euthanized within 3 weeks due to post-surgical complications that were not directly related to the laparoscopy.
The statistical evaluation according to the frequency of colic episodes after a laparoscopic closure of the nephrosplenic space showed a significant improvement by 50,0 %. 5 horses (11,9 %) did not show any changes in their colic-related behavior, in the remaining 37 horses (88,0 %), the incidence of colic episodes declined, whereby the most significant difference could be noted in horses that had suffered from more than 10 colic episodes prior to the laparoscopy closure of the nephrosplenic space, that experienced no further colic episodes after the intervention. 2 horses (4,8 %) that again experienced a colic episode after the laparoscopic closure of the nephrosplenic space, were diagnosed with a recurrence of the displacement of the Colon ascendens into the nephrosplenic space. A rupture of the surgical sutures might be a possible explanation for this occurrence.
With respect to their general wellbeing, performance and rideability, the horses showed significant improvements for the parameters concerning vitality, weight gain, calmness, looseness and performance. Additional parameters, such as back problems, frequent tail swishing, hitting the rider’s thighs with their hind legs and problems with saddling, a positive trend was apparent.
The horse owners’ level of satisfaction with the post-surgical results was based on the post-operative occurrence of any type of colic episodes, changes in the overall wellbeing and/or rideability. A total of 37 horse owners (84,1 %) were either very satisfied or satisfied with the results.
During the data collection, a percentage of 22,7 % of cribbiting hoses was identified within the overall patient population. This may provide a reason for the performance of further scientific investigations.
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