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Beurteilung des Gerinnungsstatus bei hyperthyreoten Katzen vor und nach einer Radiojodtherapie

Heuser, Katharina


Originalveröffentlichung: (2018) Gießen : DVG Service GmbH
Zum Volltext im pdf-Format: Dokument 1.pdf (8.920 KB)


Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-135382
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2018/13538/

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Universität Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen
Institut: Klinik fĂŒr Kleintiere, Innere Medizin
Fachgebiet: VeterinÀrmedizin
DDC-Sachgruppe: Landwirtschaft
Dokumentart: Dissertation
ISBN / ISSN: 978-3-86345-419-7
Sprache: Deutsch
Tag der mĂŒndlichen PrĂŒfung: 06.03.2018
Erstellungsjahr: 2018
Publikationsdatum: 19.04.2018
Kurzfassung auf Deutsch: Die Hyperthyreose der Katze ist eine Erkrankung, die in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen hat und zurzeit die wichtigste Endokrinopathie der Ă€lteren Katze ist. Die Radiojodtherapie gilt als Goldstandard in der Therapie. In der vorliegenden Arbeit wurden Gerinnungsparameter hyperthyreoter Katzen vor und nach einer Radiojodtherapie untersucht. HierfĂŒr wurden zwischen April 2013 und April 2014 hyperthyreote Katzen eingeschlossen, die keine anderen Erkrankungen aufwiesen, keine die Gerinnung beeinflussenden Medikamente erhielten und zwei Wochen nach Therapie nicht mehr hyperthyreot waren. Bei den so verbleibenden 15 Katzen wurde eine Gerinnungsanalyse mittels HĂ€matokritbestimmung, ThrombozytenzĂ€hlung, Messung von Fibrinogen, Prothrombinzeit (PT), aktivierter Thromboplastinzeit (aPTT) und einem Gobaltest der Gerinnung (Thrombelastographie) durchgefĂŒhrt, und zwar vor Therapie und 2 Wochen danach. Eine Kontrollgruppe aus 10 Ă€lteren Katzen (Ă€lter oder gleich 8 Jahre, gesund, euthyreot, Restblut aus einer GesundheitsĂŒberprĂŒfung vorhanden) wurde ebenso mit gleichen Methoden untersucht. Im Vorfeld der Studie wurde die Wiederholbarkeit einer nativen Thrombelastographie aus Zitratblut anhand 85 Messungen von 35 Katzen untersucht. Korrelationsdiagramme, Bland-Altman-Diagramme sowie die Erstellung eines Variationskoeffizienten (CV) ergaben, dass das Messverfahren im Literaturvergleich die Anforderungen im Sinne der Wiederholbarkeit erfĂŒllt, abgesehen vom Fibrinolyse-Parameter LY30 (CV fĂŒr die TEG-Variablen: R = 10,6%, K = 16,6%, Winkel alpha = 10,4%, MA = 7,9%, G = 17,4%, LY30 = 70,3%) .
Die Gerinnungsparameter der hyperthyreoten Katzen vor Therapie wurden mit der Kontrollgruppe verglichen (Vergleich 1), ebenso die Katzen vor Therapie mit denen nach Therapie (Vergleich 2), sowie die Katzen nach Therapie mit der Kontrollgruppe (Vergleich 3). Es wurden nicht parametrische Tests verwendet, und zwar der Wilcoxon signed rank test bei gepaarten Proben (Vergleich 2) und der Mann- Whitney-U-Test bei ungepaarten Proben (Vergleich 1 und 3).
Der HĂ€matokrit und die Thrombozytenzahl zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Fibrinogenkonzentration im Blut war bei den hyperthyreoten Katzen vor Therapie und auch nach Therapie höher als die der Kontrollgruppe. Dies deutet auf eine HyperfibrinogenĂ€mie wĂ€hrend der Hyperthyreose hin, wie es auch in der Humanmedizin bekannt ist. Unklar bleibt, warum die Katzen nach Therapie weiterhin eine Erhöhung der Fibrinogenkonzentration aufwiesen. Möglich ist, dass zwei Wochen zu frĂŒh waren, um die euthyreote Stoffwechsellage im Körper wiederherzustellen, auch wenn T4 im Blut zu diesem Zeitpunkt nicht mehr erhöht war. Eine andere ErklĂ€rungsmöglichkeit bietet eine durch die Radiojodtherapie ausgelöste EntzĂŒndungsreaktion, im Sinne einer strahleninduzierten Thyreoiditis mit Erhöhung des Akute-Phase-Proteins Fibrinogen. Die PT zeigte sich signifikant kĂŒrzer bei den hyperthyreoten Katzen vor und nach Therapie verglichen mit der Kontrollgruppe, was eine HyperkoagulabilitĂ€t anzeigen kann, eine klinische Relevanz ist dennoch fraglich. Die aPTT zeigte sich nicht signifikant unterschiedlich zwischen den Gruppen. Von den TEG-Variablen waren die R- und die K-Zeit vor Therapie signifikant lĂ€nger als nach der Therapie. Dies weist auf eine langsame Thrombusbildung wĂ€hrend der Hyperthyreose hin, was der Vergleich mit Referenzwerten gleicher Methodik bestĂ€tigt. Dies ist gegensĂ€tzlich zum Menschen bei dem wĂ€hrend der Hyperthyreose eine HyperkoagulabilitĂ€t auftritt. Die klinische Relevanz einer isolierten R- und K-ZeitverlĂ€ngerung ist jedoch unklar, da die Maximalamplitude MA nicht unterschiedlich in diesem Vergleich war. Die MA und G zeigten sich signifikant grĂ¶ĂŸer nach Therapie als bei der Kontrollgruppe. T4 war tendenziell niedriger bei Katzen nach Therapie verglichen mit der Kontrollgruppe, da einige Katzen zwei Wochen nach Therapie hypothyreot waren (8 von 15 Katzen). Hieraus kann eine HyperkoagulabilitĂ€t bei subklinischer hypothyreoter Stoffwechsellage abgeleitet werden, allerdings waren die Unterschiede in den T4-Werten zu gering und der Vergleich von hypothyreoten Katzen mit euthyreoten nicht das Ziel dieser Arbeit, sodass diese Aussage mit Vorsicht zu betrachten ist. Der Lyse-Parameter LY30 zeigte keine signifikanten Unterschiede. Insgesamt zeigte die Arbeit, dass hyperthyreote Katzen eine HyperfibrinogenĂ€mie aufweisen, was den VerĂ€nderungen bei hyperthyreoten Menschen entspricht. Im Gegensatz zum Menschen, bei dem eine Hyperthyreose mit einer Thrombophilie einhergeht, zeigte jedoch die Thrombelastographie bei hyperthyreoten Katzen eine langsamere Thrombusbildung und somit eher Hinweise auf einen hypokoagulablen Zustand. Bei nach der Radiojodtherapie hypothyreoten Katzen waren Tendenzen einer Thrombophilie nachweisbar, wie es auch bei subklinisch hypothyreoten Menschen beschrieben ist. Allerdings mĂŒssen Studien mit höheren Fallzahlen folgen, um die Aussagen zu bekrĂ€ftigen.
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