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Frosch und Kröte als Symbolgestalten in der kirchlichen Kunst

Failing, Jutta


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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:hebis:26-opus-13469
URL: http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2003/1346/


Freie Schlagwörter (Deutsch): Tiersymbolik , Votiv
Universität Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen
Institut: Institut fĂŒr Kunstgeschichte
Fachgebiet: Kunstgeschichte
DDC-Sachgruppe: Allgemeines, Wissenschaft
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Tag der mĂŒndlichen PrĂŒfung: 24.06.2003
Erstellungsjahr: 2002
Publikationsdatum: 17.12.2003
Kurzfassung auf Deutsch: Frosch und Kröte gehören zu den Ă€ltesten Symboltieren. Fast alle Kulturen haben sich mit ihnen beschĂ€ftigt, sie vielfach mit mythologischen, zuweilen phantastischen ZĂŒgen versehen und in religiöse Ausdeutungen gleichsam eingehĂŒllt. In nahezu allen Gattungen der abendlĂ€ndischen Kunst fanden diese Amphibien (Froschlurche) Beachtung, gemessen an der Zahl der DenkmĂ€ler vornehmlich in der Bau- und Grabplastik sowie in der Tafelmalerei.


In der kunsthistorischen Literatur fanden sich bislang nur vereinzelte Abhandlungen, die sich mit dem Thema 'Frosch und Kröte' befassten, dann meistens aufgrund der herausgehobenen Betrachtung einzelner Darstellungen an einzelnen DenkmÀlern. Auch Kulturanthropologen, Volkskundler und Medizinhistoriker haben sich vereinzelt mit dem Thema - aus ihrer spezifischen Sicht - befasst. Eine Vernetzung der Ergebnisse und damit der kulturhistorischen, kirchenhistorischen und sozialhistorischen Einsichten fand dabei aber praktisch nicht statt.


Die nun erfolgte Zusammenstellung aller erreichbaren Zeugnisse innerhalb von Buchmalerei, Bauplastik, Grabplastik und Tafelmalerei zwischen dem 10. und 17. Jahrhundert soll nicht nur fĂŒr Kunsthistoriker einen Überblick ĂŒber einen bislang wenig beachteten Themenbereich geben und damit AnsĂ€tze fĂŒr weitergehende Deutungen im Zusammenhang mit der Darstellung anderer Tiergruppen u.Ă€. geben, sondern sie soll auch den Kollegen der genannten Nachbardisziplinen eine Neubewertung respektive ErgĂ€nzung ihrer Einsichten und AnsĂ€tze ermöglichen.


Ein erstes Mal trifft man auf den Frosch in den Apokalypse-Handschriften, wo er den Bericht vom Ende der Zeit illustriert (Aussendung der Froschgeister).


In der Bauplastik erscheint die Kröte ausschließlich im Gerichtskontext und dort als Attribut des Teufels oder einer personifizierten TodsĂŒnde, 'Luxuria' (Wollust) und 'Gula' (Völlerei). Daneben gehört sie zu den Attributen des 'mundus', der personifizierten betrĂŒgerischen Welt. In der Tafelmalerei ist sie zunĂ€chst Attribut der 'Luxuria', spĂ€ter mehr Sinnbild der Vanitas.


In der Grabmalkunst kommt die Kröte seit der Mitte des 14. Jahrhunderts als 'Aasfresserin' vor. Dort erscheint sie mit dem 'transi', der Darstellung des verwesenden Leichnams, spÀter auch mit dem Skelett. Im Buch-Totentanz setzt sich diese Verwendung fort. Noch im 19. Jahrhundert zeigen volksfromme Objekte wie das alpenlÀndische 'BetrachtungssÀrglein' (Miniatursarg zur Betrachtung der Vanitas) Kröten beim verwesenden Leichnam.


Die genannten TodsĂŒnden sowie 'mundus' und 'transi' können daher als 'TrĂ€gerfiguren' der 'bös’ krott' angesprochen werden.

Die zeitlich letzte Darstellungsform der 'dÀmonischen' Kröte ist das Krötenvotiv, das vor allem im 18. und 19. Jahrhundert vorkommt und die spezifischen Anschauungen des Volkes hinsichtlich der Kröte (Gift- und Krankheitstier) reflektiert. Das stÀrker als andere Votivformen magisch besetzte Krötenopfer wurde von kirchlicher Seite sanktioniert. Das Krötenvotiv (naturgetreue Nachbildung des Tieres aus Wachs oder Metall) war vermutlich bereits vor dem 16. Jahrhundert bekannt. Zu seiner Ausbildung hat die medizinische Lehre vom frei im Körper umherschweifenden, 'bissigen' Geburtsorgan ('Beermutter') sowie die Idee vom fruchtbaren, weiblich-sexuellen Tier beigetragen.


Ausschließlich der Frosch kommt als Attribut von Heiligen vor. Und nur er wird in der Malerei mit dem Schmetterling dargestellt. Dann ist er Sinnbild der Regeneration und Zeichen der Erdgebundenheit des Menschen im Gegensatz zum Schmetterling, der die Auferstehung versinnbildlicht. Hierin finden positive Bewertungen des Frosches, etwa seitens des Physiologus - neben der Bibel die Hauptquelle fĂŒr die mittelalterliche Tiersymbolik - Niederschlag. FĂŒr die Kröte liegen solche gĂŒnstigen Beurteilungen generell nicht vor. Finden Vergleiche statt, wird der Frosch als das 'harmlosere' Tier eingestuft.


Vorchristliche Artefakte belegen, dass die enge VerknĂŒpfung der Froschlurche mit SexualitĂ€t und Fruchtbarkeit nicht erst im Mittelalter aufkam. Ebenso zeigen Wortzeugnisse griechischer und römischer Provenienz, wie frĂŒh man bereits den Frosch fĂŒr Vergleiche mit moralischen UnzulĂ€nglichkeiten des Menschen (Feigheit, Hybris, Schwatzhaftigkeit) heranzog.


Einige der von der Antike an ausgebildeten Implikationen erwiesen sich als so dauerhaft, dass sie bis heute - rudimentĂ€r - ĂŒberlebt haben (Giftkröte, Hexen- und Zaubertier, Wetterprophet).
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